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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 13)

Dekansamt im Wandel

Bild vom Leiter eines Kirchenbezirkes ändert sich

Thema 13 In Pfarrerskreisen war es lange Zeit ein geflügeltes Wort: "Wenn jemand Dekan werden will, muss er bei offenem Fenster schlafen, damit er den Ruf aus dem Landeskirchenamt nicht überhört." Und manche fügten noch hinzu: "Hat jemand dann das Amt inne, ist er - wegen des offenen Fensters - meist erkältet." Seit einigen Jahren ist das geflügelte Wort nicht mehr zu hören, weil sich das Verfahren geändert hat: Die Leiter der rund 75 Kirchenbezirke in der bayerischen Landeskirche werden nicht mehr berufen, sondern gewählt. Auf freie Stellen, die im Amtsblatt ausgeschrieben sind, können sich Interessenten bewerben. Nach einem genau geregelten Verfahren entscheidet abwechselnd einmal der Landeskirchenrat über die Besetzung, das andere Mal ein Wahlgremium aus Vertretern der Gemeinde und des Dekanatsbezirkes.

Dichtes Vorstellungsgespräch

"Ich habe das Fenster zugelassen, weil ich mich nicht erkälten wollte", meint Johannes Grünwald schmunzelnd. Der 40-Jährige steht seit 1. November letzten Jahres an der Spitze des oberfränkischen Kirchenbezirkes Michelau. An sein Vorstellungsgespräch kann er sich noch gut erinnern: "Ich wurde über Gott und die Welt gefragt." Als nach dem "sehr intensiven Gespräch" die Wahl auf ihn fiel, freute er sich sehr. "Das ist ein angenehmes Gefühl und stellt noch eine andere Basis dar, als berufen zu sein." Grünwald hat eine ganz klare Vorstellung von seiner Rolle als Dekan. "Ich bin der Chef der Pfarrerinnen und Pfarrer und nicht ihr Seelsorger." Beides - Vorgesetzter und Seelsorger zu sein - dürfe nicht miteinander vermischt sein.
Insgesamt plädiert der in einem Pfarrhaus aufgewachsene Theologe für klare Strukturen und Regeln, weil sie die Leitungsfunktion erleichtern. Vorgänge würden so durchsichtiger und Verhältnisse eindeutiger. "Früher war das alles schwammiger", meint der 40-Jährige. Gerade in Konfliktfällen habe sich das negativ bemerkbar gemacht.
Zu den klaren Strukturen gehört für Grünwald auch, dass er sich in erster Linie als Dekan und in zweiter Linie als Gemeindepfarrer versteht. Viele Michelauer würden das auch akzeptieren, dass "das Dekanat den Schwerpunkt meiner Arbeit bildet." "60 zu 40" lautet die Faustregel, die der Personalreferent der baye-rischen Landeskirche, Oberkirchenrat Franz Peschke, ausgibt. 60 Prozent der Arbeitskraft für das Dekanat, 40 Prozent für die Gemeinde. "Die Dekane sollen sich auf ihre Führungsaufgabe im Dekanat konzentrieren und nicht auf ihre gemeindlichen Pflichten", beschreibt der Oberkirchenrat die Linie. Beides auf die Reihe zu bringen, gestalte sich zwar auf dem Land schwieriger als in der Stadt. Doch auch hier brau-che der Leiter eines Kirchenbezirkes "Zuarbeit durch andere Pfarrer". Bei der Überprüfung des Landesstellenplanes solle darauf geachtet werden. Dem Personalchef der Landeskirche zufolge brauchen Dekane nicht alles alleine machen. Sie können auch Aufgaben delegieren.
Deswegen gibt es in rund der Hälfte der evangelischen Kirchenbezirke Bayerns inzwischen einen stellvertretenden Dekan - ein Amt das vor Jahren neu geschaffen wurde. Beispiel Neu-Ulm: In dem flächenmäßig großen Diasporadekanat unterstützt Pfarrerin Angela Smart (Burgau) die Dekanin Gabriele Burmann in ihrer Arbeit. Smart übernimmt zum Beispiel einen Teil der jährlichen Personalgespräche mit Pfarrerinnen und Pfarrer. Wöchentlich treffen sich die Theologin und ein weiterer stellvertretender Dekan zusammen mit der Leiterin des Kirchenbezirkes zum Erfahrungsaustausch und um Absprachen zu treffen. Ziel sei, "Leitung im Team wahrzunehmen." Dadurch werde "das alte Bild eines Dekans aufgebrochen, der einsam seine Entscheidung trifft". Smart empfindet es als "große Stärke", wenn die Verantwortung auf mehreren Schultern ruht. Entscheidungen könnten so kritisch hinterfragt und neue Gesichtspunkte eingebracht werden. Ihre zusätzliche Aufgabe als stellvertretende Dekanin sieht die Burgauer Pfarrerin nicht unkritisch: "Es ist eine merkwürdige Stellung, auf einmal, Kollegin und Vorge-setzte zugleich zu sein. Zwar findet ein Rollenwechsel statt, doch kein Ortswechsel." Besonders verändere sich der Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen. "Sie wundern sich, wenn ich nun ihre Urlaubsanträge unterschreibe."
Anders ist es noch im mittelfränkischen Gunzenhausen. Dort nutzt Dekan Friedrich Wiedemann die Abgabe von Anträgen oder Schreiben meist zu kurzen Gesprächen mit den Pfarrerinnen und Pfarrern. "Ich weiß, wo den Einzelnen der Schuh drückt" erzählt der dienstälteste Dekan in der bayerischen Landeskirche. 1974 übernahm er die Leitung des oberfränkischen Kirchenbezirkes Ludwigsstadt. Vor zehn Jahren wechselte er nach Gunzenhausen. Wiedemann zufolge haben vor allem die Aufgaben im Bereich Management stark zugenommen. "Das macht mir gewaltig zu schaffen", gibt er unumwunden zu. Vor allem die jährlichen Personalgespräche mit den Pfarrerinnen und Pfarrern sieht er kritisch. Er befürchtet, dass das aufgebaute Vertrauen darunter leiden und das Klima im Miteinander sich ändern könnte.

Als Gemeindepfarrer gefragt

Nach den Erfahrungen Wiedemanns lässt sich die Vorgabe, in erster Linie Dekan und an zweiter Stelle Gemeindepfarrer zu sein, in ländlichen Regionen nicht durchhalten. "Ich kann mich nicht auf das Dekansamt zurückziehen", betont der 64-Jährige, der im Herbst in den Ruhestand geht. Er sei auch in der Gemeinde als Seelsorger gefragt: "Die Menschen warten darauf, dass der Sprengelpfarrer kommt." Wiedemann betreut ein Gemeindegebiet mit 1.500 evangelischen Christen und hat zudem als erster Pfarrer die Pfarramtsführung der rund 7000-Seelen-Gemeinde Gunzenhausen.
Diese Doppelbelastung von Pfarramtsführer und Dekan ist nach Ansicht von Pfarrer Armin Felten (Rum-melsberg) einer der Punkte, die beim Dekansamt dringend geklärt werden müssen. Der Leiter der landeskirchlichen Gemeindeakademie hält seit sechs Jahren Kurse für Dekaninnen und Dekane und ihre Stell-vertreter. Seine Erfahrung: "Die Führungskräfte sind besser als ihr Ruf." Was sie manchmal schlecht aussehen lasse, seien ungünstige Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten müssten."

Günter Saalfrank
Foto: güs


Jesu Kreuz - unsere Rettung

Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was tun wir? Dieser Mensch tut viele Zeichen. Lassen wir ihn so, dann werden sie alle an ihn glauben und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute. Einer aber von ihnen, Kaiphas, der in dem Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wisst nichts; ihr bedenkt auch nicht: Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk verderbe. Das sagte er aber nicht von sich aus, sondern weil er in dem Jahr Hoherpriester war, weissagte er. Denn Jesus sollte sterben für das Volk, und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die verstreuten Kinder Gottes zusammenzubringen. Von dem Tage an war es für sie beschlossen, dass sie ihn töteten.
Johannes 11, 47-53

  Andacht 13

Krisensitzung in Jerusalem. Was Rang und Namen hat, trifft sich zum Tribunal. Die Repräsentanten der religiösen und politischen Macht sind versammelt. Es geht um Schadensbegrenzung und Sicherung der eigenen Macht. Recht und Ordnung müssen gewahrt bleiben. Jesus, der Störenfried muss ausgeschaltet werden. Das stand von vorneherein fest: "Von dem Tage an war es für sie beschlossen, dass sie ihn töteten."

Das lebenschaffende Handeln Jesu, die Auferweckung des Lazarus, bringt für die Gegner das Fass zum überlaufen. Die Logik des Unglaubens bringt Jesus ans Kreuz. Der Unglaube verschließt sich der Herrlichkeit Gottes. Menschen lieben die Finsternis mehr als das Licht. Das ist bis heute so. Dieses Verhalten hat seine Wurzeln in der Entfremdung des Menschen von Gott. Jesus, der neues Leben schafft, der aus dem Grab der Sünde und des Todes herausruft, wird zum Schweigen gebracht. Kaiphas, der Hohepriester, hatte die Aufgabe, die Brücke zwischen Gott und Mensch zu schlagen. Am großen Versöhnungstag schlachtete er ein Opferlamm und versprengte das Blut im Allerheiligsten. Das Opfer des einen sollte die Sünde des Volkes tilgen. Eine weitere Aufgabe bestand darin, den Rechtsspruch Gottes zu verkünden.

Indem Kaiphas den Todesbeschluss gegen Jesus herbeiführte, wirkt er unbewusst am Versöhnungswerk Gottes mit. Im Opfer Jesu am Kreuz sind alle Opfer ein für allemal erfüllt. Jesus schlägt die Brücke zwischen Gott und uns. Der Ratschlag des Kaiphas wird zu einem Rechtsspruch Gottes. Der Tod Jesu gehört zu Gottes Heilsplan für seine geliebte Welt. Im Opfer Jesu am Kreuz wird seine Liebe zu uns handgreiflich. Das Kreuz Jesu ist Gottes letzter Rettungsversuch für eine verlorene Welt. Dem Gesetz der Sünde und des Todes wird Genüge getan. Gott selbst nimmt im Opfer seines Sohnes Fluch und Gericht auf sich, damit wir gerettet werden. Sein Tod bedeutet Heil für Juden und Heiden. Deshalb ist das Kreuz für uns Christen Rettungszeichen und Symbol unserer Hoffnung. Es erinnert uns daran: Vor Gott sind wir immer im Minus. Aber Jesus macht daraus ein Plus. Seine Einladung gilt: Wer sein Leben, gerade auch mit seinen dunklen Seiten Jesus anvertraut, hat Anteil am ewigen Leben.

Dekan Michael Wehrwein
Lohr am Main

Wir beten:
Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du für uns gestorben bist und hast uns durch dein teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut und bitten dich, wahr' Mensch und Gott durch dein heilig fünf Wunden rot: erlös uns von dem ewgen Tod und tröst uns in der letzten Not. Amen

Lied 76: O Mensch, bewein dein Sünde groß.


Foto: Archiv

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