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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 29)

Gute Vorsätze für die schönste Zeit des Jahres

Wenn zu hohe Erwartungen den Urlaub vermiesen - Erholung oder Anstrengung?

Thema 29
Wenn es um die "schönsten Wochen" im Jahr geht, herrscht bei den Deutschen eine Art Glückszwang: Der Urlaub muss schön werden. Er soll liefern, was in den übrigen Wochen des Jahres zu oft zu kurz kommt: Erholung, Harmonie und Glück. Aber: Nur 42 Prozent der Urlauber erholen sich laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage tatsächlich. Jeder Fünfte schilderte den letzten Urlaub sogar als "sehr anstrengend". Zehn von hundert Befragten fanden die Urlaubszeit "langweilig, und bei sieben Prozent gab es öfter Streit: Vater will an den Pool, Mutter möchte Kultur und erwartet, dass der "beste aller Ehemänner" sich endlich einmal intensiv dem gemeinsamen Nachwuchs widmet. Doch der gestresste Hauptverdiener der Familie möchte lieber Zeitung lesen, und die Kinder streiten sich, wollen endlich an den Strand, und abends natürlich nicht ins Bett.

Scheidung nach dem Urlaub

Jede dritte Scheidung in Deutschland wird nach einem gemeinsamen Urlaub eingereicht. Wer den Urlaub genießen will, tut gut daran, die eigenen Erwartungen auf ein realistisches Maß herunter zu schrauben. Das gilt für die Unterkunft am Urlaubsort genauso wie für die Erwartungen an Harmonie und Nähe. Denn beides setzt nicht auf Knopfdruck mit dem Reisestart ein, sondern braucht Zeit. Zeit, um äußerlich und innerlich anzukommen und sich auf den ungewohnten Ort und das ungewohnte Rund-um-die-Uhr-Zusammensein einzustellen.

"Die unterschiedlichen Erwartungen müssen vorher ausgesprochen werden", rät der Hamburger Diplompsychologe Frank Meiners. "Wer will was? Und wie kriegen wir das alles unter einen Urlaubshut? Welche Kompromisse sind nötig?" Auch im Familienurlaub ist es keineswegs "ehrenrührig", wenn einzelne Familienmitglieder mal etwas allein unternehmen. "Bloß keinen Gruppenzwang", meint Meiners. Vor allem in den ersten Urlaubstagen hilft es, sich Zeit fürs Ankommen beieinander und am fremden Ort zu nehmen und die ständige Nähe zu "dosieren".

Gerade für die Deutschen, die nicht nur Weltmeister im Reisen, sondern auch Meister der Perfek- tion sind, sei es besonders wichtig, sich wirklich auf das Urlaubsland einzustellen, findet Meiners. Oft haben Urlauber zu starre Vorstellungen, wie die schönsten Wochen im Jahr auszusehen haben. Sie wollen mit Nachbarn oder Freunden mithalten. Gesucht wird, was in Hochglanzprospekten verlockend angeboten wird.

Und wenn Wetter oder Unterkunft nicht hundertprozentig halten, was die Erholungssuchenden erwartet haben, heißt es oft genug: Erholung ade. Meiners empfiehlt, den Perfektionszwang ebenso zu Hause zu lassen wie Handy, Laptop oder Arbeitsunterlagen: Das hilft beim Abschalten und erspart Ärger und Streit. Denn die sind für die Erholung genauso schädlich wie ständige Erreichbarkeit und der übergangslose Wechsel vom Arbeitsalltag in den Urlaub. "Puffertage einlegen", empfiehlt Klaus Meiners und verweist darauf, wie erholsam es sein kann, nicht gleich am ersten Urlaubstag loszubrausen und auch nicht erst "last minute" zurückzukommen. Während Eltern sich vor allem Ruhe, Zeit für die Kinder und Belebung der Partnerschaft erwarten, suchen Singles häufig Erlebnis, Spaß und Abenteuer, Kontakt und Kultur. Gerade Crash- und Leistungsurlaube mit ungewohnter sportlicher Betätigung und womöglich ohne Akklimatisierung sorgen dafür, dass die schönsten Wochen des Jahres zur Enttäuschung des Jahres werden. Und nicht selten nimmt sich der Körper das Recht krank zu werden just dann, wenn endlich Zeit dazu ist: Im Urlaub.

Trott des Immer-Gleichen

Wer nachhaltige Erholung sucht, sollte seinen ganz normalen Alltag vom Trott des Immer-Gleichen entrümpeln und sich "Urlaubsinseln" im Alltag bauen. Denn Erholung lässt sich nicht nur in der Ferne finden. Auch Zuhause können Bewegung, Treffen mit Freunden, die Besinnung auf die kleinen Zeichen der Freundlichkeit Gottes und das Gespräch in der Familie dazu beitragen, dass man beim nächsten Urlaub nicht völlig "urlaubs-über-reif" und mit überhöhten Erwartungen in die schönsten Wochen des Jahres geht.

Karin Vorländer

Foto: Norbert Döhrn


"Fürchte dich nicht" als Überschrift über jedem Leben

Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
Jesaja 43, 1

  Andacht 29

Wer in den Spiegel schaut, entdeckt in seinem Gesicht vielleicht die Züge von den Eltern. Die eigenen Gene haben eine Erinnerung an Vorfahren aufbewahrt, die wir nie gekannt haben: Aus all dem sind wir, neue, eigenständige Wesen geformt. Wer es sich bewusst macht, mit welchem Erfindungsreichtum uns Gott geschaffen und geformt hat, der kann nur ins Staunen kommen über den himmlischen Künstler: Aus all den Generationen vor uns hat Gott uns geformt und formt uns weiterhin: Längst ist er noch nicht fertig mit jedem von uns: Jeder neue Tag, jeder Mensch, der mich beeindruckt, verändert und formt mich.

Was für einen Aufwand treibt Gott mit jedem Menschen und was für eine Investition steckt hinter jedem Geschöpf! Einer, der so viel Liebe in uns Menschen investiert, dem glaube ich es, wenn er sagt: Fürchte dich nicht! Nicht leicht dahingesagt ist es, sondern diese Worte sollen tragen in den Situationen, wo Angst und Panik aufbrechen: Prüfungen beispielsweise lösen solche Ängste aus: Vor dem Abitur, sogar der Führerscheinprüfung und vor allem vor den beiden theologischen Examen hatte ich jedesmal regelrechte Panik. Bis mir einmal jemand sagte: Das Examen ist unser moderner Initiationsritus. Bei den Naturvölkern werden Heranwachsende allein in die Natur geschickt. Sie müssen beweisen, dass sie ganz auf sich gestellt überleben können. Und dort draußen, allein, werden sie auch das finden, was ihnen die Kraft dazu gibt: Sie werden eine spirituelle Erfahrung machen.

Ich sehe es noch heute vor mir, wie ich vor meinem Examen zusammengekauert auf meinem Bett im Studentenzimmer saß, gelähmt von meinen eigenen Angstphantasien. Mir fiel mein Konfirmationsspruch wieder ein: "Fürchte dich nicht!" Für mich war das kein Zufall, sondern wie ein Schubs und eine ganz starke Ermunterung Gottes: "Stell dich der Gegenwart und deiner Furcht, ich habe dir in der Vergangenheit geholfen und ich werde dir Zukunft schenken." Ich bin mir heute sicher, dass ein Konfirmationsspruch für das ganze Leben gilt: So ein Satz ist wie ein Wegweiser Gottes mitten im Gewirr von Entscheidungen und allen möglichen Wendungen, die unser Leben so nehmen kann.

Wer es schon einmal erlebt hat: Gott hat mich schon einmal herausgeholt aus Verzweiflung und Panik, der hat mitten in stürmischen Zeiten einen Moment der Ruhe und kann Kraft sammeln und darauf vertrauen, dass Gott ihn auch durch diese Katastrophe hindurch begleiten wird. Den Weg ins eigene Leben finden bei der Geburt, herausfinden, wie man sich vom Kind zur Frau oder zum Mann wandelt, das, was man am liebsten festhalten würde, gehen lassen, die eigene Angst besiegen: All das sind Momente, die jeder und jede ganz allein bestehen muss. Das sind die Momente, wo wir an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt stehen, uns verpuppen und etwas Altes hinter uns lassen müssen, um in eine neue Existenz hineinschlüpfen zu können. Das sind die Momente, in denen alles in der Schwebe ist und doch eine Kraft da ist, die einen nicht fallen lässt. Es sind die Momente im Leben und im Sterben, wo Gott unglaublich nah ist, wo er da ist, wo er lockt und ruft: Fürchte dich nicht! Ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen! Du bist mein!

Petra C.Harring
Pfarrerin im Rundfunkreferat München

Guter Gott, von dir haben wir unser Leben. Nimm es als unseren Dank, wenn wir es genießen und uns freuen. Sei bei uns, wenn es uns gut geht und bleibe uns ganz nah, wenn wir Angst haben: Bei dir sind wir geborgen: Erinnere uns daran, wenn wir es nötig haben, dass deine Überschrift über jedem Leben heißt: "Fürchte dich nicht. Du bist mein!" Amen.

EG 630 "Fürchte dich nicht!"

Foto: Wodicka

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