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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 17)

Alles neu macht der Mai...

...oder: Was es mit den Frühlingsgefühlen auf sich hat

Thema 17
Blauer Himmel, Sonnenschein, die Wiesen leuchten in saftigem Grün und überall spriesen die Knospen - Frühling! Es braucht nicht viel psychologisches Wissen, um festzustellen, dass die meisten Menschen unter diesen Bedingungen besser gelaunt sind als etwa im tristen Grau des Novembers. Die frühlingshaft gute Laune kann man zum Beispiel beim Einkaufen erleben. Die Verkäuferinnen scheinen gleich "besser drauf" zu sein, wenn die Vögel zwitschern. Oder beim Friseur, der über viel Arbeit stöhnt: "Kaum wird es Frühling, wollen die Leute eine neue Frisur." Doch er nimmt es mit Humor, schließlich scheint die Sonne und die Kundinnen sind gut gelaunt. "Da geht die Arbeit gleich leichter von der Hand."

Die Liebe und der Frühling

Aber es gibt auch die "echten Frühlingsgefühle", von denen der 18-jährige Auszubildende strahlend erzählt: "Ich bin seit ein paar Tagen wieder mit meiner Ex-Freundin zusammen." Und wer am Wochenende spazieren geht, sieht allerorts turtelnde Pärchen. Abgesehen davon sprechen die vielen Hochzeiten im Wonnemonat Mai für sich. Die gute Stimmung im Frühjahr kommt nicht von ungefähr. Es ist erwiesen, dass Licht positiv auf die Psyche wirkt. Zum Beispiel werden in Amerika Depressionen zum Teil mit Licht behandelt. Logisch also, dass die Stimmung steigt, wenn die Tage im Frühjahr wieder länger werden und die Sonne öfter scheint.

Steigende Lebenslust

Man spricht auch davon, dass in der Natur im Frühling die Säfte steigen. Damit ist das Erblühen und Grünen der Pflanzenwelt gemeint. "Gewissermaßen kann man das auch auf die Menschen übertragen. Die Lebenslust steigt im Frühling", meint Christiane Banze, Therapeutin in der Evangelischen Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen in Würzburg. "Die aufblühende Natur und schönes Wetter machen die Menschen hoffnungsvoller", sagt die Therapeutin. Allerdings erlebe sie auch Menschen, die so viele oder schwerwiegende Probleme haben, dass sie kaum offen sind für die erfrischenden Nuancen des Frühlings. Wenn aber jemand ohne hin schon positiv eingestellt ist, "dann verstärken diese 'Frühjahrserscheinungen' die positiven Tendenzen."

Angelehnt an die beliebte Jahreszeit spricht man auch gern vom "zweiten Frühling". Auch das ist nachvollziehbar: Wenn jemand in der zweiten Lebenshälfte sich zum ersten Mal oder noch einmal verliebt, setzt das ungeahnte Kräfte frei. Der Mensch lebt auf, etwas Neues entsteht. "Der kalendarische Frühling kann Kräfte freisetzen. Ähnlich setzt der zweite Frühling Kräfte frei", schildert Christiane Banze das Phänomen. "Mit neuer Kraft brechen ältere Liebespaare auf in den Rest ihres Lebens." Allerdings findet die Beraterin der Begriff des zweiten Frühlings treffe auch auf Menschen zu, die durch eine Midlife-Krise gehen. "In ihnen steckt eine Sehnsucht danach, etwas zu erfahren, was noch nicht erlebt wurde." Oft würden Betroffene dadurch etwas in ihrem Leben ändern. "Und das muss nicht die Liebe betreffen", meint Banze. Das könne eine berufliche Änderung sein, ein Umzug oder die Entwicklung eines neuen Hobbys. "Jedenfalls steckt dahinter eine ungeheure Lebendigkeit, es entsteht Neues und die Leute machen sich mit viel Kraft an eine Veränderung."

Eine neue Liebe

Besonders einschneidend ist es schon, wenn jemand in vorgeschrittenem Alter nochmals das Wagnis einer Partnerschaft eingeht. Auffallend war das bei der 67-jährigen Erna (Name von der Redaktion geändert). Ihr Mann war vor einigen Jahren gestorben und sie lebte allein. Es brauchte einige Zeit, bis sie den Tod verarbeitet hatte. Letztes Jahr im Frühjahr fiel den Leuten in ihrer Umgebung auf, dass sie öfter neue Kleidung trug - recht flotte Kleidung. Außerdem war plötzlich keine graue Strähne mehr in ihrem Haar zu sehen, es war flott geschnitten und getönt. Auf die äußeren Veränderungen angesprochen, gibt sie sich bedeckt. Ja, sie hat einen Freund, räumt sie schüchtern lächelnd ein. Es ist ihr deutlich anzusehen, dass es ihr gut geht.

Junge Ehe im Alter

"Sich im Alter zu verlieben ist sehr schön", berichtet Elisabeth (Name von der Redaktion geändert). Mit Ende fünfzig hat sie ihren jetzigen Mann kennen gelernt. Bis dahin lebte sie allein. "Ich hatte mir mein Leben so eingerichtet und überhaupt nicht mehr an eine Partnerschaft gedacht." Doch wie so oft ging das Leben seinen eigenen Weg. Die heute 62-Jährige glaubt, "dass das von Gott so gewollt war". Sie hat ihr Leben völlig umgekrempelt.

Elisabeth ist Gott sehr dankbar für das Leben, das sie jetzt führt. Für ihren Mann, der verwitwet ist, ist es der zweite Frühling. "Für mich ist's eigentlich ja erst der Erste", sagt sie lachend. Sie genießt es, plötzlich für einen Mann interessant zu sein und geliebt zu werden. Umgekehrt "liebe ich ihn sehr und möchte ihn auch unterstützen, wo ich nur kann". Ihrer jungen Ehe geht es gut. "Aber auch im Alter muss man an einer Partnerschaft arbeiten." Sie hätten schon so manche Dinge durchgekämpft. Doch das lohne sich. Hinterher ist es dann wieder umso schöner. Für Elisabeth jedenfalls steht fest: "Auch im Alter erlebt man Frühlingsgefühle."

Karin Ilgenfritz
Foto: kil


Beim Herrn bleiben

"Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar."
Psalm 23, 1.4.6

  Andacht 16

Als ich kürzlich im Kindergottesdienstvorbereitungskreis den Psalm vom guten Hirten als Themenvor-gabe für die kommenden Sonntage einführte, ging ein freudiges Lächeln über die Gesichter der Mitarbeiterinnen - und eine sagte: "Wie schön!" - Oft beten ältere Gemeindeglieder beim Besuch am Krankenbett den 23. Psalm laut mit, und Sterbende werden über diesen Worten spürbar ruhig und zuversichtlich. Aber auch Konfirmandinnen und Konfirmanden lernen diesen Psalm gerne und reden darüber. "Der Herr ist mein Hirte…" - so beginnt das bekannteste Vertrauenslied der Bibel. Es ist so beeindruckend und überzeugend, weil es unmittelbar in die Welt unserer Erfahrungen hineinspricht. Da gibt es Zeiten, in denen es mir so rundum gut geht, in denen alles gelingt, in denen mir es an nichts mangelt. Die Welt scheint mir zu gehören, und ich danke meinem Gott mit frohem Herzen. Aber es gibt eben auch die andere Erfahrung, finstere Täler in denen ich mich frage, wie bloß alles weitergehen soll?

Ich kenne Ehepaare, die nach jahrelangem Hin und Her feststellen müssen: Es gibt keinen gemeinsamen Weg mehr. Ich kenne Eltern, die schmerzlich wahrnehmen, dass ihre Kinder einen ganz anderen Weg gehen als sie sich das wünschen würden. Ich denke an die vielen Erfahrungen von Krankheit, Not und Tod im engsten Familienbereich. Ich erlebe so viele Menschen in finsteren Tälern, die aber gerade darin durchhalten, weil sie in guten Zeiten das Vertrauen in den guten Hirten eingeübt haben. Mit bebender Stimme und immer wieder weinend sprechen sie es nach: "Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir!"

Das Bild vom guten Hirten, der für seine Schafe bei Tag und bei Nacht da ist, der für sie sorgt, sie leitet und führt, strahlt Wärme, Geborgenehit und Liebe aus. Ich freue mich darüber und spüre doch gerade in hellen Zeiten einen Zwiespalt in mir. Soll ich so ein Schaf sein, das dann vielleicht dumm und willenlos seinem Hirten ergeben ist? - Nein, das will ich nicht sein. Im Gegenteil! Ich weiß doch, was ich will und kann - ich bin kein Schaf.

Schaue ich aber hin zum guten Hirten Jesus Christus, dann sehe ich ihn als den, der am Kreuz selbst zur Torheit, zum Dummen vor der Welt wird. Er ging ins finstere Tal des Todes und kam gerade so zu neuem Leben. Ich sehe dann vor mir die Osterlämmer in unseren Bäckereien, die aufrecht und selbstbewusst die Siegesfahne tragen. Ein solches Schaf will ich gerne sein. Vielleicht dumm in den Augen mancher Menschen, aber doch voller Vertrauen: Ich bin in Ewigkeit nicht allein!

Weil der Hirte selbst zum Lamm Gottes wurde, hat er den Tod besiegt und ist so mein Bruder. In seiner Nähe bin ich voller Kraft und Zuversicht für jeden neuen Tag. So lebe ich in der Gewissheit, dass Gottes Güte und seine Barmherzigkeit mir den Rücken stärken auf dem ganzen Lebensweg. So wird es zu meiner persönlichen Erfahrung: Ich bin beim Herrn zu Hause - komme, was da wolle - und ich werde bleiben in seiner Gemeinschaft - heute, morgen und in Ewigkeit.

Pfarrer Hans-Martin Lechner
Gunzenhausen

Wir beten:
Bei dir, Jesu, will ich bleiben, stets in deinem Dienste stehn; nichts soll mich von dir vertreiben, will auf deinen Wegen gehen. Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft, wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft. Amen.

Lied 274: Der Herr ist mein getreuer Hirt.

Foto: güs

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