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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 32)

"Jeder Gottesdienst ist wie der erste"

Seit über 20 Jahren gibt es die Motorradfahrergottesdienste auf dem Trautenhof

Thema 32
"Das weiß ich noch wie heute: Clemens Bittlinger hat gesungen, die Predigt hat mich total ergriffen und als ich zu Hause meiner Frau davon erzählt habe, hatte ich immer noch eine Gänsehaut", erinnert sich Michael Hahn an seinen ersten Motorradfahrergottesdienst auf dem Trautenhof bei Jagsthausen (Baden-Württemberg). Das war vor über acht Jahren. Seitdem versuchen der 46-jährige Krankenpfleger und seine Frau Helga möglichst bei jedem Gottesdienst dabei zu sein. Das heißt von Mai bis Oktober immer am ersten Sonntag im Monat, jeweils um 10 Uhr.

Motorradfahrergottesdienste gibt es jede Menge. In den letzten Jahren hat der Trend stark zugenommen. Doch die Veranstaltungen auf dem Trautenhof sind schon etwas Besonderes, sie sind wohl die ältesten Veranstaltungen dieser Art. Organisisert werden sie von dem christlichen Verein Elops C.u.M. (Christen unter MotorradfahrerInnen) mit Sitz im fränkischen Gollhofen. Die Motorradfahrergottesdienste haben eine lange Geschichte.

Blitzidee wurde zur Vision

Werner Berr, Leiter der Elops, ist Motorradfahrer seit er kann und darf. Allerdings sei das Motorradfahren zu seiner Zeit noch etwas exotisches gewesen und war bei Christen verpönt. Es zählte neben rauchen und tanzen zu den drei "Ursünden". "Ich dachte mir oft, wie kann man Gott nur so klein machen. Dann kam die Blitzidee mit den Gottesdiensten auf und setzte sich als eine Vision in meinem Kopf fest."

Fast zehn Jahre hat es gedauert, bis der heute 53-Jährige seine Idee in die Tat umsetzen konnte. Mit dem Trautenhof bei Jagsthausen fand er einen bestens geeigneten Veranstaltungsort. Im Juni 1979 fand der erste Motorradfahrergottesdienst statt, damals schon mit 150 Besuchern. Inzwischen sind die Besucherzahlen enorm angestiegen. Bei schlechtem Wetter kommen etwa 800, bei gutem Wetter bis 1.500 Menschen auf ihren Maschinen angefahren. Im Laufe der Jahre haben die Gottesdienste nichts an ihrer Attraktivität verloren. "Anfang dachte ich, das läuft ein paar Jahre und dann war's das", meint Berr. Aber weit gefehlt. Und noch immer kommen Menschen dazu, die zum ersten Mal da sind.

"Jeder Gottesdienst ist wie der erste", sagt Werner Berr begeistert. Von all seinen Aktivitäten als Geschäftsführer der Elops, "sind die Motorradfahrergottesdienste mein Lieblingskind". Und wenn er darüber spricht wird deutlich mit welcher Hingabe er dieser Arbeit nachgeht. "Wo sonst hat man diese sagenhafte Möglichkeit so viele Menschen zu erreichen? Und vor allem diese Bandbreite von 'gottfernen' bis zu 'gottnahen' Menschen." Die Altersspanne der Besucher reicht von 18 bis 70 Jahre, die Mehrheit ist zwischen 30 und 55 Jahre alt.

Evangelistisch orientiert

Antrieb für diese Gottesdienste ist Berrs Wunsch, "dass Menschen, die ich gut verstehe, die befreiende Botschaft von Jesus hören. Mir ist es wichtig darum zu wissen und das will ich nicht für mich behalten". Die Veranstaltungen haben bewusst eine evangelistische Ausrichtung. "Wir sind keine Gemeinde und wollen auch keine sein", erklärt Berr. Aus diesem Grund lehnt er es auch ab, Trauungen oder Taufen durchzuführen. "Das gehört eindeutig in eine feste Kirchengemeinde."

Nach den Gottesdiensten gibt es bei Eintopf noch genügend Möglichkeiten, sich zu unterhalten. Mitarbeiter von C.u.M. stehen für Gespräche zur Verfügung. "Wir empfehlen Leuten, die sich für den Glauben interessieren, Gemeinden in ihrer Gegend und stellen auch schon mal Kontakte her."

Vom Glauben gepackt

So war es auch bei Michael und Helga Hahn, die durch einen Zufall zu den Motorradfahrergottesdiensten gekommen sind. "Mit der Kirche konnten wir nie viel anfangen. Bei den Veranstaltungen auf dem Trautenhof hat uns der Glaube gepackt." Inzwischen sind die beiden in einem Bibelkreis in ihrem Heimatort Unterballbach.

Doch die Motorradfahrergottesdienste sind noch immer ein Highlight für die beiden. "Die Predigten sind so greifbar, einfach Alltagstauglich. Ich zehre davon längere Zeit", schwärmt Michael Hahn. "Und dann die vielen Motorräder - ein Genuss!" Auch seine Frau Helga ist begeistert: "Ich habe Sehnsucht bekommen, den Glauben zu verstehen und im Alltag umzusetzen. Ich profitiere immer von den Veranstaltungen."

Zu den Gottesdiensten sind nur Motorradfahrer zugelassen, Autofahrer haben keine Chance. "Das scheitert schon allein an den Parkplätzen. Aber es ist eben auch gezielt für Motorradfahrer gedacht", erklärt Berr. Glücklich ist er darüber, dass sie in all den Jahren noch nie ernsthafte Zwischenfälle, Schlägereien oder gar Ärger mit der Polizei hatten.

Weitere Angebote

Neben den monatlichen Motorradfahrergottesdiensten gibt es noch weitere Angebote. "Etwa sechs Urlaubsreisen im Jahr bieten wir an." Dabei geht es in unterschiedliche Gegenden, vom Schwarzwald über Südtirol bis zum Tessin." Neben dem Motorradfahren spielt auch hier der Glaube eine wichtige Rolle.

Karin Ilgenfritz

Foto: Elops


Menschen sind kostbar für Gott

Das Himmelreich gleicht einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.
Matthäus 13, 45 f.

  Andacht 32

Der Himmel übertrifft alles andere. Wenn man hinaufschaut am Tage und die Flugzeuge unter dem unendlichen Blau dahinziehen sieht oder in der Nacht, wenn eine Unzahl Sterne über unserem Planeten funkelt, wird einem die Ungeheuerlichkeit und Größe des Himmels bewusst.

Der Himmel ist unermesslich. Allein schon der Himmel, den die Astronomen meinen, ist bis heute nicht ausgemessen. Beim Himmel, den Jesus meint, wenn er vom Himmelreich spricht, denken wir zunächst an die Unermesslichkeit des astronomischen Himmels und können uns so die Unergründlichkeit des Himmels Gottes annähernd vorstellen. Und nun heißt es so einfach und lapidar: "Das Himmelreich gleicht einem Kaufmann…"

Ich glaube, um eine solche Behauptung zu begreifen, müssen wir uns von der astronomischen Vorstellung des Himmels lösen und ihn im übertragenen Sinne verstehen. In einem ersten Versuch, uns dem Himmel zu nähern, holen wir ihn herunter in unseren Vorstellungshorizont. Wir sagen "Himmel" und meinen damit die Erfüllung diverser Wünsche. Sehr schnell kommen wir dann darauf, Himmel und Glück gleichzusetzen. Jeder Mensch hat gewisse Vorstellungen vom Glück: Familie, Kinder, Wohlstand, schöne Reisen, Gesundheit… Das Glück eines Menschen ist sein Himmel. Glaubt er. Und er glaubt normalerweise auch, dass er dafür alles andere stehen und liegen lassen würde. Leider nur hat ein solches Glück den Fehler, vergänglich zu sein…

Wenn wir das Gleichnis vom Himmelreich genau betrachten, fällt auf, dass hier das Himmelreich mit einem Kaufmann verglichen wird, der einem bestimmten Geschäft nachgeht. Nicht der Kauf an sich, auch nicht die kostbare Perle ist der Inbegriff des Himmelreiches, sondern die Person des Kaufmanns. Er ist der Aktive, der auf die Suche geht, etwas Vollkommenes findet und die Suche für erfolgreich abgeschlossen erklärt. Nicht der Mensch also, der Himmel wird aktiv. Gott geht auf die Suche. Und wo anders sollte er suchen als unter den Menschen? Der Kaufmann ist also ein Sinnbild für Gott. Er sucht seine Welt ab nach Menschen, die sich ihm öffnen. Er findet sie und ist glücklich darüber. Alles, was er sieht an Dingen, die ihn traurig stimmen könnten, übersieht er um derjenigen willen, die für ihn offen sind.

Er übersieht das Traurige im Glück über alle, die sich von ihm finden lassen. Ein einzelner, gefallener Mensch, der sich zu ihm wendet, ist Gott so viel wert wie eine sich redlich mühende Menschheit. Die Schuld in der Welt zählt nur vor den Menschen. Vor Gott zählt, wer sich von ihm finden lässt. Diesen Menschen wendet er sich mit ganzer Konzentration und Hingabe zu. Er behandelt sie wie eine einzigartige Kostbarkeit.

Den Himmel erfassen, das ist von uns aus unmöglich. Möglich ist, um den Himmel zu bitten, mit Gott zu sprechen. Möglich ist auch, von Gott angesehen und liebgewonnen zu werden. Deshalb gibt es den Himmel in all den furchtbaren und glücklichen Zufällen des Lebens. Er ist nicht unsere Vorstellung vom Glück, er ist der Moment, in dem wir angesehen werden von Gott. Und der Moment, in dem wir das dankbar empfinden.

Susanna Arnold-Geißendörfer,
Aschaffenburg

Wir beten:
Gott, himmlischer Vater, klein sind wir im Vergleich mit dem Himmel über uns. Trotzdem hältst du das Himmelreich für uns bereit. Zeig' uns den richtigen Weg, lenke uns ab von unserer Konzentration auf uns selbst. Lass uns erkennen, dass wir Glück haben, wenn dein Blick uns trifft.
Amen.

Lied 497: Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun

Foto: Arnold-Geißendörfer

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