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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 15)

Die Auferstehung Jesu in der Kunst

Wie sich die Darstellungen von Ostern im Laufe der Zeit änderten

Thema 15 Erste Auferstehungsbilder gibt es in der frühchristlichen Reliefkunst, etwa am "Passionssarkophag" (um 350) im Vatikan. Im Mittelfeld der Sarkophagwand ist das Kreuz Jesu zu sehen - freilich ohne den Gekreuzigten. Unter dem Kreuz kauern Soldaten wie Wächter am Grab. Über dem Kreuz hängt ein üppiger Lorbeerkranz mit Christusmonogramm. Er wird von einem Adler gehalten. Zwei Tauben haben sich auf dem Querbalken niedergelassen. Sie picken Beeren vom Kranz. Uber dem Ganzen sind Sonne und Mond zu entdecken.
Bekanntlich entwickelten die frühen Christen eine eigene Symbolsprache. Sie setzten Sinnbilder und Zeichen für wesentliche Glaubensinhalte. Der Siegeskranz auf dem Bild will sagen: Jesus hat den Tod überwunden. Er ist auferstanden. Der Adler bezeugt als ein Sinnbild der Himmelfahrt: Der Auferstandene "sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters." Seine Herrschaft schließt Sonne und Mond und alle Weltenmächte mit ein. Die Tauben stehen für Christen oder deren Seelen. Sie bringen zum Ausdruck: Jesu Sieg und Regiment kommen allen Gläubigen zugute. Christen dürfen auf ein Leben nach dem Tode hoffen. Diese Hoffnung trug viele Gläubige durch akute Nöte. In den ersten Jahrhunderten kam es ja wieder und wieder zu schlimmen Christenverfolgungen.
Neben der symbolischen gab es in der alten Kirche auch eine erste szenische Darstellung der Auferstehung Jesu. Die Eingangstür (um 430) der römischen Kirche S. Sabina zum Beispiel zeigt die Frauen und den Engel am leeren Grab (nach Matthäus 28). In diesem Motiv, in dieser Illustration des Ostermorgens, sah die Christenheit über Jahrhunderte hin das gemäße Auferstehungsbild. Obwohl es weder den Auferstandenen, noch die Auferstehung zeigt. Um 1.000 nach Christus erschien in der ottonischen Buchmalerei ein neuer Bild-Typus: Jesus steht aufrecht im offenen Sarkophag. Gut 100 Jahre später gingen Künstler noch einen Schritt weiter. Sie malten Jesus, wie er kraftvoll aus dem Grab oder Grabbau heraustritt. Es zeigt den Auferstehenden als zurückkehrenden Helden. Als Held galt damals, wer für die Sache Gottes kämpfte und wer sein Schicksal konsequent auf sich nahm - wie das eben einst Jesus getan hatte.

Schwebender Auferstandener

In der Renaissance- und Barockzeit wurde eine Darstellung sehr beliebt: Jesus schwebt über dem Grab. Dieser Bild-Typus dürfte im Umkreis des italienischen Malers Giotto di Bondone (1267-1337) entstanden sein. Auch Fra Angelico griff sie auf. Bezaubernd ist sein Wandgemälde "Die Frauen am Grab" (1441) in Zelle 8 des Klosters Sankt Marco, Florenz. Der Maler lässt den Auferstandenen als Lichtgestalt im noch nächtlichen Himmel schweben - als ob er sagenwollte:Jesus habe nun alle Erdenschwere zurückgelassen und gehöre in seiner verklärten Leiblichkeit eigentlich schon dem Himmel an.
Ein ergreifendes Auferstehungsbild enthält der Isenheimer Altar, der heute im französischen Colmar zu sehen ist. Durch Bilder heilen - das versuchten die Ärzte des Antoniter-Ordens. In der Hospitalkirche zu Isenheim konfrontierten sie die Patienten mit einem mächtigen Wandelaltar (ab 1512) von Matthias Grünewald. An Festtagen wurde die Auferstehung thematisiert: Grünewald macht den Betrachter zum Zeugen eines explosiven Geschehens: Jesus fährt aus dem Grab. Himmelwärts. Mit ungeahnter Kraft. Er reißt die Leichentücher mit sich. Sie wehen wie im Sturm. Vom Haupt des Auffahrenden geht jetzt ein eigentümliches, schier übernatürliches Licht aus, eine Glut, in die sich Jesus aufzulösen scheint. Grünewald rückte die Auferstehung sehr nahe an die Himmelfahrt Jesu - wie es schon die frühen Christen getan hatten.
Wie nüchtern und lehrhaft wirken dem gegenüber die Osterbilder der Reformation. Martin Luther distanzierte sich von der Bilder-Frömmigkeit seiner Zeit. Aus pädagogischen Gründen aber bejahte er biblische Darstellungen. Vielleicht hatte er selbst einige Bildideen.
Wohl vom italienischen Maler Giotto an lösten sich die bildenden Künstler und Künstlerinnen zunehmend von ihren kirchlichen Auftraggebern los. Immer eigenständiger fanden und formulierten sie die Themen ihrer Arbeiten. Rembrandt zum Beispiel interpretierte das Thema in seinem Ölbild "Auferstehung Christi" (ab 1636), Alte Pinakothek München, sehr eigenwillig. Er stellte Jesus nicht als sieghaften Uberwinder des Todes dar, sondern als einen Menschen, der wie durch ein Wunder von Gottes Engel geweckt wird aus tiefstem Todesschlaf.

Neue Bilder

Auch heutzutage entstehen Auferstehungs-Bilder - oder solche, in denen dieses Thema zu entdecken ist. Im Landeskirchenamt in München hängt ein Acryl-Bild (1988) des Malers Jürgen Reipka. Manche Betrachter denken bei diesem einfach aufgebauten Bild an ein T-förmiges Kreuz, das in einem Meer von Blut steht. Und das sich nach oben hin eigentümlich, geradezu österlich aufhellt. Andere sehen in der schwarzen Fläche das leere Grab Jesu, durch das sich eine feine - aber unwiderstehliche Spur des Lebens zieht. Unverhofft, dynamisch, tragfähig scheint sich dieses Leben dann zu entfalten und eine unbekannte, frühlingshaft frische Dimension in den Alltag zu bringen.
Andreas Hildmann


Ein Wort kann manchmal alles verändern

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Sie suchte den Leichnam Jesu, doch er war weg. Schließlich sieht sie Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst Du? Wen suchst Du? Sie meint, es sei der Gärtner und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni!, das heißt Meister!
nach Johannes 20, 11-16

  Andacht 15

"Maria!" Manchmal kann ein Wort alles verändern. Manchmal kann ein Wort das Leben retten.

Eine meiner frühesten Erinnerungen: Wir wohnten im dritten Stock eines Mietshauses. Unten auf der Straße hörte ich Kinder spielen. Das hat mich neugierig gemacht. Über einen Stuhl kletterte ich auf die Fensterbank, beugte mich hinaus und schaute hinunter zu den Kindern. Da höre ich die Stimme meiner Großmutter hinter mir. Ganz vorsichtig, um mich nicht zu erschrecken, rief sie meinen Vornamen. So liebevoll, so fürsorglich und neugierig machend, dass ich mich umdrehte und in ihre Arme sprang. Heute weiß ich, dass dieses Wort, so vorsichtig zärtlich gesprochen, mir wahrscheinlich das Leben gerettet hat. Ja, ein einziges Wort voller Liebe, vielleicht auch voller Besorgnis gesprochen, kann Leben retten, kann Leben schenken.

So ähnlich muss es Maria aus Magdala ergangen sein, als sie tränenblind kam, um ihrem Meister, den letzten Liebesdienst zu erweisen: Sie wollte ihn im Grab besuchen, ihn einsalben mit Duftöl und dem geschundenen Körper noch ein letztes Mal wohl tun.
Nach den Erzählungen der Bibel war Maria Magdalena die Frau, die Jesus am nächsten gestanden hat. Sie stammte aus Magdala, einer geschäftigen Kleinstadt am See Genezareth. Maria muss wohl unverheiratet oder verwitwet gewesen sein. Lukas berichtet, dass Jesus sie "von sieben Dämonen" - einer psychischen Krankheit - geheilt habe.

Vielleicht war sie durch den Tod ihres Mannes in eine schwere Depression verfallen. Und nun war Jesus, der wandernde Heiler und Lehrer gekommen und hatte sie aufgenommen in den Kreis, in die Lebensgemeinschaft seiner Jünger und Jüngerinnen. Der schwarze Schleier der Traurigkeit war von ihr abgefallen. Und mit der körperlich-seelischen Heilung hatte sie in der Nähe Jesu Heilerfahren - das, wovon er redete und predigte, Heil, Anerkennung, Würde um Gottes Willen. Alle vier Evangelien nennen Marias Namen stets zuerst, wenn sie von der Frauengruppe sprechen. Sie war wohl eine Führungspersönlichkeit, die integrierend wirkte, gewandt und überzeugend, mit Autorität. Eine wirkliche Mitarbeiterin Jesu, die das Heil verkörperte, von dem er predigte.

Und das alles stand nun auf dem Spiel, als er so schmählich am Kreuz starb, als Gotteslästerer und Aufrührer hingerichtet. Sein Tod stellte den Sinn ihres neuen Lebens in Frage: Sollte alles nur Einbildung gewesen sein? Ob Jesus sich nicht doch über Gott geirrt hatte und sie sich über ihn?

So fragend, klagend, weinend besucht sie Jesu Grab. Aber sie findet es offen, und der Leichnam ist nicht darin. Blind von Tränen klagt sie: "Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben." In dieser Klage drückt sich ihre ganze Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit aus. Der, der ihrem Leben einen neuen Sinn, ihr selbst ihre Würde gegeben hatte, er ist gestorben. Und mit ihm starb etwas in ihr. Es wurde wieder dunkel vor ihren Augen und in ihrer Seele. Da hört sie auf einmal ihren Namen rufen. "Maria!" Am Klang der Stimme erkennt sie, wer es ist. Sie wendet sich um und antwortet wie einst: "Meister!" "Maria!" In diesem einzigen Wort wird es für Maria Magdalena Ostern. Blitzartig wird der Schleier von ihren Augen, von ihrer Seele weggezogen, und sie begreift: Was sie auf Golgatha von Ferne miterlebt hat, ist kein endgültiges Ende des Lebens gewesen, weder für Jesus noch für sie. Es bleibt bei dem, was Jesus über Gott gesagt hat. Das neu gewonnene Leben geht für Maria aus Magdala weiter. Der Sinn ihres Lebens, ihre Würde bleibt bestehen, ihre Liebe bleibt gültig. Und so wird sie zur ersten Auferstehungszeugin für die Jünger. "Maria!" Ein Wort hatte ihr Leben erneuert. "Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen - du bist mein!" Das gilt nicht nur für Maria. Dieses Gotteswort ist die Osterbotschaft schlechthin.

Regionalbischof Dr. Ernst Öffner,
Augsburg

Wir beten:
Mein Gott, hol mich heraus durch ein Wort - dein Wort - aus dem Grab der Trauer, aus dem Grab der Angst, aus dem Grab der Verzweiflung, aus dem Grab der Enttäuschung, damit ich lebe. Wieder neu. Amen.

Lied 112: "Auf, auf, mein Herz mit Freuden"

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