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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 14)

Den Tod nicht totschweigen

Kinder bei Sterbefällen miteinbeziehen

Thema 14 Tims Opa war ein Tüftler, immer hatte er etwas zu basteln und zu werkeln. Als er gestorben war und Tims Mutter ihm erklärte, dass der Opa jetzt im Himmel ist, meinte Tim: "Gell, der Opa poliert jetzt dort die Sterne!" Für den Kleinen war das eine naheliegende Erklärung.

"Kinder finden oft Argumente und Lösungen, warum jemand gestorben ist", erklärt Frieder Harz, Professor für Religionspädagogik an der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg. Er weist darauf hin, dass es enorm wichtig ist, mit Kindern darüber zu reden, wenn jemand gestorben ist oder im Sterben liegt.

Kinder nicht schonen

"Viele Eltern wollen ihre Kinder nicht mit diesem Thema konfrontieren und sie schonen." Keinesfalls sollten sie ihre Söhne oder Töchter mit einem "Das verstehst du noch nicht!" oder anderen nichtssagenden Antworten abspeisen. Denn Kinder seien sehr sensibel und würden merken, wenn jemand traurig ist und sich die Atmosphäre geändert hat. Geben die Erwachsenen ihnen auf ihre Fragen keine Antworten "machen sie sich ihre eigenen Gedanken". Das könne manchmal fatal sein, denn zum Beispiel können Kinder im Vorschulalter den Tod noch nicht begreifen und seine Entgültigkeit nicht erfassen. "Sie denken, die Person ist weg und irgendwann kommt sie wieder, sie warten dann manchmal Monate", sagt Harz. Besonders bei jüngeren Kindern besteht außerdem die Gefahr, dass sie Schuldgefühle bekommen und denken, "der Opa ist weg, weil sie nicht brav waren". Eltern oder andere vertraute Personen sollten Kindern unbedingt erklären, dass die Person tot ist und was da passiert ist. "Kinder verkraften viel mehr, als man denkt." Sie haben ihre eigene Art damit umzugehen und finden Erklärungen, mit denen sie leben können.

Je nach Alter ändert sich das Verständnis vom Tod. Im Grundschulalter begreifen sie, dass der Tod eine unumkehrbare Sache ist und dass auch sie sterblich sind. Im Jugendalter kommt die Frage auf, was nach dem Tod kommt. "Hier sind wir gefordert, den Jugendlichen vernünftige Antworten zu geben", meint der 57-Jährige.

Vor Kindern weinen

Erwachsene bräuchten sich nicht scheuen vor Kindern zu weinen, "denn Tränen sind für Kinder etwas Vertrautes". Und nicht selten sei es für Erwachsene sogar tröstlich, wenn sie mit ihrem Sprössling über den Tod der Oma reden. "Kinder können oft viel unbefangener mit dem Tod umgehen und manchmal wunderbar trösten."

Den Tod könne man Kindern gut an dem Beispiel von Raupe und Schmetterling erklären, meint Frieder Harz: "Der tote Mensch ist das, was übrig bleibt - wie die Raupe. Der Schmetterling entspricht dem, was den Menschen ausgemacht hat. Dieser Teil ist bei Gott." Daher sei es auch durchaus sinnvoll, Kinder zu Beerdignungen mitzunehmen und sie auch einen Blick auf die Leiche werfen zu lassen. "Kinder können so lernen, dass ein toter Mensch etwas anderes ist, wie ein lebender." Noch einmal betont der Professor: "Aber es muss jemand da sein, der sich bei der Beerdigung um das Kind kümmert und es nicht allein irgendwo herumsteht."

Um die Trauer zu verarbeiten, könnte zu Hause an einem bestimmten Platz ein Bild aufgehängt werden. "Das Kind hat dort dann die Möglichkeit eine Kerze anzuzünden oder Blumen hinzustellen." Nicht nur für die Kleinen ist es wichtig, einen Ort zum Trauern zu haben. Sei es im Haus oder auf dem Friedhof. Umso älter die Kinder werden, lernen sie, dass Verstorbene auch einen Platz im eigenen Herzen haben.

Allerdings komme es auch vor, dass Kinder, vor allem ältere, sich abkapseln und niemand an sich heran lassen. Gerade, wenn eine wichtige Person wie ein Elternteil gestorben ist, können sie nur schwer darüber reden. "Das ist eine Art Selbstschutz. Jungen und Mädchen machen das nicht bewusst." Für sie sei es dann auch wichtig, dass man nicht in sie hineindringt, sondern ihnen vermittelt, dass man für sie da ist und sie gern hat. "Kinder, ganz egal welchen Alters, müssen spüren, dass sie mit ihrer Trauer nicht allein sind."
Karin Ilgenfritz
Foto: kil


Das Aus für Lebenslügen und Ausreden

So redete Jesus, und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrlicht.
Johannes 17,1

  Andacht 14

Einzug in Jerusalem: Mit Palmzweigen jubeln viele Menschen Jesus zu. Mit Hosiannarufen verherrlichen Menschen Jesus. So stelle ich mir Herrlichkeit vor. Da blitzt für mich ewiges Leben auf. In dieser Herrlichkeit möchte ich als Kind Gottes gerne mit Jesus eins sein. So möchte ich gerne einer von den Menschen sein, denen Jesus im Namen Gottes ewiges Leben gibt. So wünsche ich mir Herrlichkeit Gottes.

Wie anders klingt diese Herrlichkeit aber im Predigttext für den heutigen Sonntag. Da bittet Jesus kurz vor seiner Gefangennahme: "Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrlicht.
Auf dem Passionsaltar der Gostenhofner Dreieinigkeitskirche ist derjenige dargestellt, den Gott für uns verherrlicht, an dem uns Gottes Herrlichkeit gezeigt wird: "Christus am Ölberg" - entblößte Knie auf Steinplatte, das Kreuz bereits im Blick, die Freunde lassen ihn schlafend im Stich, die Gegner sind bedrohlich nahe.

Auf so eine Herrlichkeit kann ich gut verzichten. So möchte ich nicht verherrlicht werden. So stelle ich mir die Herrlichkeit Gottes nicht vor. Aber das sage ich nur im ersten Überschwang. Ich bin nämlich gar nicht so oft, derjenige, dem alle zujubeln, bei dem alles glatt geht, der nur Erfolg hat. Oft komme mir auch vor wie der, der da ratlos betet, der wohl sehnsuchtsvoll nach oben schaut, der unsicher ist. Oft fühle ich mich allein gelassen, von anderen bedroht und starre entgeistert auf mein Leben. Und so einer hat Platz in der Herrlichkeit Gottes. So einen verherrlicht Gott. An dem will er uns seine Herrlichkeit zeigen. In Gottes ewigem Leben für uns Menschen ist auch das aufgehoben, sind auch der Tod, die Schuld, das Alleinsein und die Angst mit verherrlicht. Diese Momente meines Lebens haben auch Platz in Gottes Herrlichkeit, in seinem ewigen Leben - nicht nur die Erfolge, der Jubel. So gesehen bin ich doch wieder froh darüber, dass es der Mann am Ölberg ist, an dem Gott uns seine Herrlichkeit zeigt. Ich brauche mich dann nicht selber verherrlichen. Meine Lebenslügen und Ausreden kann ich mir schenken. Ich darf mit allen dunklen Stunden meines Lebens zu den Menschen gehören, die Gott seine Herrlichkeit durch Jesus Christus sehen läßt. Auch was in meinem Leben schief läuft, kann Gott verherrlichen. Wo ich mich so verlassen fühle wie Jesus, will Gott mir auch ewiges Leben geben.

Im Vertrauen darauf gelingt es mir dann manchmal hoffentlich auch wie ein Fels Ruhe auszustrahlen. Es kann mir dann gelingen, wenn ich wie Jesus das ewige Leben Gottes für mich - auf dem Altarbild im Abendmahlskelch dargestellt - fest im Blick habe. Im Blick darauf kann ich dann am Palmsonntag mitjubeln und mich mitfreuen, gerade weil zu dessen Leben, der da erst von den Menschen und dann von Gott verherrlicht wird, auch der Tod, die Angst und das Alleinsein gehören.

Dekan Peter Huschke
Altdorf

Wir beten:
Herr Jesus Christus, du weißt, wie nahe Erfolg und Misserfolg, Zustimmung und Ablehnung bei uns Menschen beieinander liegen. Schenke uns durch deinen Heiligen Geist die Sicherheit, dass wir für Gott wichtig sind, dass Gott uns als seine ihm wichtigen Menschen anerkennt, damit wir mit uns selber ins Reine kommen und für andere wichtig werden. Amen.

Lied 79: Wir danken Dir, Herr Jesu Christ


Foto: Gottesdienstinstitut

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