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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 35)

"Beratung zum Leben"

Schwangerenkonfliktberatung ist nicht alles

Thema 34 Wochenlang war es in aller Munde: Die Katholische Kirche stellt keine "Scheine" mehr aus. Gemeint sind die Scheine der Schwangerenberatungsstellen, die einer Frau eine straffreie Abtreibung ermöglichen. Die staatlich angeordnete Praxis ist die, dass eine Frau eine Bescheinigung über eine Pflichtberatung in einer Beratungsstelle vorlegen muss. Abbrechen darf sie die Schwangerschaft erst frühestens drei Tage nach diesem Gespräch.

Seit dem Rückzug der Katholischen Kirche ist weit über ein Jahr vergangen. Die Einrichtungen haben zwar längst nicht alle ihre Pforten geschlossen, aber sie stellen eben diesen Schein nicht mehr aus, ohne den eine Schwangere nicht abtreiben darf. Kein Wunder, dass Einrichtungen anderer Träger aus dem Boden sprießen.

Nur Teilbereich

Zwar ist die sogenannte Schwangerschaftskonfliktberatung nur eine von mehreren Aufgaben einer Beratungsstelle, aber doch eine wichtige. Daher eröffnete die Innere Mission Ansbach Anfang des Jahres ihre Staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen. "Es gibt außer uns in Ansbach nur noch das Gesundheitsamt, das den Schein ausstellen darf, denn die katholische Beratungsstelle hat ja keine staatliche Anerkennung mehr", erklärt Beraterin Sigrid Allisat-Beck.

Rund ein Drittel ih-rer Arbeit mache die Schwangerschaftskonfliktberatung aus. "Es ist auch der schwierigste Bereich", räumt die Sozialpädagogin ein und ihre Kollegin Brigitte Schwarz bestätigt das. Ihre Maxime lautet "Beratung zum Leben" – "Das schreibt uns das Gesetz vor. Vor allem aber verlangt das mein Glaube von mir", sagt Beraterin Brigitte Schwarz. Sie ist schon fast zwanzig Jahre in diesem Arbeitsbereich. "Oft wissen wir ja nicht, ob die Frauen, denen wir einen Schein ausstellen, auch tatsächlich abtreiben." Laut Statistik sehe jede Dritte dann doch davon ab. Nicht zu wissen, ob die jeweilige Frau wirklich den Eingriff vornehmen lässt, sei schon manchmal eine Hilfe. "Aber es gibt Frauen, da weiß ich ziemlich sicher, dass sie abtreiben. Da entsteht ein Trauergefühl und es tut mir sehr leid", meint Schwarz.

In ihrer langjährigen Erfahrung hatte sie auch gelegentlich eine Seelsorgerin aufgesucht, um mit ihr über die Frage der Mitschuld zu sprechen. "Manchmal hilft mir auch ein kurzes Gebet. Abgestumpft bin ich in all den Jahren nicht." Aber es sei falsch, sich jedes ungeborene Kind auf die eigene Seele zu lasten. "Man muss sich deutlich machen, dass die Frau die Entscheidung trifft und die Verantwortung dafür trägt. Es ist nötig, sich immer wieder zu distanzieren, denn die Mitverantwortung ist belastend", räumt auch Allisat-Beck ein. Eine tolle Erfahrung sei es schon, wenn dann Monate später eine Frau mit ihrem Kind vorbei kommt oder ein Bild schickt von dem Kind, das sie beinahe abgetrieben hätte.

Doch bei alldem legen die beiden Beraterinnen großen Wert darauf, die Frauen nicht zu verurteilen, die sich für eine Abtreibung entscheiden. "Viele stecken in massiven Schwierigkeiten. Das reicht von finanziellen Schwierigkeiten über die soziale Situation bis hin zur Persönlichkeit der Frau", so Allisat-Beck. Maßgeblich beteiligt an der Entscheidungsfindung ist der Partner der Schwangeren. "Spricht der sich für das Kind aus und signalisiert der Partnerin Unterstützung, ist schon viel gewonnen." Die meisten Frauen würden abtreiben, weil sie sich allein gelassen und überfordert fühlen. "Und in all den Jahren habe ich noch nicht eine erlebt, die es sich leicht gemacht hätte. Jede gerät da in einen schweren Gewissenskonflikt", betont Brigitte Schwarz. Die Frauen seien in der Regel froh, um das Gespräch. Bei einigen werde deutlich, dass sie kaum jemanden haben, mit dem sie darüber reden. "Ihnen tut es gut, sich mal alles von der Seele reden zu können."

Wer treibt ab?

Die meisten Abbrüche machen Frauen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren. "Und die meisten haben schon ein oder zwei Kinder", berichtet Allisat-Beck. Es treiben also überwiegend Frauen ab, die wissen, was mit einem Kind auf sie zu kommt. "Im Gespräch ist es wichtig, darauf zu achten, ob da noch Kräfte in der Frau verborgen sind, die es sich lohnt zu rütteln." Gleichzeitig wissen manche werdende Mütter auch nicht um ihre Ansprüche und die Möglichkeiten finanzieller Unterstützung. "Das ist ebenso ein wichtiger Teil unserer Arbeit, dass wir den Frauen helfen, Gelder zu beantragen, Schreiben zu formulieren und zu ämtern zu begleiten"; schildert Schwarz. Viele Frauen wissen gar nicht, welche An-sprüche sie haben. Manche Leistungen müssen beim Sozialamt beantragt werden. Doch den meisten Frauen fällt der Gang zum Sozialamt schwer. "Es wäre notwendig, dass diese Mütter aus dem Sozialhilfestatus herauskommen."

Von den rund 120 Beratungsstellen in Bayern sind neben der in Ansbach noch zwölf weitere Einrichtungen der evangelischen Kirche zugeordnet. Die Schwangerenberatungsstellen erfüllen noch weit mehr Aufgaben wie zum Beispiel Beratung zu Themen wie Familienplanung oder Fehlgeburt. Auch Information und Präventionsarbeit mit Kindern, Jugendlichen Eltern und Paaren gehört dazu.

Karin Ilgenfritz

Die Staatlich anerkannte Beratungsstelle Ansbach in der Karolinenstraße 29 hat Außenstellen in Gunzenhausen und Neustadt/Aisch.

Nähere Informationen unter Telefon: 0981/9690677.

Foto: kil


Sich von Gott verbinden lassen


Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind und verbindet ihre Wunden. Singt dem Herrn ein Danklied und lobt unsern Gott mit Harfen.

Psalm 147, 3+7

Andacht 34 Da fordert jemand auf, zu singen und Gott zu loben. Eigentlich eine gute Idee heute an diesem Sommermorgen, mag sich mancher denken. Andere wieder sagen sich: Nein, heute nicht. Mir ist nicht nach Lob. Warum sollte ich. Nur, weil Sommer ist? Gott loben, bloß weil alle Welt Sommerlaune hat?

Der Psalmbeter hatte nicht bloß Sommerlaune. Er hatte einen Grund, seinem Gott zu singen. Er hat einen Gott erfahren, der seine Schmerzen gelindert und ihn geheilt und verbunden hat. Doch zunächst wa- ren Schmerzen und Zerbrochenheit harte Realität. Und es war der erste heilsame Schritt, sich dieser Realität zu stellen. Zu erkennen, dass es ein zerbrochenes Herz und schmerzhafte Verletzungen gibt.

Zerbrochen, verletzt, verwundet – das wünscht sich niemand. Es passt auch nicht in unsere Zeit. Vergnügen ist angesagt, Feierlaune das ganze Jahr. Auch in der Kirche klingt es manchmal so: Da wird immer mehr vom Wohlfühlen geredet und vom gelingenden Leben. Wenn es aber nicht gelingt? Wenn ich mich in meinem Lebenshaus nicht mehr wohlfühle? Wenn mir etwas Wichtiges endgültig zerbrochen ist?

Ich denke an Menschen, die durch Tod eine nahestehende Person verloren haben. Die Ehe oder Freundschaft ist abgebrochen worden. Ich denke an andere Trennungen, an Streit. Familien können auseinanderbrechen. Manchen ist die Gesundheit zerbrochen, jetzt sind sie behindert und werden nie mehr so leben können wie vorher.

Ein zerbrochenes Herz, davon ist in der Bibel oft die Rede. Das Herz – die Mitte meines Lebens. Das, was mir ganz wichtig war – wegge- brochen. Wir spüren Zorn und Schmerz. Es gibt Wunden, die heilen nie richtig. Gott aber verbindet die Wunden, singt der Psalmbeter. Mir gefällt dabei die hebräische Formulierung: Gott verbindet die Schmerzen. Die Verletzung ist noch nicht weg. Die Wunde verschwindet nicht einfach. Sie bleibt und erinnert an ein Ereignis. Aber ein Verband kann lindern und die Wunde schützen.

Sich in der Nähe Gottes verbinden lassen, das heißt zuerst, die tiefe Verletzung zu Ihm hintragen und zeigen, wie beim Arzt. Ihn hinschauen lassen. Es könnte noch mehr weh tun, aber die Heilung kann beginnen. Im Gebet geschieht so etwas manchmal. Oder in einem Seel- sorgegespräch. Für eine schlimme Wunde ist ein schmerzstillendes Mittel nötig. Eine Salbe, ein Spray. Es lindert, auch wenn noch nichts verheilt ist. Das ist der erste Schritt: Manchmal kann die Verletzung eines Lebens nicht mehr rückgängig gemacht werden. Aber die Nähe Gottes kann sie lindern.

Die Nähe Gottes, das ist für uns auch die Nähe Jesu Christi. Ihm galt ja die alte Hoffnung: Er ist "gesandt, die zerbrochenen Herzen zu verbinden" (Jesaja 61,1). Und: "durch seine Wunden sind wir geheilt." (Jesaja 53, 5). Er – ein Arzt, der sich selbst zerbrechen ließ – für uns. Und der uns im Gebet und im Abendmahl immer wieder einläd seine Nähe zu erfahren. Manche Menschen spüren das besonders, wenn die Hostie laut zerbrochen wird. Christus spricht dann: Ich bin bei dir. Ich halte es mit dir aus. Denn ich weiß, wie Wunden schmerzen. Ich begleite dich, bis wir beim Vater sind, der alle Tränen einmal abwischen wird.

In der alten Kirche wurde das Abendmahl ein Heilmittel, eine Medizin genannt. Ein Heilmittel auch für die zerbrochenen Herzen. Es kann uns helfen, wieder Gott zu loben, wieder ein Danklied anzustimmen. Weil Christus unsere Lebensmitte ist, weil er unser Licht und unser Herz bleibt.

Pfarrerin Gabriele Gräter, Nürnberg

Wir beten:
Herr Jesus Christus, Du kennst unsere Schmerzen und Du weißt, wie es ist, wenn das Leben zerbricht.
So bitten wir dich: Heile mit Deiner Nähe, wo Wunden schmerzen. Tröste, die verletzt und gebrochen sind. Du Auferstandener: Du bist für uns das Leben. Fülle unsere Herzen mit neuer Freude, damit wir Dich und den Vater loben. Amen.

Lied 83, 4+6: Und wenn mein Herz in Stücke bricht.

Foto: kil

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