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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 31)

Ein steiniger Weg zur Selbstständigkeit

Jugendwerkstätten machen fit für das Berufsleben - Beispiel Langenaltheim

Thema 31
Wie heißt es so schön? Wo gehobelt wird, da fallen Späne. In der Schreinerei in Langenaltheim (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) gilt das über die reguläre Arbeitszeit hinaus. Einer der Jugendlichen ist gerade damit beschäftigt, eine Holzplatte zu funieren. Der 19-Jährige aus Ansbach arbeitet an seinem Gesellenstück. Er hat sich eigens ein Zimmer in Langenaltheim gemietet, um auch nach dem Dienst weitertüfteln und -werkeln zu können. In wenigen Wochen ist Abgabeschluss - da ist noch eine Menge zu tun.

Viele der 18 Jugendlichen, die derzeit in der Jugendwerkstatt betreut werden, sind motiviert, wollen einen Job und Geld verdienen. In den drei Arbeitsbereichen dieser Einrichtung der Berufsbezogenen Jugendhilfe (BBJH) lernen sie die Grundlagen des Nähens, die Wald- und Landschaftspflege oder den Holzbau kennen. Auf dem gewöhnlichen Arbeitsmarkt hatten sie keine Chance. Schwierige Elternverhältnisse oder die hohen Anforderungen der Gesellschaft sind der Grund dafür, dass sie bisher keinen Job gefunden haben. "Viele haben einfach Angst vor Formularen oder wissen nicht, wie man sich richtig bewirbt", erklärt Georg Schnell. Einige hätten Schwierigkeiten beim Umgang mit den eigenen Finanzen. "Zu uns kam einmal jemand, der 10.000 Mark Schulden wegen seiner Handy-Telefoniererei hatte", berichtet der Diplom-Sozialpädagoge, der gemeinsam mit seiner Kollegin Gunhild Riehl-Knoll die jungen Menschen fit für das (Berufs-)leben macht.

Konzept: Arbeiten und lernen

In Bayern gibt es 15 derartige Einrichtungen, die unter evangelischer Trägerschaft stehen. Dazu zählen die Kinderarche in Fürth, aber auch Jugendhilfen in München, Augsburg oder Rosenheim. Eine der ältesten aber ist Langenaltheim, wo seit 15 Jahren Jugendliche gefördert werden. Das Konzept heißt: Arbeiten und lernen. "Wir bieten sozial benachteiligten Jugendlichen einen realen Job", erklärt Georg Schnell. Doch neben der beruflichen Tätigkeit steht die Qualifizierung und Bildung. Ein Mal pro Woche treffen sich die jungen Menschen, um lebensprak-tische Inhalte mit auf den Weg zu bekommen. Was man sich unter diesem etwas hochtrabenden Begriff vorstellen soll? "Wir erklären ihnen zum Beispiel, welche Versicherungen sie benötigen, wie viel Miete ein Vermieter verlangen darf oder welche Umgangsformen im Kontakt mit Polizei und Justiz vonnöten sind", sagt Schnell. Es gehe eben darum, dass die jungen Leute auf eigenen Füßen stehen. Dazu dienen auch ein EDV-Lehrgang, der einmal im Jahr stattfindet und die fachpraktischen Kurse, bei denen die jungen Mädchen unter anderem lernen, eine Hose oder einen Rock herzustellen.

Von den 18 Jugendlichen in Langenaltheim sind übrigens 14 als ABM-Kräfte angestellt, drei erhalten eine Lehre als Schreiner, und ein Platz ist für die Ausbildung zur Damenmaßschneiderin vorgesehen. Die Teilnehmer sind zwischen 17 und 23 Jahre alt, arbeitslos, ohne abgeschlossene Lehre und "subjektiv schwer vermittelbar". In der Jugendwerkstatt können sie bis zu einem Jahr bleiben - solange die Leistung stimmt. Das persönliche Engagement wird nämlich nach einem ausgeklügelten System beurteilt, mit Punkten von "1" bis "6", wobei die "6" der beste Wert ist. "Wir wollten gerade nicht an die Schule erinnern", verdeutlicht Schnell. In die Bewertung fließen zu 60 Prozent das Arbeitsverhalten (Tempo, Qualität, Pünktlichkeit oder Umgang mit Vorgesetzten), zu 25 Prozent die sozialpädagogische Mitarbeit (persönliche Disziplin bei der Erreichung der selbst gesetzten Ziele) und zu 15 Prozent die Bildung (Verhalten im Unterricht, Ausdauer und Konzentration) mit ein. Ein zusätzlicher Anreiz, sich in all diesen Bereichen zu bemühen, besteht darin, dass sich die Bewertung auf den Lohn auswirkt. Je besser die Noten, desto mehr Banknoten auf dem Konto, so könnte man es formulieren. Bei den Jugendlichen wird dieses System gut angenommen. Da ist Manfred Armann, der sich seit drei Monaten in der Jugendwerkstatt der Wald- und Landschaftspflege widmet. Das Arbeitsamt vermittelte ihn nach Langenaltheim. Er hat zwar bereits eine Lehre zum Schreiner begonnen, diese aber wegen der "nervenden Berufsschule" sausen lassen. Jetzt fällt er Bäume, beschneidet Äste oder widmet sich der Kulturenpflege. Eine Tätigkeit die ihm Spaß macht, auch wenn er einmal im Elektrobereich beschäftigt sein will. Kurz vor 5 Uhr steht er auf, um von Ettenstatt per Zug und Bus nach Langenaltheim zu fahren. Zur Arbeit, die um 7.15 Uhr beginnt, will er schließlich pünktlich sein.v Und da ist Kamer Erdogan, eine 19-jährige Türkin aus Treuchtlingen. Ihre Cousine hat ihr von der Jugendwerkstatt erzählt und empfohlen. Seit neun Monaten ist sie in der Näherei tätig, eine Beschäftigung, die ihr auch später einmal zusagen würde. Später einmal? Dann, wenn sie eine echte Stelle gefunden hat, mit realen Anforderungen und dem üblichen Stress. Das nämlich ist der Unterschied zwischen Jugendwerkstatt und norma-lem Arbeitsalltag. "Hier dürfen wir auch einmal Fehler machen", sagt Manfred Armann. Geduldig würden ihnen die Handwerksmeister dann alles noch einmal in Ruhe erklären.

Mehr Rücksicht bei Fehlern

"Als ich einmal in einer Autozulieferer-Fabrik zu arbeiten begann, hat man mir alles in einer halben Stunde erklärt und dann musste ich es packen", schildert Kamer Erdogan ihre Erfahrungen. In Langenaltheim dagegen erhielten die Jugendlichen genügend Zeit, um die einzelnen Arbeitsschritte einzuüben. "Das würde ich mir auch im realen Arbeitsleben wünschen", fügt die 19-Jährige hinzu: "Mehr Rücksicht, wenn Jugendliche Fehler machen!"

Günter Kusch

Foto: privat


Meinem Gott gehört die Welt

Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet. Wer darf auf des Herrn Berg gehen, und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist, wer nicht bedacht ist auf Lug und Trug und nicht falsche Eide schwört: der wird den Segen vom Herrn empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heiles. Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs.
Psalm 24, 1-6

  Andacht 31

Nehmen wir uns etwas Zeit, das Bild zu betrachten. "Schöpfung" heißt es und drückt aus, wie ein glaubender Mensch dieses Thema sehen kann. Wer das Bild länger betrachtet, der spürt förmlich, wie die Schöpfungstage dargestellt sind. Zum Beispiel wie das Licht geschaffen ist; wie Sonne und Mond und Sterne sind; wie Erde und Wasser geschieden sind. Vor allem aber sind es die großen Hände, die mich beeindrucken. Aus der Hand Gottes kommt die Welt und alles Leben. Und sie ist es auch, die alles erhält. Aus diesem Grund macht das Bild mit seinen Aussagen froh und getrost.

Lange Zeit nach der Schöpfung hat David den Psalm 24 gedichtet, als Dank und Bekenntnis zu Gott. Vielleicht hat David schon in seiner Zeit empfunden, dass es für die Menschen nicht mehr so selbstverständlich ist, die Erde als Gottes Eigentum zu sehen. So sollte sein Psalm anderen Menschen helfen, die Dinge wieder klarer zu erkennen. Mir jedenfalls tut dieses Bekenntnis gut und gibt mit Gewissheit im Glauben: Diese Erde ist des Herrn. Aber nicht nur diese Erde, dieser blaue Juwel im Wetlall, sondern auch alles, "was darinnen ist".

Damit sind alle diese Schätze der Erde gemeint, die wir zum Teil ausbeuten und die unser Leben erleichtern und gelingen lassen. Denken wir da nur an die Felder und an un-sere Gärten. Gott hat uns sozusagen die Grundlage zur Verfügung gestellt und nun dürfen wir säen und ernten, erproben und versuchen. Und es ist viel in unserer Erde drin, das ahnen und erkennen auch wir Laien! Als reich Beschenkte dürfen wir in dieser Welt leben. Die Aussage geht noch weiter: "der Erdkreis und die darauf wohnen." Damit ist die bewohnbare Erde mit ihren Einwohnern gemeint. Mit diesem Gedanken weitet sich der Blick im Glauben. Wir werden daran erinnert, welch ein Geschenk Familie, Nächste, Freunde und Nachbarn für uns sein können. Denn dass die Erde bevölkert ist und wir Gemeinschaft mit anderen Menschen haben dürfen, ist eine große Bereicherung für uns.

Da tut es auch gut, in der momentanen Diskussion um Einwanderung und ihre Quoten, den biblischen Zusammenhang zu sehen. Natürlich ist Deutschland unsere Heimat, aber auch Teil dieser Welt. Und: die Erde ist des Herrn! Auch wir sind in unserer Heimat zutiefst doch Gäste in Gottes Eigentum. Sollten wir dann nicht ein Herz für Menschen haben, die als Gäste in unser Land kommen? Oder wollen wir lieber bei oberflächlichen Parolen bleiben, anstatt uns vom Wort Gottes leiten zu lassen? Die weiteren Verse zeigen jedenfalls deutlich, dass Glaube und Christsein Herz und Hände nicht von bösen Gedanken oder von oberflächlichen Parolen bestimmen lassen. Sie werden von Gottes Wort bestimmt und geleitet. Der Psalm lädt uns ein, alle Tage ganz konkret mit Gott zu rechnen. Davon wird dann unser ganzes Denken und Handeln bestimmt. Eben auch in den heißen und unbequemen Fragen der Zeit.

Weil die Welt meinem/unserem Gott gehört, dürfen wir auch dankbar in Gott Eigentum leben und alles auch genießen und nutzen, was er uns anvertraut hat - mit dieser Welt, mit unserem Leben und mit unserem Glauben!

Dieter Welker
Gebsattel

Gebet: Lieber Herr Jesus Christus. Ich danke dir für deine Zusagen und Verheißungen, die du uns gegeben hast. Danke, dass du uns und der Welt nicht den Rücken zugekehrt hast. Du bist der Kommende und schon heute leben wir von deiner Zuwendung. Hab Dank dafür. Amen.

Lied 652: Du schufst, Herr, unsre Erde gut.

Bild: Darstellung von Sieger Köder

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