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Fliegen ist Abschied
Pfarrer Helmut Leipold kennt die kleinen und großen Sorgen der Reisenden. Seit Mai 1992 arbeitet er als Seelsorger am Flughafen München. "Fliegen ist so etwas wie eine Abschiedssituation. Man verliert den Kontakt mit dem Boden und liefert sich aus", sagt er. Ein Gottesdienst, mit materiellen Zeichen wie Brot und Wein, könne da durchaus eine Stärkung sein. Es kamen auch schon Amerikaner und Afrikaner
zu ihm, die knieten sich hin und wünschten, dass er sie segnen
solle. "Ich habe ihnen dann die Hände aufgelegt und ein englisches
Segenswort gesprochen", sagt der Geistliche. Flugangst sei schon ein großes Thema, sie werde aber nur selten eingestanden.
Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen jedoch die Angestellten. "Es ist ganz selten, dass jemand mit einem seelsorgerlichen Anliegen zu uns kommt", erklärt Helmut Leipold. Schließlich seien die Leute zum Arbeiten hier. Kontakte ergeben sich bei seinen Rundgängen, quasi "im Vorübergehen". Wobei der 54-Jährige nicht die Probleme an den Anfang seiner Gespräche stellt. "Ich frage zum Beispiel nach den Sternstunden ihrer Arbeit." Als Antwort käme dann oft: "Wenn alles klappt."
Er informiert sich aber auch über Momente, wo sie ihre Tätigkeit am liebsten hinschmeißen würden. Doch zuerst kommt das Positive zur Sprache. "Seelsorge wird meist mit Problemen assoziiert." Die Seele lebe aber auch von dem, was ihr gut tut und Spaß macht. "Evangelium bedeutet eben in erster Linie Frohe Botschaft", unterstreicht Leipold.
Kirchliches Angebot etabliert
Ganz seinem Motto treu, zuerst das Positive in den Blick zu nehmen, erinnert sich der 54-Jährige an die Höhepunkte seiner mehr als neunjährigen Flughafen-Tätigkeit. Damals, als er die Abschiebung eines jungen Mannes verhinderte, der aus Syrien geflohen war und in den Libanon zurückgeschickt werden sollte. Die Bitten vieler Beschäftigter, sie zu trauen oder ihr Kind zu taufen. Und natürlich die Tatsache, dass sich das kirchliche Angebot am Flughafen München mittlerweile fest etabliert hat. "Bei offiziellen Einweihungen und anderen Anlässen heißt es schon ab und zu: Wenn es Euch Seelsorger hier nicht geben würde, müsste man Euch erfinden", erzählt Leipold. Sein katholischer Kollege Gasteiger fügt mit Recht hinzu: "Es gibt wohl kein besseres Kompliment für unsere Arbeit."
Günter Kusch
Foto: Kusch
Die Fotoausstellung war eine Überraschung: Der Künstler hatte Dinge des Alltags fotografiert. Aber er hatte sie aus einer ungewöhnlichen Perspektive aufgenommen. Völlig neue Ansichten wurden den Besuchern gezeigt.
Mit dem Bibeltext aus dem Matthäusevangelium ist es ähnlich. Im Blick auf das Gottesreich und die Mission zeigt er uns den Blick, den Jesus hat. Jesus ist in Galiläa und im Ostjordanland unterwegs. Und was tut er? "Er predigte und heilte." Ist das etwas Neues? Vielleicht doch: In der Kirche wird oft gegeneinander ausgespielt, was zusammengehört. Das Evangelium muss weitergesagt werden. Es ist keine Pantomime. Aber dieses Reden muss von mitfolgenden Zeichen der Liebe begleitet sein. Wer das eine vom anderen trennt, verzerrt die Perspektive. Jesus rückt uns das Bild gerade.
"Als er das Volk sah, jammerte ihn desselben." Das orientierungslose und unversorgte Volk ging Jesus ans Herz. Uns geht es manchmal nur auf die Nerven. Die Gottlosigkeit in unserem Volk ist nicht zu übersehen. Und nun schauen Christen manchmal selbstgenügsam und abschätzig auf den moralischen Schrott um sie herum. Oder sie blicken gebannt wie die Schlange auf das Kaninchen und fragen sich, wie lange es die Kirche überhaupt noch gibt. Jesus sieht anders. Er sieht mit dem Erbarmen Gottes. Er sieht als der gute Hirte. Von seiner Sichtweise müssen wir uns anstecken lassen. Das gibt veränderte Perspektiven, Perspektiven der Liebe.
"Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende." Jesus schaltet uns bei seinem Rettungswerk nicht aus. Er schaltet uns ein. Bei der Erntearbeit Gottes sind wir nicht nur Zuschauer sondern Mitbeteiligte. Um Mitarbeiter muss gebetet werden. Weithin eine vergessene Perspektive. Wenn in Gemeinden Mitarbeiter gebraucht werden, dann erstellt man Dienstprofile, Gehaltstabellen und fragt nach Papieren. Das alles ist sicher notwendig. Aber in Gottes Erntearbeit werden Menschen gebraucht, die Gott selber beruft und bevollmächtigt. Und um die kann nur gebetet werden. Das ist eine göttliche Perspektive.
"Die Kirche geht nicht zugrunde an der Menge der Heiden, sondern an der Menge der unberufenen Mitarbeiter." So, oder so ähnlich, hat der bayerische Kirchenpräsident Hermann Bezzel vor vielen Jahrzehnten gesagt. Vielleicht hat er auch unseren Bibeltext vor Augen gehabt. Wenn wir uns die Perspektiven, die Jesus hat, zu eigen machen, dann wird für die Arbeit in der Gemeinde und der Mission unser Blick wieder klar.
Rainer Dick, Wir beten: Herr Jesus, nimm uns die Scheuklappen von den Augen und hilf uns, unsere Nachbarn, unsere Arbeitskollegen, die Menschen um uns herum so zu sehen, wie du sie siehst. Gib uns Liebe, damit wir ihnen sagen und zeigen können, dass du sie liebst. Amen.
Lied 241: Wach auf, du Geist der ersten Zeugen (Vers 2).
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