Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 16)

Wenn der "Herr Pfarrer" kein Pfarrer ist

Wie sich Männer von Theologinnen um Familie und Haushalt kümmern

Thema 16
Fremde halten ihn oft für den "Herrn Pfarrer". Wenn Steve Bornowski die Türe des Pfarrhauses in Obermichelbach (Landkreis Ansbach) öffnet, sprechen ihn Unbekannte meist so an. "Sie wollen bestimmt zu meiner Frau. Sie ist hier die Pfarrerin" stellt der 39-Jährige klar, der seit 1989 Pfarrmann ist. Er hat seinen Beruf an den Nagel gehängt, um sich um die Kinder und den Haushalt zu kümmern. Für den Amerikaner, der als Triebwerkstechniker bei der US-Air Force in Deutschland arbeitete, war es ein tiefer Einschnitt. "Ich musste alle Brücken abbrechen, denn ein Recht auf Rückkehr gab es bei den US-Streitkräften nicht", erzählt Bornowski, der zuletzt Lehrlinge ausbildete.

Außergewöhnliche Rolle

Steve Bornowski übernahm 1989 eine Vorreiterrolle. "Dass der Ehepartner einer Pfarrerin sich um Familie und Haushalt kümmert, war damals etwas Außergewöhnliches", erinnert er sich. Die ersten drei Jahre als Pfarrmann erlebte er als "harte Zeit". Waren sie doch gleich mit mehrfachen Veränderungen verbunden: Er gab seinen Beruf auf, ein zweites Kind kam zur Welt und seine Frau trat eine neue Stelle an.
Nicht nur der US-Bürger selbst, sondern auch seine Mitmenschen brauchten Zeit, sich an den Gedanken des Pfarrmannes zu gewöhnen. "Viele konnten nichts damit anfangen, dass der Mann die tragende Rolle in der Familie übernimmt", meint er. Einige hätten sogar gefrotzelt: "Der tut ja nichts." Über solchen Späßchen steht der 39-Jährige inzwischen. "Man muss selbstbewusst sein." Der frühere Triebwerkstechniker hält seiner Frau,die als Pfarrerin drei Kirchengemeinden betreut, den Rü-cken frei. Er kauft ein, kocht und wäscht. Die Küche ist sein Reich: "Auch ohne Ausbildung als Koch lässt sich jeden Tag etwas Gutes auf den Tisch bringen." Bügeln und Saubermachen allerdings sind nicht die Sache des 39-Jährigen. Am Bügelbrett steht meist die Ehepartnerin und für die Sauberkeit sorgt einmal in der Woche eine Zugehfrau. Für die 15 und 11 Jahre alten Söhne Christopher und Andreas sowie die fünfjährige Anika ist es etwas ganz Normales, dass der Vater und nicht die Mutter die meiste Zeit bei ihnen zuhause ist. "Wir kennen das gar nicht anders", meint Christoph, der älteste Sohn. Für ihn und seinen Bruder ist es auch selbstverständlich, in der Küche mitzuhelfen.

Obwohl der Vater viel mit den Kindern zusammen ist, kann er die Mutter nicht ganz ersetzen. "Wenn wir beide zuhause sind, bin oft nicht ich, sondern meine Frau gefragt. Vor allem wenn es Wehwehchen bei den Kleinen gibt." Er sei als Pfarrmann nicht in der Lage, die traditionelle Pfarrfrauenrolle zu erfüllen. Auch in der Gemeinde könne er das nicht.
Zehn Jahre lang engagierte sich der US-Amerikaner mit mittelfränkischem Dialekt in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit. Im letzten Jahr hörte er damit auf, weil aus der Jugendarbeit heraus ein Baseball-Verein entstanden ist, wo er als Trainer mitarbeitet. Viele Jahre spielte der Pfarrmann auch im Obermichelbacher Posaunenchor mit. Neben der Familie hat sich Steve Bornowski in den letzten Jahren noch ein eigenes Standbein aufgebaut. Wenn die Kinder in der Schule oder im Kindergarten sind, restauriert er alte Motorräder. Vor allem Maschinen aus den 50-er und 60-er Jahren richtet er wieder her. "Nur in der Rolle des Pfarrmannes würde mein Mann nicht aufgehen", sagt die Obermichelbacher Pfarrerin Gisela Bornowski. "Er braucht noch einen Bereich, wo er seine Erfolgserlebnisse und seine Bestätigung hat."

Der eigenen Berufstätigkeit trauert Pfarrmann Jörg Overmann nicht nach, der im drei Kilometer von Obermichelbach entfernten Wittelshofen wohnt. Schon seit sechs Jahren kümmert sich der Diplomingenieur für Maschinenbau um seine drei Töchter. Zuerst vier Jahre in München, wo seine Frau Barbara als Pfarrerin zur Anstellung arbeitete. Vor zwei Jahren übernahm sie dann die Pfarrstelle in Westmittelfranken.

Dem 40-Jährigen macht das Pfarrmann-Dasein Spaß. "Es ist das, was momentan für mich dran ist," sagt er und ergänzt: "Ich brauche für mein persönliches Ego keine Selbstverwirklichung im Beruf." Es gebe schließlich genug andere Sachen zu tun. Der frühere Mitarbeiter einer Turbinenfabrik hat neben den Verpflichtungen für die Kinder und das Haus seine Vorliebe für den Pfarrgarten entdeckt. Der etwa 1.000 Quadratmeter große Bereich hält ihn ganz schön auf Trab. Ob Sträucher schneiden oder Büsche pflanzen - langweilig wird es ihm nicht.

Ehrenamtliche Mitarbeit

Auch in der Kirchengemeinde hilft der 40-Jährige mit. Bei der Renovierung des Gemeindehauses war er mit von der Partie. Viele Stunden verbrachte er damit, das Gebäude neu anzustreichen. Wenn's um technische Fähigkeiten geht, ist er - ähnlich wie sein Obermichelbacher Kollege - oft gefragt.
Apropos Frage: In Wittelshofen wurde Overmann - anders als in München - noch nicht gefragt, was er denn den ganzen Tag über mache. "Offensichtlich wird auf dem Land alles, was mit Familie und Haus zusammen hängt, als eine Menge Arbeit angesehen", mutmaßt der Mann der Pfarrerin. Das Kochen macht ihm meistens Spaß. Staubwischen jedoch gehört nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. "Es muss nicht alles klinisch sauber sein," so sein Grundsatz. Der Diplomingenieur sieht sich als Korrektiv seiner Frau gegenüber. Bei Bedarf tritt er bei ihr auf die Bremse, wenn die Arbeit in den drei Kirchengemeinden, für die sie zuständig ist, Überhand zu nehmen droht. "Jetzt musst Du auch an Dich und Deine Familie denken," rät er dann seiner Ehepartnerin. "Herr Pfarrer" sagen viele im Ort zu Jörg Overmann, der sich in seiner Freizeit bei der Freiwilligen Feuerwehr in Wittelshofen engagiert. "Die meisten schmunzeln nach der Anrede, weil sie wissen, dass sie nicht so ganz korrekt ist," erzählt der Pfarrmann. Und er fügt hinzu: "Ich kann gut damit leben bzw. umgehen, solange ich nicht die Funktionen eines Pfarrers erfüllen muss."
Günter Saalfrank


Glauben setzt Zeichen

Jesus sagte zu ihnen: "Geht in die ganze Welt und verkündet die gute Nachricht allen Menschen. Wer zum Glauben kommt und sich taufen lässt, wird gerettet. Wer nicht glaubt, den wird Gott verurteilen. Die Glaubenden aber werden an folgenden Zeichen zu erkennen sein: Wenn sie Gift trinken, wird ihnen das nicht schaden. Kranke, denen sie die Hände auflegen, werden gesund." ...Die Jünger aber gingen und verkündigten überall die gute Nachricht. Der Herr half ihnen dabei und bekräftigte die Botschaft durch die Wunder, die er geschehen ließ.
Markus 16, 15-17a, 18b, 20

  Andacht 16

Einen Brief möchte ich schreiben an dich, Maria aus Magdala, Fragen will ich dir stellen. Du kanntest Jesus doch recht gut. Mit ihm bist du unterwegs gewesen. Seine Jünger haben dich gekannt! Was mag das für ein Gefühl gewesen sein für dich, damals, als du vor dem auferstandenen Herrn standest? Hat nicht dein pochendes Herz dir schier die Brust zersprengt vor lauter Aufregung? Kein Zweifel, ER war von den Toten auferstanden!

Maria aus Magdala, du bist hingegangen und hast es den anderen gesagt, dass du den Meister lebendig gesehen hast. Sie glaubten es nicht. Wie mag es dir da ergangen sein? Du wusstest, dass es die Wahrheit war! Hast du mitbekommen, dass es zwei Männern von Euch nicht anders erging? Sie kamen von Jerusalem und waren auf dem Weg nach Emmaus. Da war ER auf einmal neben ihnen. Aber sie wussten das nicht. Sie diskutierten lange und wunderten sich, warum der Fremde so tat, als wisse er nichts von den jüngsten Ereignissen. Beim Essen erkannten sie ihn endlich, und gleich war er verschwunden. Die beiden kehrten sofort zurück nach Jerusalem. Doch die Jünger dort glaubten ihnen auch nicht. Es tut mir gut, dass der Auferstandene dann selber diesem Unglauben ein Ende setzte. Plötzlich war er mitten unter euch und tadelte alle, die nicht geglaubt hatten. Du warst doch dabei, Maria Magdalena? Aber Jesus versöhnt sich auch schnell, und ich freue mich, dass er euch dann losgeschickt hat, das Evangelium in alle Welt zu tragen. Vielleicht musstet ihr vorher beides erleben, die einen, dass sie nicht überzeugen konnten, die anderen, dass sie nicht glauben konnten. In seinem Auftrag an euch machte er deutlich, dass alle, die zum Glauben kommen und sich taufen lassen, gerettet werden. Mehr noch, dass man diese Glaubenden an Zeichen erkennen wird. Jesus hatte euch damit Macht gegeben, Wunder zu wirken. Ich finde das großartig, weil diese Fähigkeit über die Zeiten nicht verlorenging. So konnten über Jahrhunderte hinweg bis heute auf der ganzen Erde wahre Wunder erlebt werden. Ist es nicht bewundernswert, dass die Frohe Botschaft ihre Kreise gezogen hat und der Glaube auf der ganzen Erde gelebt wird? Vielleicht wird dich interessieren, Maria Magdalena, wie das heute, zweitausend Jahre nach deiner Lebenszeit, aussieht: Ich hatte das Glück, eine meiner Töchter in Afrika und in Amerika (das ist ein Erdteil, den ihr damals nicht kanntet) besuchen und dort jeweils Gottesdienste mitfeiern zu können. Vor drei Jahren war es in Afrika das Pfingstfest, vor einem Jahr in Amerika Ostern und der Weiße Sonntag. Beide Kirchen, die viele eurer Tagereisen voneinander entfernt sind, waren geschmückt mit weißen Lilien, an Ostern und am Sonntag danach, als Symbole für das Hinaustrompeten der Botschaft.

Es war sehr schön; ich habe gespürt, dass Gottes Wort angekommen ist. Das tut mir gut. Es bekräftigt mich, selbst den Glauben weiterzugeben, mit Zeichen, die mir möglich sind. Das kann sein: Zuhören, Verstehen, Schmerz mitempfinden, Trösten und Beten, Hoffnung wecken. Bestärken, dass wir allem gewachsen sind, durch den, der uns stark macht. Dann kann ich auch die Hand auf Kranke legen und glauben, dass es besser wird mit ihnen. Genau so, wie ihr es damals auch getan habt, liebe Maria Magdalena.

Anneliese Küspert
Thiersheim

Wir beten:
Herr, ich freue mich und bin dankbar, dass du nicht müde wirst, mit uns zu gehen. Ich freue mich, dass du mitten dabei bist, wo ich auch gerade, mich befinde, mitten in der Freude oder gerade im allergrößten Elend und Zweifel. Immer bist du da. Das glaube ich. Amen.

Lied 558: "Ich hör die Botschaft: Jesus lebt!"

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© copyright ROTABENE! Medienhaus