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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 25)

Der Kirchentag und seine drei "Gs"

Von den Themen Glaube, Geld und Gentechnik kam in Frankfurt keines zu kurz

Thema 25
Menschen im Freizeitlook statt Bänker mit Krawatte und Aktentasche: Fünf Tage lang prägten über 200.000 Besucher des 29. Evangelischen Kirchetages das Gesicht der Bankenmetropole Frankfurt. Vom Motto des Protestantentreffens "Du stellst meine Füße auf weiten Raum" war beim Abend der Begegnung wenig zu merken. Da drängten sich sogar bis zu 300.000 Menschen durch die Innenstadt und am Main entlang. Viele der 2.500 Veranstaltungen waren überfüllt und erforderten von den rund 100.000 Dauerteilnehmern viel Geduld beim Anstehen.
Glücklich, wer sich schon mal halbwegs Orientierung in diesem reichhaltigen Angebot verschafft hat und weiß, wohin er will. Neben den Bibelarbeiten am Morgen gibt es ein breites Angebot an Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Konzerte, Kabrettveranstaltungen und nicht zu vergessen den Markt der Möglichkeiten. Eine kleine Hilfe mag es sein dass jeder Tag - mehr oder weniger - unter einem dieser drei G-Themen stand: Glaube, Geld und Gentechnik. Zugegeben: Trotzdem steht jeder Kirchentagsbesucher vor der Qual der Wahl.

Deutliche Worte

Von diesen drei Themen kam keines zu kurz. In den Medien wurde vor allem über die Diskussionen zur Gentechnik berichtet. Auch das liebe Geld und die Kirche kamen oft vor. Weniger dagegen war vom Glauben die Rede, obwohl auch da vielerorts klare Worte gesprochen wurden. So zum Beispiel bei der Podiumsdiskussion zum Thema "Was ist ein Christ?". "Keiner verlässt die Veranstaltung ohne zu wissen, was ein Christ ist", sagte Journalist Wolf von Lojewski, der die Veranstaltung zusammen mit Geschäftsführer Volker Wiegmann moderierte. Sie befragten PDS-Politiker Gregor Gysi, die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann, Unternehmer Jörg Knoblauch und Christian Bernzen, Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Vertrauen auf Gott

Gysi betont, er sehe sich weniger als Atheist sondern vielmehr als einen Heiden - also jemand, zu dem das Christentum noch nicht gekommen ist. Und doch hat er konkrete Vorstellungen von einem Christen: "Er soll für eine gerechte Welt eintreten." Er als Sozialist glaube an den Menschen.
Bischöfin Margot Käßmann tritt dem entschieden entgegen: "Vor allem das Grundvertrauen auf Gott macht einen Christen aus, nicht nur die Art und Weise, wie er lebt." Christen glauben nicht an Menschen, sondern an Gott, "zu dessen Ebenbild wir geschaffen sind. Deswegen ist die Würde des Menschen unantastbar". Der Mensch sei erlösungsbedürftig und das könne nur durch Gott geschehen, ergänzt Bernzen. Der Katholik und die Bischöfin sind sich einig, dass zum Christsein auch die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, einer Kirche gehört. Auffallend ist der Aufruf an die Christen, aktiv zu sein und aus ihrem Glauben heraus zu handeln. Das kennzeichnet nicht nur diese Veranstaltung.

Heitere Grundstimmung

"Die Referenten beziehen klar ihre Stellung und setzen sich auf positive Weise auseinander", stellt Susanne Pühl aus Kulmbach fest. Eine heitere Grundstimmung kennzeichne den Kirchentag, meint die Religionspädagogin, die mit ihrer Jugendgruppe angereist ist. Die acht Jugendlichen sind begeistert vom Kirchentag, berichtet sie.
Beeindruckend ist es, wie sich Lars Kirchhoff unter 50.000 Menschen auf dem Messegelände zurechtfindet. Der blinde Mann aus Augsburg ist Kirchentagsfan: "Es gibt so viele gute Veranstaltungen und interessante Menschen hier", sagt der 29-Jährige. "Besonders toll ist das gemeinsame Singen." Und Musik gibt es in der Tat jede Menge auf dem Kirchentag: Rund 4.000 Bläser wurden gezählt, 1.400 Sänger von Kirchenchören und zahlreiche Bands, die vor allem Jugendliche bei den Open-air Veranstaltungen in ihren Bann ziehen. "Seit langem haben wir einen deutlichen Zuwachs an Jugendlichen", freut sich Friederike Woldt, Generalsekretärin des Kirchentages. Insgesamt waren die Verantwortlichen zufrieden mit dem Verlauf des Protestantentreffens und sehen dem ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin gespannt entgegen. So ein Kirchentag ist eine gute Sache, meint Susanne Pühl: "Wann sonst kommt der Glaube mal in die Schlagzeilen?"

Karin Ilgenfritz
Foto: kil


Gottes Güte - weit wie der Himmel

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Psalm 36, 6

  Andacht 25

Als wir am Ende unserer kirchlichen Trauung aus der Christuskirche in Nürnberg auszogen, hatte ich Tränen in den Augen - Tränen der Rührung. Der Martinlamitzer Kirchenchor hatte diesen Psalm als Lied gesungen: "Herr, deine Güte reicht so weit…" und mir war, als hätte er ihn vorher noch nie so schön gesungen, was sicher nicht nur an der phantastischen Akustik lag. Gerührt war ich nicht nur wegen dem Gesang, sondern auch darüber, dass die Chöre extra heimlich nach Nürnberg gefahren waren, um bei der Hochzeit ihres Pfarrers zu singen.

Dies ist ein starkes Erlebnis, das ich mit diesen Psalmversen verbinde und woran ich mich gerne erinnere, wenn ich diesen Psalm bei einer Trauung lese und bete. Ob aber der Zusammenhang von Gottes Güte und einer Hochzeit vielen klar ist? Mancher mag den Gedanken von sich weisen, dass es Gottes Güte ist, die zwei Menschen so führt, dass sie das Wagnis einer Ehe auf sich nehmen - im Vertrauen auf Ihn auf sich nehmen.

Gottes Güte kann preisen, wer ein gesundes Kind auf dem Arm hält, oder wer eine schwere Krankheit überstanden hat. Gottes Güte kann loben, wer sich über die Schönheit der Natur und der Pflanzen freut. Er kann dies - aber zwingend ist es nicht, diese Wohltaten der Güte Gottes zuzuschreiben. Man kann das alles auch als selbstverständlich hinnehmen und denken, man hätte ein Anrecht auf Wohlergehen, Gesundheit, Glück und langes Leben. So wie es viele tun, die immer dann, wenn sie ein Unglück trifft, fragen, wie Gott das zulassen könne; alles Gute in ihrem Leben aber als ihren eigenen Verdienst betrachten.

Güte ist ein Wort, das aus der Mode gekommen ist. Gütig kann nur einer sein, der gut ist. Darum ist die Güte, die einer ausstrahlt, Merkmal eines von Herzen kommenden Gutseins. So wie Gott unendlich gut ist, ist auch seine Güte unendlich groß. Wer gut ist, tut auch Gutes - so wie ein guter Baum gute Früchte bringt. Ich meine, wir sollten uns in unserem Leben bemühen, gut zu werden, damit wir fähig zur Güte werden. Dieses Gutwerden beginnt da, wo ich die Güte Gottes in meinem Leben erkenne und dafür dankbar bin. Dann verändert diese Güte Gottes mein Leben Zug um Zug zum Guten.

Pfarrer Martin Schlenk
Goldbach

Wir beten: Gütiger Gott. Es ist Sonntag. Es ist ruhig. Zu Hause ist viel zu tun und doch komme ich in dein Haus. Ich suche deine Nähe. Was ich mitbringe? Mich. Mit allem, was mir daran gefällt und allem, was ich selbst nicht leiden kann. Was mich bewegt? Mein Leben. Wie auf einem ungespritzen Feld wachsen da Disteln, Korn und Blumen wild durcheinander. Das alles siehst und kennst du. Du hast es mir selbst zugeteilt. Ich danke dir für mein Leben. Ich bitte dich: Wende alles zum Guten. Amen.

Lied 329: Bis hierher hat mich Gott gebracht.

Foto: Wodicka

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