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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 27)

Vom Pfarrhaus in die weite Welt

Warum Söhne von Geistlichen bedeutende Forschungsreisende wurden

Thema 27
Sie verfassten wegweisende Beschreibungen von Ländern, beschäftigten sich mit fremden Völkern und unternahmen gewagte Expeditionen. Viele Forscher und Entdecker, die es im 17. bis 19. Jahrhundert hinaus in die weite Welt drängte, ist eines gemeinsam: Sie stammen aus evangelischen Pfarrhäusern. Das zeigt eine kleine Sonderausstellung des Deutschen Pfarrhausarchivs, die bis Ende September im Lutherhaus in Eisenach (Thüringen) zu sehen ist.
Nicht von ungefähr wurden Pfarrerssöhne zu Forschungsreisenden. "Die Sehnsucht nach der Ferne gaben Geistliche an ihre Kinder weiter", erklärt Hagen Jäger, der wissenschaftliche Leiter des Lutherhauses. Angehende Pfarrer hatten damals ein umfassendes Grundstudium. Erst danach begann das eigentliche Theologiestudium. Neben philosphischen Fragen ging es im Grundstudium auch um die Naturwissenschaften. Jäger: "Anders als heute bekamen Theologen auf diese Weise ein umfangreiches Wissen von Mathematik, Physik, Astronomie und Geographie." Manche vertieften später ihre Kenntnisse im Pfarramt weiter durch eigene Studien. Ihr Wissen gaben die Geistlichen auch an Schüler und ihre Kinder weiter: "Bei vielen Pfarrerssöhnen wurde so der Drang nach Wissen und Erkenntnis geweckt."

Entdeckerlust hervorgerufen

Noch etwas rief dem wissenschaftlichen Leiter zufolge bei Geistlichen die Entdeckerlust hervor. Weil freie Pfarrstellen Mangelware waren, konnten die Theologen nicht gleich in ihrem Beruf arbeiten. Manche verdienten sich ihren Lebensunterhalt als Lehrer. Andere begleiteten adlige Zöglinge auf Bildungsreisen durch Europa. "Angehende Pfarrer erweiterten ihren geistigen Horizont, indem sie viele Erfahrungen sammeln konnten", berichtet der Mitarbeiter des Lutherhauses. Von diesen Reisen erzählten sie später ihren Kindern. Kein Wunder, dass es viele Pfarrerssöhne deshalb in die Ferne zog. Ein Privileg übrigens von Männern: Denn die Pfarrerstöchter mussten zuhause bleiben. Sie waren auf den Haushalt beschränkt.
Im 16. Jahrhundert begannen die Menschen, die Welt zu entdecken. "Es gab eine Aufbruchstimmung, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen", beschreibt Jäger, der mit der Museologin Cornelia Breitsprecher die Ausstellung konzipierte, die Situation. Hinzu kamen wirtschaftliche Interessen. Handelsgesellschaften suchten nach neuen Absatzmärkten und Rohstoffquellen.
Als Arzt begleitete der Pfarrerssohn Engelbert Kämpfer (1651-1716) eine Gruppe von niederländischen Gesandten auf ihrer Reise durch Japan. Die Tour war etwas Außergewöhnliches: Nur einmal im Jahr durften die Niederländer auf einer genau festgelegten Route die asiatische Insel betreten. "Die Japaner wollten keine Europäer im Land haben, weil sie fürchteten, durch deren Missionstätigkeit entstehen Unruhen", erklärt Jäger die Abschottungspolitik. Kämpfer hielt ausführlich seine Eindrücke fest und verfasste die erste europäische Landeskunde Japans. Der aus Lemgo (Lippe) stammende Pfarrerssohn, dessen 350. Geburtstag heuer den Anstoß zur Sonderausstellung gab, wurde zum Begründer der europäischen Japanforschung.
Mit seinem Sohn Georg (1754- 1794) begleitete der ostpreußische Pfarrer Johann Reinhard Forster (1729-1798) den britischen Weltumsegler James Cook auf seiner zweiten Reise. Der Pfarrerssohn arbeitete dabei als Zeichner. 1780 gab er das zweibändige Werk "Reise um die Welt" heraus. Wie ein Abenteuerroman hört sich die Lebensgeschichte von Friedrich Hornemann (1772-1800) an. Der Pfarrerssohn aus Hildesheim (Niedersachsen) war im Auftrag einer britischen Gesellschaft in Afrika unterwegs. Er durchquerte als erster Europäer die Sahara und den Sudan. Hornemann tarnte sich als muslimischer Händler. Sonst hätte ihn die Karawane nicht mitgenommen. Einmal machte er sich verdächtig, weil er sich für alte Steine und andere Zeugnisse des Altertums interessierte. Durch seine guten Korankenntnisse jedoch konnte er sich retten. Hornemann hatte vorher arabische Sprachen und die grundlegende Schrift der Moslems studiert. Von einer Reise ins Innere Afrikas kehrte der 28-Jährige nicht mehr zurück. Er blieb verschollen.
"Viele haben ihre Abenteuerlust mit dem Leben bezahlen müssen", beschreibt der wissenschaftliche Leiter des Lutherhauses die Lebensschicksale von Forschungsreisenden. Manche seien krank geworden oder hätten sich nach der Rückkehr nach Deutschland nicht mehr zurecht gefunden: "Sie scheiterten, weil sie die Lebensumstände als zu eng empfanden."

Bedeutender Völkerkundler

Theodor Koch-Grünberg (1872-1924) war als Forschungsreisender in Brasilien unterwegs. Er suchte Indianerstämme im Urwald auf. "Dabei trug er viele Informationen von Stämmen zusammen, die heute nicht mehr existieren", würdigt Jäger das Lebenswerk des aus dem hessischen Grünberg kommenden Pfarrersohnes, der als früher Völkerkundler in Deutschland gilt.
Ob in Grönland (wie der Berliner Pfarrerssohn Alfred Wegener), Afrika, Asien und Amerika unterwegs, enthalten die Reisebeschreibungen der aus evangelischen Pfarrhäusern stammenden Entdecker und Forscher vielfältige Aspekte. Neben Sitten und Gebräuchen ist zum Beispiel von Wegen, Gesteinen oder Pflanzen die Rede. "Das macht die Beschreibungen heute noch inte-ressant, weil sie keine fachspezifischen Abhandlungen darstellen", unterstreicht Ausstellungsleiter Jäger.

Günter Saalfrank

Hinweis: Die kleine Sonderausstellung "Zu jeglicher Mühe unverdrossen - Entdecker und Forscher aus dem evangelischen Pfarrhaus" ist bis 30. September 2001 im Pfarrhausarchiv im Lutherhaus Eisenach, Lutherplatz 8, 99817 Eisenach, Tel. 03691/ 29830 zu sehen (täglich von 9-17 Uhr) geöffnet.

Foto: güs


Jesus und die Sünderin

Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau zu ihm, beim Ehebruch ergriffen und stellten sie in die Mitte und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du dazu? Das sagten sie aber, ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen könnten. Aber Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie aber das hörten, gingen sie weg, einer nach dem andern, die Ältesten zuerst; und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand. Jesus aber richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt? Sie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.
Johannes 8, 3-11

  Andacht 27

Ehebruch ist im jüdischen Gesetz eine Todsünde; um es gleich zu sagen: Die Rettung der Frau ist es, dass sie zu Jesus gebracht wurde! Für die Schriftgelehrten und Pharisäer war es eine Fangfrage: Wenn Jesus sie "frei" spricht: Wo bleibt das Gesetz? - Verurteilt er sie: wo bleibt da der Heiland der Sünder? Wie Jesus auch urteilt, er wird sich unmöglich machen.
"Jesus nimmt die Sünder an. Saget doch dies Trostwort allen, welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an."
Doch Jesus reagiert ganz anders als erwartet. Zunächst: Es ist ihm ernster mit dem Gesetz als denen, die diese Frau angeschleppt bringen! Zweimal heißt es von Jesus: "Er bückt sich und schreibt auf die Erde". Das ist der Augenblick, indem er mit dem Vater redet. Was er antwortet ist göttliche Weisheit: "Ja, nach dem Gesetz habt ihr recht - aber die Steinigung darf nur der eröffnen, der ohne Sünde ist!" Ohne Sünde sein - wer kann jetzt noch einen Stein werfen?

Jesu Wort hat allen Beteiligten die Steinbrocken aus der Hand fallen lassen. In der Gegenwart Jesu weiß jeder, wer er vor Gott ist! Alle Ankläger haben sich davongemacht. Jesus bleibt allein mit der Frau. Der Einzige, der sündlos ist, also den ersten Stein schleudern dürfte - ist Jesus! Jetzt aber ist er als Richter angerufen. Wie wird er urteilen? Er fragt nach den Verklägern: "Wo sind sie - hat dich niemand verdammt?" Antwort: "Niemand!"
"Wenn ein Schaf verloren ist, suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergisst, suchet treulich das Verirrte, dass es nicht verderben kann; Jesus nimmt die Sünder an."
Das Urteil Jesu lautet: "Ich verdamme dich nicht!" Jesus spricht sie frei! Noch vor kurzem wartete auf sie die Todesstrafe - nach dem jüdischen Gesetz. Der Freispruch schenkt ihr neu das Leben. Sie ist der Barmherzigkeit Gottes und dem Sünderheiland begegnet - nicht mal freiwillig, sondern gezwungenermaßen. Wie wird es bei ihr weitergegangen sein? Jesus hatte ja auch gesagt: "Geh hin und sün-dige hinfort nicht mehr!" Nicht als Bedingung für den Freispruch, sondern als Freispruch vom Ehebruch!

"Kommt alle, kommet her, kommet ihr betrübten Sünder! Jesus rufet euch, und er macht aus Sündern Gottes Kinder. Glaubet's doch und denkt daran: Jesus nimmt die Sünder an!"
Bei uns herrscht eine ganz andere Moral und Einstellung zu dieser Sache. Wieviele Ehen werden heute durch den Ehebruch zerstört? Will uns diese Geschichte einen Ausweg zeigen aus der oft so großen Not? Sie will uns den Herrn zeigen, der, wenn wir zu ihm kommen, uns herausführt. Dieser Jesus hat auch unsere Sünde hinaufgetragen an das Kreuz! Er schenkt uns, wie dieser Frau, einen Neuanfang. Die große Barmherzigkeit Jesu verändert unser Leben.

Bruder Franz,
Christusbruderschaft Falkenstein

Wir beten: Herr Jesus, du hast deine große Barmherzigkeit und deine Sünderliebe an dieser Frau erzeigt durch deinen Freispruch. Lass uns deine große Liebe erleben. Amen.

Lied 353: Jesus nimmt die Sünder an.

Foto: Wodicka

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