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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 18)

In seinen Träumen lebt der König noch heute

Ein fränkischer Pfarrer gab die erste Lebensbeschreibung Ludwig II.

Thema 18
"Sehnsucht nach dem Paradies" heißt das Musical über das Schicksal des bayerischen Königs Ludwig II., das sie jetzt wieder am Forggensee bei Füssen spielen, achtmal in der Woche, zu Eintrittspreisen zwischen 95 und 230 Mark. Das Theater wurde voriges Jahr fertig gestellt, aber die eigentliche Bühne sind die nächtlich angeleuchteten Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein. Letzteres zieht schon immer die Besucherscharen magisch an, gegenwärtig zählt man 1,3 Millionen jährlich. Vor kurzem besuchte auch eine Sonntagsblatt-Lesergruppe das Musikal.

Mythos Märchenkönig

Der Mythos vom bayerischen Märchenkönig begann am 13. Juni 1886, einem Pfingstsonntag bei Schloss Berg am Starnberger See. Der am Vortag auf Neuschwanstein in pflegerischen Gewahrsam genommene Ludwig II. war um 19 Uhr mit dem Nervenarzt Professor Dr. Gudden zu einem Spaziergang aufgebrochen. Vier Stunden später wurden ihre Leichen nahe am Ufer im See gefunden. Bis heute sind die Umstände des Falles nicht restlos geklärt. Die gängige Vermutung geht dahin, dass der König den Tod im Wasser suchte und sein Arzt ihn daran hindern wollte. Aber es gibt auch Zweifel, ob alles mit rechten Dingen zuging. So erzählt man bis heute die Geschichte vom letzten wahren König, den seine Umgebung unschädlich machte, weil sie seine herrlichen Träume nicht begreifen - und bezahlen wollte.
Die hinterlassenen Prachtbauten lassen diesen Mythos immer neu aufblitzen. Was wenig bekannt ist: Die erste gründliche Beschreibung vom Leben und Sterben des Königs stammt aus der Feder eines evangelischen Geistlichen.

Erster Biograf

Friedrich Lampert (1829-1902) war Pfarrer im mittelfränkischen Ippesheim. Er hatte eine große schriftstellerische Begabung, aber auch die Politik war ihm wichtig. Von 1869 bis 1893 gehörte er als Abgeordneter der liberalen "Fortschrittspartei" dem Bayerischen Landtag an und genoss dort großes Ansehen. Deshalb schien er einem Münchner Verlag der geeignete Mann, die erste Biografie des unglücklichen Königs zu schreiben. Das Buch erschien 1890 in einer Prachtausgabe mit zahlreichen Bildern. Lampert schildert Kindheit und Jugend des 1845 geborenen Ludwig: mit der warmherzigen Mutter Marie, einer preußischen Prinzessin, und dem bildungsbeflissenen, pflichtbewussten Vater, König Maximilian II. Schon früh träumte sich der phantasievolle Knabe in die Sagenwelt des Mittelalters hinein. Sie beeindruckte ihn mehr als der umfangreiche, trockene Lehrstoff, den die Erzieher ihm vermitteln mussten. Der Kronprinz hätte noch Jahre zur Festigung seines Wissens und Charakters gebraucht, doch der König starb schon 1864. Ein 18-Jähriger bestieg den Thron, "Bayerns jüngster und schönster König", wie die Leute meinten. Zunächst rechtfertigte er den blendenden Eindruck, zeigte sich zurückhaltend und liebenswert, "mit klarem Auge, klangvoller Stimme und scharfem Urteil".
Letzteres war nicht mehr der Fall, als Ludwig II. dem Komponisten Richard Wagner begegnete. Die Begeisterung für die Heldenwelt von dessen Opern ging mit ihm durch. Er verlor den Zugang zu seinem königlichen Beruf, vor allem zu den wirklichen Aufgaben eines deutschen Monarchen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie erforderten ein gesundes Urteil für die Politik, Fleiß und Ausdauer bei den Regierungsgeschäften, Menschenkenntnis und Volksverbundenheit. Ludwigs Interesse kreiste immer mehr um die eigene Person und deren königliche Würde. Die Vorbilder fand er in der Vergangenheit. Besonders beeindruckte ihn der französische "Sonnenkönig" Ludwig XIV. mit seiner unbeschränkten Herrschergewalt und Prachtentfaltung.
Das alles geschah in einer Zeit, als Bayern am Krieg gegen Frankreich teilnahm und Ludwig seine Zustimmung zum neuen deutschen Reich und der Kaiserwürde der preußischen Herrscher geben musste, die noch dazu mit ihm eng verwandt waren. Der Verlust mancher Rechte fiel ihm unendlich schwer und er entzog sich immer mehr seinen Verpflichtungen: Ludwig löste eine Verlobung, pflegte mit den Ministern keinen persönlichen Kontakt mehr und ließ sich auf Empfängen und Festen vertreten. Immer mehr wurde ihm das Bauen zur Leidenschaft. Hier konnte er die Träume von einem ungehemmten Königtum in die steierne Pracht und die prunkvolle Einrichtung von Schlössern umsetzen.

Detaillierte Beschreibung

Pfarrer Lampert war der erste, der sie bis ins Einzelne beschrieb: Das in seinen Abmessungen noch bescheidene Linderhof, dann das nach dem Vorbild von Versailles riesig geplante und nie fertig gestellte Herrenchiemsee, beide im Barockstil und im Geist des Sonnenkönigs. Lampert sieht den König dort Hof halten, "einsam und allein, in diesen von Gold strahlenden und übersättigten Räumen, nur auf die Bilder starrend, die sein Ideal zeigen". Mehr sagt dem fränkischen Pfarrer Neuschwanstein zu: "Hier ist alles vaterländisch, durchweht von dem Hauch der deutschen Sage." Aber auch hier die Königswürde: Im Thronsaal über dem Herrschersitz das Bild Christi als des "Königs aller Könige" abgebildet, darunter die heiligen irdischen Könige, dabei auch ein Ludwig. Und in der Hauskapelle steht vor dem Altar mit dem heiligen Namenspatron ein prächtiger, violett gepolsterter Betschemel.
Ob Ludwig II. ihn benutzt hat, ist nicht überliefert. Für ihn gebetet hat seine Mutter, die nach dem Ausbruch der Geisteskrankheit bei ih-rem jüngeren Sohn Otto auch für den König Schlimmes fürchtete. So sehr, dass sie 1874 zum katholischen Glauben übertrat und bei der Himmelskönigin Maria Trost und Hilfe suchte. Pfarrer Lampert fragt, "ob sie bei diesem Schritt mehr sich selbst täuschte oder von anderen getäuscht wurde". Die evangelische Kirche in Bayern war erschüttert, mehr noch das preußische Herrscherhaus. Kaiser Wilhelm I. wollte seine Cousine nicht mehr in Berlin empfangen.

Riesige Schuldenlast

Die Gebete der Mutter konnten die Katastrophe nicht verhindern. 1886 war wegen der Schlossbauten die Schuldenlast des Königs auf über 14 Millionen Mark gestiegen. Zeichen einer Geistesstörung ließen sich nicht mehr übersehen. Ludwig verkehrte fast nur noch mit seinen Dienern, und die durften ihm nicht ins Gesicht blicken, sondern mussten tief gebückt vor ihm stehen. Das Ministerium veranlasste zusammen mit dem Onkel des Königs, Prinz Luitpold, ein psychiatrisches Gutachten: Es führte zur Erklärung der Regierungsunfähigkeit. Im Starnberger See bei Berg endete dann Ludwig II., der "nicht mehr leben wollte, wenn er nicht mehr König sein konnte". Von seinem Fortleben als Märchenkönig hätten weder er noch sein erster Biograf sich etwas träumen lassen.

Christoph Schmerl


Die Welt begreifen

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.
1. Mose 1, 1, 27, 33

  Andacht 18

Von Anfang an versucht der Mensch, die Welt zu begreifen. Schon nach wenigen Monaten greifen die Hände des Kindes nach allem Erreichbaren. Später dann gesellt sich der kritische Verstand dazu, der sichtet und einordnet, in mathematische Formeln zwingt, sich ausstreckt nach immer neuen Räumen des Erkennens im Großen wie im Kleinen.

Naturwissenschaft und Technik haben im letzten Jahrhundert die Welt in enormem Maße verändert. Schon die Kinder lernen in der Schule die Theorie vom "Urknall" der Weltentstehung. Am Fernsehschirm sehen wir Astronauten an Weltraumstationen hantieren, und die Entschlüsselung des Codes menschlicher Erbanlagen weckt Hoffnungen auf Heilung von Krankheiten. Die Fragen jedoch nach dem Woher und Wohin unseres Daseins bleiben dem naturwissenschaftlichen Zugriff entzogen. Die Natur ist hier ein Buch mit sieben Siegeln. Schlagen wir dagegen die Bibel auf, so lautet ihr erster Satz: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde." Gott selbst ist der Ursprung allen Werdens, durch seinen Willen wurde alles ins Dasein gerufen. Die Welt ist als Gottes Schöpfung zu begreifen. Unter allen Mitgeschöpfen bekommt der Mensch eine besondere Stellung: Gott schuf den Menschen, Mann und Frau, zu seinem Bild und gibt ihm den Auftrag, sich die Erde untertan zu machen.

Wie sehr wir diesen Schöpfungsauftrag gerade in den letzten Jahrzehnten missverstanden haben, zeigen die Krisenmeldungen, die uns fast täglich erreichen. Ozonloch und Klimakatastrophe lassen sich noch einigermaßen verdrängen. Bei den Tierseuchen werden die Probleme hautnah, verunsichern die Verbraucher, verstärken die Existenzangst unserer sowieso schon vielfach bedrängten Landwirte. Die Scheiterhaufen, auf denen die Tiere den Interessen des Marktes geopfert werden, lodern zum Himmel und lassen uns den Jubel des Sonntags "Jubilate" fast im Halse stecken bleiben. Der Zugriff des Menschen auf die Natur ist zum Würgegriff geworden. Mit den Augen eines Verliebten, der die Welt so sieht, wie er sie gemeint hat, betrachtet der Schöpfer sein Werk: "Siehe, es war sehr gut." Eltern betrachten ihr Neugeborenes mit solcher Zärtlichkeit und solch' liebe-vollem Stolz. Die Welt als Gottes Schöpfung begreifen, das bedeutet: Ergriffen sein von ihrer Schönheit, liebevoll mit den Mitgeschöpfen umgehen, die Grenzen achten, die uns gesetzt sind. Den Menschen allein ist es vorbehalten, das Lob des Schöpfers in Worte zu fassen und ihm so ein Gegenüber zu werden. In unvergleichlicher Weise hat diesFranz von Assisi, der Troubadour Gottes, in seinem berühmten Sonnengesang getan. Alle Kreaturen werden ihm zu Brüdern und Schwestern. In den Osterjubel der neuen Schöpfung, die mit der Auferstehung Jesu begonnen hat, kann er selbst das Unbegreifliche, den "Bruder Tod" einschließen. Franziskus buchstabiert die Schöpfung mit seinem Herzen. In dieser Art die Welt zu begreifen liegt für uns die Chance eines neuen Anfanges.

Pfarrerin Gisela Siemoneit
Kalchreuth

Wir beten:
Preis dir, o Gott, durch unsere Geschwister, den Mond und die Sterne. Preis dir, o Gott, durch unsere Schwester, die Allmutter Erde, die uns erhält und hegt und allerlei Früchte hervorbringt nebst bunten Blumen und Kräutern.

Lied 510: Freuet euch der schönen Erde.

Foto: Bauer

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