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Schwangerenkonfliktberatung ist nicht alles
Seit dem Rückzug der Katholischen Kirche ist weit über ein Jahr vergangen. Die Einrichtungen haben zwar längst nicht alle ihre Pforten geschlossen, aber sie stellen eben diesen Schein nicht mehr aus, ohne den eine Schwangere nicht abtreiben darf. Kein Wunder, dass Einrichtungen anderer Träger aus dem Boden sprießen. Nur Teilbereich Zwar ist die sogenannte Schwangerschaftskonfliktberatung nur eine von mehreren Aufgaben einer Beratungsstelle, aber doch eine wichtige. Daher eröffnete die Innere Mission Ansbach Anfang des Jahres ihre Staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen. "Es gibt außer uns in Ansbach nur noch das Gesundheitsamt, das den Schein ausstellen darf, denn die katholische Beratungsstelle hat ja keine staatliche Anerkennung mehr", erklärt Beraterin Sigrid Allisat-Beck. Rund ein Drittel ih-rer Arbeit mache die Schwangerschaftskonfliktberatung aus. "Es ist auch der schwierigste Bereich", räumt die Sozialpädagogin ein und ihre Kollegin Brigitte Schwarz bestätigt das. Ihre Maxime lautet "Beratung zum Leben" "Das schreibt uns das Gesetz vor. Vor allem aber verlangt das mein Glaube von mir", sagt Beraterin Brigitte Schwarz. Sie ist schon fast zwanzig Jahre in diesem Arbeitsbereich. "Oft wissen wir ja nicht, ob die Frauen, denen wir einen Schein ausstellen, auch tatsächlich abtreiben." Laut Statistik sehe jede Dritte dann doch davon ab. Nicht zu wissen, ob die jeweilige Frau wirklich den Eingriff vornehmen lässt, sei schon manchmal eine Hilfe. "Aber es gibt Frauen, da weiß ich ziemlich sicher, dass sie abtreiben. Da entsteht ein Trauergefühl und es tut mir sehr leid", meint Schwarz. In ihrer langjährigen Erfahrung hatte sie auch gelegentlich eine Seelsorgerin aufgesucht, um mit ihr über die Frage der Mitschuld zu sprechen. "Manchmal hilft mir auch ein kurzes Gebet. Abgestumpft bin ich in all den Jahren nicht." Aber es sei falsch, sich jedes ungeborene Kind auf die eigene Seele zu lasten. "Man muss sich deutlich machen, dass die Frau die Entscheidung trifft und die Verantwortung dafür trägt. Es ist nötig, sich immer wieder zu distanzieren, denn die Mitverantwortung ist belastend", räumt auch Allisat-Beck ein. Eine tolle Erfahrung sei es schon, wenn dann Monate später eine Frau mit ihrem Kind vorbei kommt oder ein Bild schickt von dem Kind, das sie beinahe abgetrieben hätte. Doch bei alldem legen die beiden Beraterinnen großen Wert darauf, die Frauen nicht zu verurteilen, die sich für eine Abtreibung entscheiden. "Viele stecken in massiven Schwierigkeiten. Das reicht von finanziellen Schwierigkeiten über die soziale Situation bis hin zur Persönlichkeit der Frau", so Allisat-Beck. Maßgeblich beteiligt an der Entscheidungsfindung ist der Partner der Schwangeren. "Spricht der sich für das Kind aus und signalisiert der Partnerin Unterstützung, ist schon viel gewonnen." Die meisten Frauen würden abtreiben, weil sie sich allein gelassen und überfordert fühlen. "Und in all den Jahren habe ich noch nicht eine erlebt, die es sich leicht gemacht hätte. Jede gerät da in einen schweren Gewissenskonflikt", betont Brigitte Schwarz. Die Frauen seien in der Regel froh, um das Gespräch. Bei einigen werde deutlich, dass sie kaum jemanden haben, mit dem sie darüber reden. "Ihnen tut es gut, sich mal alles von der Seele reden zu können." Wer treibt ab? Die meisten Abbrüche machen Frauen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren. "Und die meisten haben schon ein oder zwei Kinder", berichtet Allisat-Beck. Es treiben also überwiegend Frauen ab, die wissen, was mit einem Kind auf sie zu kommt. "Im Gespräch ist es wichtig, darauf zu achten, ob da noch Kräfte in der Frau verborgen sind, die es sich lohnt zu rütteln." Gleichzeitig wissen manche werdende Mütter auch nicht um ihre Ansprüche und die Möglichkeiten finanzieller Unterstützung. "Das ist ebenso ein wichtiger Teil unserer Arbeit, dass wir den Frauen helfen, Gelder zu beantragen, Schreiben zu formulieren und zu ämtern zu begleiten"; schildert Schwarz. Viele Frauen wissen gar nicht, welche An-sprüche sie haben. Manche Leistungen müssen beim Sozialamt beantragt werden. Doch den meisten Frauen fällt der Gang zum Sozialamt schwer. "Es wäre notwendig, dass diese Mütter aus dem Sozialhilfestatus herauskommen." Von den rund 120 Beratungsstellen in Bayern sind neben der in Ansbach noch zwölf weitere Einrichtungen der evangelischen Kirche zugeordnet. Die Schwangerenberatungsstellen erfüllen noch weit mehr Aufgaben wie zum Beispiel Beratung zu Themen wie Familienplanung oder Fehlgeburt. Auch Information und Präventionsarbeit mit Kindern, Jugendlichen Eltern und Paaren gehört dazu. Karin Ilgenfritz Die Staatlich anerkannte Beratungsstelle Ansbach in der Karolinenstraße 29 hat Außenstellen in Gunzenhausen und Neustadt/Aisch. Nähere Informationen unter Telefon: 0981/9690677. Foto: kil
Der Psalmbeter hatte nicht bloß Sommerlaune. Er hatte einen Grund, seinem
Gott zu singen. Er hat einen Gott erfahren, der seine Schmerzen gelindert
und ihn geheilt und verbunden hat. Doch zunächst wa- ren Schmerzen und
Zerbrochenheit harte Realität. Und es war der erste heilsame Schritt,
sich dieser Realität zu stellen. Zu erkennen, dass es ein zerbrochenes
Herz und schmerzhafte Verletzungen gibt.
Zerbrochen, verletzt, verwundet das wünscht sich niemand. Es passt
auch nicht in unsere Zeit. Vergnügen ist angesagt, Feierlaune das ganze
Jahr. Auch in der Kirche klingt es manchmal so: Da wird immer mehr vom
Wohlfühlen geredet und vom gelingenden Leben. Wenn es aber nicht gelingt?
Wenn ich mich in meinem Lebenshaus nicht mehr wohlfühle? Wenn mir etwas
Wichtiges endgültig zerbrochen ist?
Ich denke an Menschen, die durch Tod eine nahestehende Person verloren
haben. Die Ehe oder Freundschaft ist abgebrochen worden. Ich denke an
andere Trennungen, an Streit. Familien können auseinanderbrechen. Manchen
ist die Gesundheit zerbrochen, jetzt sind sie behindert und werden nie
mehr so leben können wie vorher.
Ein zerbrochenes Herz, davon ist in der Bibel oft die Rede. Das Herz
die Mitte meines Lebens. Das, was mir ganz wichtig war wegge- brochen.
Wir spüren Zorn und Schmerz. Es gibt Wunden, die heilen nie richtig. Gott
aber verbindet die Wunden, singt der Psalmbeter. Mir gefällt dabei die
hebräische Formulierung: Gott verbindet die Schmerzen. Die Verletzung
ist noch nicht weg. Die Wunde verschwindet nicht einfach. Sie bleibt und
erinnert an ein Ereignis. Aber ein Verband kann lindern und die Wunde
schützen.
Sich in der Nähe Gottes verbinden lassen, das heißt zuerst, die tiefe
Verletzung zu Ihm hintragen und zeigen, wie beim Arzt. Ihn hinschauen
lassen. Es könnte noch mehr weh tun, aber die Heilung kann beginnen. Im
Gebet geschieht so etwas manchmal. Oder in einem Seel- sorgegespräch.
Für eine schlimme Wunde ist ein schmerzstillendes Mittel nötig. Eine Salbe,
ein Spray. Es lindert, auch wenn noch nichts verheilt ist. Das ist der
erste Schritt: Manchmal kann die Verletzung eines Lebens nicht mehr rückgängig
gemacht werden. Aber die Nähe Gottes kann sie lindern.
Die Nähe Gottes, das ist für uns auch die Nähe Jesu Christi. Ihm galt
ja die alte Hoffnung: Er ist "gesandt, die zerbrochenen Herzen zu verbinden"
(Jesaja 61,1). Und: "durch seine Wunden sind wir geheilt." (Jesaja 53,
5). Er ein Arzt, der sich selbst zerbrechen ließ für uns. Und der
uns im Gebet und im Abendmahl immer wieder einläd seine Nähe zu erfahren.
Manche Menschen spüren das besonders, wenn die Hostie laut zerbrochen
wird. Christus spricht dann: Ich bin bei dir. Ich halte es mit dir aus.
Denn ich weiß, wie Wunden schmerzen. Ich begleite dich, bis wir beim Vater
sind, der alle Tränen einmal abwischen wird.
In der alten Kirche wurde das Abendmahl ein Heilmittel, eine Medizin
genannt. Ein Heilmittel auch für die zerbrochenen Herzen. Es kann uns
helfen, wieder Gott zu loben, wieder ein Danklied anzustimmen. Weil Christus
unsere Lebensmitte ist, weil er unser Licht und unser Herz bleibt.
Pfarrerin Gabriele Gräter, Nürnberg
Wir beten: Lied 83, 4+6: Und wenn mein Herz in Stücke bricht.
Foto: kil
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