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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 28)

In Sachen Verkehrssicherheit Gas geben

Aktionsgemeinschaft und Akademie Bruderhilfe appellieren bei Infotag an Verantwortung

Thema 28
Mit einem leichten Surren saust der Zweisitzer die Schienen hinab. Noch lächeln die beiden Testfahrer. Als das Gefährt mit einem unsanften Ruck abrupt zum Stehen kommt, wird den Passagieren doch etwas mulmig zumute. "Mit welchem Tempo waren Sie unterwegs", will Wolfgang Winkler, Projektleiter der Akademie Bruderhilfe-Familienfürsorge" (Kassel), von den Zweien wissen, die etwas schwankend den Erwachsenen-Gurt-Schlitten verlassen. Ihre Schätzungen von 20 bis 30 Stundenkilometer erweisen sich als hochgegriffen. "Gerade mal 10 Kilometer pro Stunde erreicht der Unfallsimulator", erklärt Winkler. Mit der Kampagne "Kind im Auto 2001" versucht die Akademie mitten am Marktplatz von Rothenburg ob der Tauber Jung und Alt für mehr Verantwortungsbewusstsein im Straßenverkehr zu motivieren.

Kinder im Auto schützen

Die Kampagne "Kind im Auto" wurde 1985 ins Leben gerufen. Grund dafür war die Tatsache, dass zu dieser Zeit jährlich rund 12.300 Kinder bei Autounfällen schwer verletzt wurden. 147 Kinder starben im Gründungsjahr während der Autofahrt. Da nachweislich zwei Drittel der Kleinen noch leben könnten, wenn sie in einem altersgerechten Kindersitz gesichert worden wären, wurde das Thema "Kind im Auto" in den Mittelpunkt der Kampagne gestellt. Nachdem in den Folgejahren das Fahrrad als alternatives Verkehrsmittel immer wichtiger wurde, nahm man auch diesen Bereich in den Blick. Ziel der Aktionen: Durch Aufklärung und Beratung zu mehr Kindersicherheit beizutragen. Unter der Schirmherrschaft von Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig finden 2001 bundesweit 30 Verkehrssicherheitstage "Kind im Auto" statt.

Die Kampagne kommt auch im kirchlichen Raum hervorragend an. "Wir sind bei etwa 300 Veranstaltungen in Gemeinden vertreten", sagt Wolfgang Winkler. Ob Sommerfest, Kindergarten oder Gemeindefeier - die zwei Infobusse erfreuten sich jedes Mal großer Nachfrage. Deshalb ist es kein Wunder, dass die Initiative auch von kirchlicher Seite unterstützt wird. So laden Kardinal Karl Lehmann, Bischof von Mainz und Präses Manfred Kock, Vorsitzender des Rates der EKD, mit einem Grußwort zu den Verkehrssicherheitstagen ein. "Es bleibt unerlässlich, im Bemühen um Verkehrssicherheit nicht nachzulassen und auf die Verantwortung gegenüber anderen, vor allem schwächeren Verkehrsteilnehmern hinzuweisen", heißt es in dem Schreiben. Lehmann und Kock, die ranghöchsten Repräsentanten der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland, rufen dazu auf, "besonders den älteren Verkehrsteilnehmern und den Kindern alle Aufmerksamkeit zuzuwenden, damit sie sicher am Straßenverkehr teilnehmen können. Die Evangelisch-Katholische Aktionsgemeinschaft, die den Verkehrssicherheitstag mitveranstaltet, besteht seit 1970. "Da wir seitens der EKD nur kärglich unterstützt werden, arbeiten wir mit der Akademie Bruderhilfe-Familienfürsorge zusammen", erklärt der Vorsitzende Wolfgang Henninger vom Landeskirchenamt in München. "Wir wollen bei unseren Kirchenmitgliedern das Bewusstsein wecken für die Herausforderungen, vor die der moderne Verkehr den einzelnen Menschen stellt." Sie sollen an ihre Verantwortung für die Erhaltung des Lebens erinnert werden. "Wir haben derzeit knapp 8000 Verkehrstote in der Bundesrepublik pro Jahr. Die Zahlen sinken, Gott sei Dank. Aber jeder Tote ist einer zu viel", unterstreicht Henninger. Deshalb rufe die Aktionsgemeinschaft dazu auf, sich im Straßenverkehr umsichtiger zu verhalten, damit die Zahlen weiter zurückgingen.

Ökumenisches Miteinander

Momentan gibt es drei Verkehrsarbeitsgemeinschaften, die sich dem Thema widmen: Eine ökumenische, kirchliche Arbeitsgemeinschaft für Verkehrsfragen in Bayern, die dreimal im Jahr tagt, die bundesweite evangelische Aktionsgemeinschaft für Verkehrsfragen und die bereits genannte Evangelisch-Katholische Aktionsgemeinschaft. "Das Schöne daran ist", sagt Henninger, "dass es zwischen beiden Kirchen ein gu-tes Einvernehmen gibt und jeder die selben Ziele verfolgt". In ihrer Arbeit drücke sich der Gedanke der Nächstenliebe aus. Darüber hinaus soll ein Beitrag zum Verhältnis Mensch, Natur und Technik geleistet werden. "Wir können den Straßenverkehr nicht einfach abschaffen." Schließlich müsse die Realität im Auge behalten werden: "Wir brauchen Autos, sei es bei der Polizei, sei es bei der Notfallseelsorge oder im öffentlichen Verkehr", sagt Wolfgang Henninger. Aber, Aufklärung über die Gefahren tut Not, wie sich beim Infotag in Rothenburg zeigt. Die richtige Lösung beim Verkehrsquiz hatte nämlich kaum ein Besucher parat: Die meisten aller tödlich verunglückten Kinder in Deutschland sterben nicht als Fahrradfahrer, sondern als Mitfahrer im Pkw.

Günter Kusch

Foto: Kusch


Menschen nicht als Glücksbringer überfordern

Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.
Lukas 14,26

  Andacht 28

Welch ein Wort Jesu! Natürlich möchte ich ein Jünger Jesu sein, in seine Schule gehen und bei ihm das Leben lernen. Doch was mutet er mir zu! An diesem Sonntag feiern wir den 11. Geburtstag unserer Tochter Anna. 11 Jahre lang haben wir uns als Vater und Mutter bemüht, ihr gute Eltern zu sein. Kinder sind eine Gabe des Herrn (Psalm 127, 3) - so haben wir es damals dankbar auf die Geburtsanzeige geschrieben. Und auch ich selbst bin doch meinen Eltern gegenüber dankbar, dass sie mich verständnisvoll in dieses Leben hinein begleitet haben und mich selbständig werden ließen.

Und was wäre ich ohne meine Ehefrau? Glücklich und dankbar bin ich, dass Gott sie mir anvertraut hat, und dass wir bisher gute und böse Tage miteinander durchgestanden haben. Bis heute betrachte ich meine Familie als ein Geschenk Gottes. Hier finde ich Menschen, die mir Gott an die Seite gestellt hat, dass ich mit ihnen mein Leben teilen kann. Die Familie ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Und als Kirche bemühen wir uns aus tiefer Überzeugung familienfreundlich zu sein.

All diese Überlegungen verstel-len mir beim ersten Hören den Zugang zu dem, was Jesus hier sagt. Ist ihm mit dem Wort "hassen" nicht eine verbale Entgleisung widerfahren? Hat er selbst uns doch ans Herz gelegt, den nahen wie den fernen Nächsten genauso - nicht mehr, aber eben auch nicht weniger - zu lieben wie uns selbst. Und das vierte Gebot erinnert uns doch eindringlich an die Solidarität über Generationen hinweg, Vater und Mutter gerade im Alter nicht ins Abseits zu schieben und links liegen zulassen.

Was also möchte Jesus mit diesen harten Worten erreichen?

Radikale Nachfolge ist meine erste Antwort. In seiner Schule des Lebens und des Glaubens werden wir bis an die Wurzeln unserer Existenz erfasst. Er provoziert, er ruft uns heraus aus den Selbstverständlichkeiten unseres Lebens. Er hinterfragt uns und was wir gern und schnell als gottgefälliges Leben bezeichnen. In seiner Nachfolge leben, kann eben auch dazu führen, dass eigene Sehnsüchte und Wünsche als gottlos entlarvt werden.

Und die zweite Antwort: Das höchste Gut unseres Lebens ist die Verbundenheit mit Gott, die uns Jesus mit seinem Lebenswerk ermöglicht hat. Jesus warnt davor, dass wir die Menschen, die zu unserem Leben dazugehören, überfordern, indem wir sie zu dem machen, wo-rum sich unser ganzes Leben dreht. Kinder, Enkelkinder und Eltern sind ein hohes Gut und bereichernde Gaben Gottes, aber sie dürfen nicht zum einzigen und letztgültigen Lebensinhalt werden. Vielleicht liegt ja auch gerade darin der Grund für viele Probleme und Konflikte in den Familien, dass sich Menschen auf diese Weise mit oft unausgesprochenen Erwartungen und Ansprüchen aneinander überlasten und überfordern. Die harten Worte Jesu weisen uns den Weg, dass wir in den Menschen, die uns wertvoll sind und die wir als große Bereicherung für unser Leben erfahren, Gottes Fürsorge für unser Leben entdecken. Selig ist, wer solche Menschen um sich hat. Aber es heißt aufzupassen, um sie nicht als Glücksbringer für das eigene Leben zu überfordern.

Pfarrer Klaus Stiegler
Forchheim

Wir beten: Ich glaube an Gott, den Vater, der alles macht, den Himmel und die Erde. Ich glaube an den Heiland Jesus Christus, den Lehrer für mein Leben. Ich glaube an den Heiligen Geist, die große Liebe, die im Herzen wohnt und mich führt und leitet. Amen.

Lied 588: Herr, gib uns Mut zum Hören auf das, was du uns sagst.

Foto: privat

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