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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 19)

Grenzgang zwischen Klassik und Rock

Kirchenmusikhochschule Bayreuth bietet ab Herbst ein Aufbaustudium Popularmusik mit Diplom an

Thema 19
Seine Noten in den Fächern "Orgel" und "Hymnologie" können sich durchaus sehen lassen. Trotzdem weiß Achim Gerber (Name von der Redaktion geändert), dass er - bei der Vielzahl gut ausgebildeter Kirchenmusiker - mit einem guten Abschluss allein wenig Chancen auf eine Stelle hat. Überrascht ist er, als er nach zwei Bewerbungen zwei Zusagen in Händen hält. Grund dafür: Eine Randbemerkung in seinem Zeugnis, das ihm die evangelische Kirchenmusikhochschule Bayreuth ausstellt. Der junge Student belegte während seiner Ausbildung Seminare und Übungen aus den Fachbereichen "Popularmusik" und "Arrangement". Ein freiwilliges Engagement, das sich für den kirchenmusikalischen Nachwuchs mittlerweile auszuzahlen scheint.

Moderne Musik

Kein Wunder, dass den modernen Melodien, von Jazz bis Rock, ab Oktober 2001 in der Hochschule in der Wagner-Stadt noch mehr Platz eingeräumt wird. Nach zusätzlichen vier Semestern, also zwei Jahren, halten die Teilnehmer einen staatlich anerkannten Abschluss in den Händen. Sie dürfen sich dann "Diplommusiklehrer" (Studienrichtung Popularmusik) nennen. Der genaue Ablauf und die Prüfungsordnung für dieses Aufbaustudium, das im kirchlichen Bereich sonst nirgends in ganz Deutschland angeboten wird, tüftelt derzeit Jochen Roth aus, der seit 1995 in Bayreuth die Fächer "Popularmusik" und "Arrangement" unterrichtet. Schon seit einigen Jahren konnten sich die Studierenden im Hauptstudium neben den traditionellen Angeboten "Kinderchor-" oder "Bläserchorleitung" auch für die "Popularmusik" als Schwerpunktfach entscheiden. Dabei zeigte sich, dass gerade dieses Fach bei den Studenten zunehmend Interesse fand. Nun sollen ab Herbst alle drei Sparten noch zusätzlich als Aufbaustudium angeboten werden.

"Unsere Hochschule will damit ein eigenes Profil erwerben, um gegenüber anderen Ausbildungsstätten konkurrenzfähig zu bleiben", sagt Jochen Roth. Im Zentrum stünde dabei nicht die Theorie, sondern die Praxisorientierung. Die Studenten lernen zum Beispiel, eine Band zu leiten, informieren sich über Grundlagen der Studiotechnik und trainieren ihre Fähigkeiten an der Gitarre und am Schlagzeug. Wer will, erhält Kenntnisse im Jazz-Gesang oder im Umgang mit Computer-Programmen, die das eigene Komponieren erleichtern.

Zugangsvoraussetzungen

Für das Aufbaustudium werden nur Teilnehmer zugelassen, die bereits ein Diplom-Kirchenmusikstudium abgeschlossen haben. Wer damit nicht aufwarten kann, muss sich einer Eignungsprüfung unterziehen. Die Bewerber tragen zwei Stücke aus den Bereichen Jazz, Pop oder Rock vor. Dann wird ihnen eine Melodie mit Akkordbezeichnung vorgelegt, aus der sie, nach 20 Minuten Vorbereitungszeit, einen typischen Song der drei Musikrichtungen aus dem Klavier zaubern sollen. "Diese Eignungsprüfung ist ein Grundgerüst, an das wir uns halten", erklärt Roth. "Nach dem ersten Jahr haben wir sicher genügend Erfahrungen gesammelt, um an einzelnen Punkten nachzubessern."

Dass Jochen Roth nicht nur "Luftschlösser" errichtet, zeigt sein eigener Werdegang. Der gebürtige Erlanger studierte Schulmusik und klassische Gitarre an der Musikhochschule Würzburg und Musikwissenschaften an der dortigen Universität. Anschließend veröffentlichte er vier Solo- und Ensemble-CDs, nahm Beiträge für den Rundfunk und für das Fernsehen auf. Außerdem erhielt er zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben im Fach "Gitarre". Stets bewegte er sich dabei als "Grenzgänger zwischen Klassik und den Pop-, Rock- und Jazz-Richtungen." Der 32-Jährige weiß also, wovon er spricht. Für die Anfangsausstattung in der Hochschule wird in nächster Zeit eine Summe von rund 100.000 Mark aufzubringen sein. Computer, Software, Effektgeräte, Mischpult und Mikrofone kosten nun einmal ihr Geld. Ebenso die zusätzlichen Dozenten, vom Pianisten bis zum Schlagzeuger, die zumindest stundenweise beschäftigt werden müssten.

Rückendeckung aus München

Die Rückendeckung seitens der Bayerischen Landeskirche ist gegeben. "Mir wird von dort immer wieder mitgeteilt, dass Popularmusik eine gute Möglichkeit sei, um junge Leute in der Kirche anzusprechen", betont Jochen Roth. Landeskirchenmusikdirektor Hans-Martin Rauch, der das Bayreuther Modell mitinitiierte, fügt aber hinzu, dass das Aufbaustudium eingebunden sein muss in die Vielfalt von Kirchenmusik. Dass gerade jetzt in diesem Bereich verstärkt von der Landeskirche Schwerpunkte gesetzt werden, deutet er so: "Es ist eben bisher in dieser Richtung nie etwas Gescheites getan worden. Hier besteht großer Nachholfbedarf." Man führe in Bayreuth also eine bereits bestehende Entwicklung sinnvoll fort. "Wissen Sie, ich bin Jahrgang 45", erzählt Hans-Martin Rauch, "ich fing 1976 in der Coburger Moritzkirche als A-Kantor an und spielte dort fast 15 Jahre lang in einer Band, kannte also nie Berührungsängste." Zur Frage, ob christliche Popularmusik ein Beitrag für den Gemeindeaufbau sei, meint er: "Grundsätzlich immer, aber allein für sich betrachtet werde dadurch genauso wenig Gemeinde gebaut wie durch einen Choral von Bach." Dies gelinge nur im Zusammenwirken und Zusammenspiel mit anderen Elementen, Stilen und Formen. Karl Rathgeber, Direktor der Kirchenmusikhochschule Bayreuth, drückt es poetisch aus: "Christliche Popularmusik ist nur ein Baustein, nur eine Blüte der gesamten Blume Kirchenmusik."

Günter Kusch
Foto: gük


Erschöpfte dürfen schöpfen

Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, Herr, dass du bist zornig gewesen über mich und dass dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht, denn Gott, der Herr, ist meine Stärke, mein Psalm, mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen. Danket dem Herrn. Lobsinget ihm, denn er hat sich herrlich bewiesen.
Jesaja 12, 1-5

  Andacht 19

VManche freuen sich darauf, dass am 13. Mai zum Muttertag alles wunderbar blüht und das Auge und das Herz erfreuen wird. Wenn sie glauben, dass die lange Kälteperiode endlich vorbei ist, dann sagt vielleicht jemand die Freude dämpfend: "Ja, aber da sind doch gerade die Eisheiligen." Tatsächlich ist das Erfahrung, dass in blühende Hoffnungen oft die Nachtfröste fallen, nicht nur in blühende Obstbäume. Manchmal schauen wir auf das, was wir schon aufblühen sahen, wie auf über Nacht braun gewordene Magnolienblüten.

Jesaja kennt das harte Schicksal seiner Zeitgenossen und kann ihnen auch nicht verheimlichen, dass sie noch viel Schlimmes erleben werden, ja dass Gott sie hart anpacken werde. Aber er blickt über die Tage der dunklen Wolken und über die frostigen Nächte schon hinaus. "Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen". Gott will wieder gnädig sein und Gutes zuteilen. Er will Menschen auftanken, nachschöpfen lassen, auffüllen, was immer wieder versickert oder verdunstet. Die Erschöpften dürfen schöpfen: Die Kraft, die notwendig ist, um das Leben zu bewältigen. Die Freude, um Lustzu haben, dazusein und das zu tun, was zu tun ist. Das Grundvertrauen, mit seinem Leben nicht ausgeschmiert zu sein, auch wenn schon manche Blüte erfroren ist. Neuen Glauben, wenn dieser müde geworden ist. Jesaja verbreitet nicht optimistische Prognosen, sondern er stimmt ein Lied des Glaubens an. Er singt und schwingt sich ein in die alten bewährten Erfahrungen des Gottesvolkes, wie er sie in den überlieferten Liedern vorfindet. "Ich bin sicher und fürchte mich nicht." Denn "Gott selber ist meine Stärke, mein Heil." Er heilt, was nicht mehr in Ordnung war, macht gut, was drunter und drüber ging. Er rettet davor, das Leben zu verfehlen. Seit der Auferstehung Jesu noch genauer fest, dass Gott ewiges Heil und Rettung will. Und so möchte der Prophet anstecken: "Stimmt mit ein, danket dem Herrn, lobsingt ihm, denn er hat sich herrlich bewiesen." Der Sonntag Kantate (zu deutsch: singet) erinnert daran, dass in den Liedern christlichen Glaubens eine Kraftquelle zu haben. Daraus dürfen alle schöpfen dürfen, nicht nur die Musikalischen.

Wenn manchmal der Glaube besonders schwerfällt, weil es viel Frost und Frust gab, können sich Menschen in den Psalmen, in den Liedern von Paul Gerhardt oder Dietrich Bonhoeffer einschwingen in die guten Erfahrun-gen der Christenheit und von guten Mächten wunderbar geborgen sein. Loben und Danken vertreibt oft tatsächlich den Teufel der Traurigkeit und Mutlosigkeit. Jesaja erwartet noch etwas Erstaunliches, sozusagen etwas für Fortgeschrittene: "Einmal wirst du sogar zu Gott sagen: Ich danke dir, dass du über mich zornig gewesen bist." Eine mutige und selbstkritische Sicht: der Mangel an Wohlergehen, durch den ich musste, hat damit zu tun, dass Gott mich in die Mangel genommen hat. Solche Gedanken verträgt nicht jeder. Aber wer sie zulässt, dem können sie zum Segen werden. "Ja, der Unfall war schlimm, aber mir hat die Zwangspause gut getan." "Die Krankheit war eine große Not, aber wir haben viel intensiver miteinander gelebt." "Die Suppe, die ich auslöffeln musste, war bitter, aber ich habe auf den rechten Weg zurückgefunden." Wer Gott vertraut, kann ihm manchmal sogar für die Schmerzen dankbar sein, weil auch sie ein Teil seiner Liebe sein können.

Oberkirchenrat i.R.Gotthart Preiser
Haßfurt

Wir beten:
Himmlischer Vater, wir wollen dir dankbar singen, auch wenn uns nicht immer danach zumute ist. Wir danken dir für die Schönheit der Musik und die Freude am Singen. Gib besonders allen Müttern neue Kraft. Amen

Lied 324: Ich singe dir mit Herz.

Foto: güs

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