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Schwebender Auferstandener
In der Renaissance- und Barockzeit wurde eine Darstellung sehr beliebt: Jesus schwebt über dem Grab. Dieser Bild-Typus dürfte im Umkreis des italienischen Malers Giotto di Bondone (1267-1337) entstanden sein. Auch Fra Angelico griff sie auf. Bezaubernd ist sein Wandgemälde "Die Frauen am Grab" (1441) in Zelle 8 des Klosters Sankt Marco, Florenz. Der Maler lässt den Auferstandenen als Lichtgestalt im noch nächtlichen Himmel schweben - als ob er sagenwollte:Jesus habe nun alle Erdenschwere zurückgelassen und gehöre in seiner verklärten Leiblichkeit eigentlich schon dem Himmel an. Neue Bilder
Auch heutzutage entstehen Auferstehungs-Bilder - oder solche, in denen dieses Thema zu entdecken ist. Im Landeskirchenamt in München hängt ein Acryl-Bild (1988) des Malers Jürgen Reipka. Manche Betrachter denken bei diesem einfach aufgebauten Bild an ein T-förmiges Kreuz, das in einem Meer von Blut steht. Und das sich nach oben hin eigentümlich, geradezu österlich aufhellt.
Andere sehen in der schwarzen Fläche das leere Grab Jesu, durch das sich eine feine - aber unwiderstehliche Spur des Lebens zieht. Unverhofft, dynamisch, tragfähig scheint sich dieses Leben dann zu entfalten und eine unbekannte, frühlingshaft frische Dimension in den Alltag
zu bringen.
"Maria!" Manchmal kann ein Wort alles verändern. Manchmal kann ein Wort das Leben retten.
Eine meiner frühesten Erinnerungen: Wir wohnten im dritten Stock eines Mietshauses. Unten auf der Straße hörte ich Kinder spielen. Das hat mich neugierig gemacht. Über einen Stuhl kletterte ich auf die Fensterbank, beugte mich hinaus und schaute hinunter zu den Kindern. Da höre ich die Stimme meiner Großmutter hinter mir. Ganz vorsichtig, um mich nicht zu erschrecken, rief sie meinen Vornamen. So liebevoll, so fürsorglich und neugierig machend, dass ich mich umdrehte und in ihre Arme sprang. Heute weiß ich, dass dieses Wort, so vorsichtig zärtlich gesprochen, mir wahrscheinlich das Leben gerettet hat. Ja, ein einziges Wort voller Liebe, vielleicht auch voller Besorgnis gesprochen, kann Leben retten, kann Leben schenken.
So ähnlich muss es Maria aus Magdala ergangen sein, als sie tränenblind kam, um ihrem Meister, den letzten Liebesdienst zu erweisen: Sie wollte ihn im Grab besuchen, ihn einsalben mit Duftöl und dem geschundenen Körper noch ein letztes Mal wohl tun.
Vielleicht war sie durch den Tod ihres Mannes in eine schwere Depression verfallen. Und nun war Jesus, der wandernde Heiler und Lehrer gekommen und hatte sie aufgenommen in den Kreis, in die Lebensgemeinschaft seiner Jünger und Jüngerinnen. Der schwarze Schleier der Traurigkeit war von ihr abgefallen. Und mit der körperlich-seelischen Heilung hatte sie in der Nähe Jesu Heilerfahren - das, wovon er redete und predigte, Heil, Anerkennung,
Würde um Gottes Willen. Alle vier Evangelien nennen Marias Namen stets zuerst, wenn sie von der Frauengruppe sprechen. Sie war wohl eine Führungspersönlichkeit, die integrierend wirkte, gewandt und überzeugend, mit Autorität. Eine wirkliche Mitarbeiterin Jesu, die das Heil verkörperte, von dem er predigte.
Und das alles stand nun auf dem
Spiel, als er so schmählich am Kreuz starb, als Gotteslästerer und Aufrührer hingerichtet.
Sein Tod stellte den Sinn ihres neuen Lebens in Frage: Sollte alles nur Einbildung gewesen sein? Ob Jesus sich nicht doch über Gott geirrt hatte und sie sich über ihn?
So fragend, klagend, weinend besucht sie Jesu Grab. Aber sie findet es offen, und der Leichnam ist nicht darin. Blind von Tränen klagt sie: "Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben." In dieser Klage drückt sich ihre ganze Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit aus. Der, der ihrem Leben einen neuen Sinn, ihr selbst ihre Würde gegeben hatte, er ist gestorben. Und mit ihm starb etwas in ihr. Es wurde wieder dunkel vor ihren Augen und in ihrer Seele. Da hört sie auf einmal ihren Namen rufen. "Maria!" Am Klang der Stimme erkennt sie, wer es ist. Sie wendet sich um und antwortet wie einst: "Meister!"
"Maria!" In diesem einzigen Wort wird es für Maria Magdalena Ostern. Blitzartig wird der Schleier von ihren Augen, von ihrer Seele weggezogen, und sie begreift: Was sie auf Golgatha von Ferne miterlebt hat, ist kein endgültiges Ende des Lebens gewesen, weder für Jesus noch für sie. Es bleibt bei dem, was Jesus über Gott gesagt hat. Das neu gewonnene Leben geht für Maria aus Magdala weiter. Der Sinn ihres Lebens, ihre Würde bleibt bestehen, ihre Liebe bleibt gültig. Und so wird sie zur ersten Auferstehungszeugin für die Jünger.
"Maria!" Ein Wort hatte ihr Leben erneuert. "Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen - du bist mein!" Das gilt nicht nur für Maria. Dieses Gotteswort ist die Osterbotschaft schlechthin.
Regionalbischof Dr. Ernst Öffner, Wir beten: Lied 112: "Auf, auf, mein Herz mit Freuden"
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