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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 11)

Wenn der Pfarrer ins Haus kommt

Seelsorge in einer Stadtgemeinde gestaltet sich anders als auf dem Land

Thema 11 Seelsorger - ist das nicht ein altmodisches, abgekommenes Wort? Wo es laut wird, wird es oft belächelt. Auch in der Amtssprache der Landeskirche kommt es immer seltener vor. Wenn es um die Seele geht, nimmt man heute das griechische Wort Psyche her und schon treten die Psychologen, Psychiater und Psychotherapeuten auf den Plan und tun ihre Arbeit.
"Der Seelsorger aber ist der berufene Diener des Herrn, der den Menschen auf seinem Lebensweg begleiten soll, auf dem Weg, auf dem Gott ihm immer wieder in irgendeiner Weise begegnet." So definiert Prodekan Christian Schmidt, Pfarrer an der Nürnberger St.Lorenz-Kirche den Begriff Seelsorger. "Das ist meine erste, wichtigste Aufgabe als Seelsorger nachzugehen, sie zu suchen, zu besuchen." Der Dekan weiß, dass viele Menschen - auch in der Großstadt - auf den Besuch des Seelsorgers warten. "Gerade in Alten- und Pflegeheimen warten die Menschen darauf, dass endlich einmalBesuch kommt. Viele warten auch in den Häusern unserer Gemeinde, dass sich jemand umschaut. Die Menschen warten nicht auf Serienbriefe und Werbesendungen - davon kann man nicht leben", berichtet der Dekan von seinen Erfahrungen. Oft habe er erlebt, dass Gemeindeglieder auf den Besuch des Pfarrers warten, durch den etwas von der Freundlichkeit Gottes zu ihnen kommt. Oftmals reiche dem Pfarrer die Zeit nicht, um so viele Besuche zu machen, wie eigentlich nötig wären. "Aber wenn ich es dann schaffe, dann bin ich selber ganz glücklich, weil ich oft merke, wie sich die Menschen freuen." Das Besondere für die Leute sei eben, dass da jemand kommt, der ihnen nichts verkaufen will, sondern der sie ernst nimmt, bei ihnen sein will und ein wenig von ihrem Leben teilt. "Darf ich es einmal ganz schlicht sagen: Wenn Gott zu Besuch gekommen ist, muss das dann nicht ein Hauptpunkt unserer Arbeit sein? Und das nicht nur der Pfarrer, sondern für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde.

Seelsorge auf dem Land

Während ein Großstadtpfarrer seine Gemeinde kaum überschaut - Dekan Schmidt: "Von den rund 1.000 Seelen in meinem Sprengel kenne ich gerade einmal die Hälfte." - kennen die Geistlichen auf dem Land ihre Gemeindeglieder in der Regel ganz gut. So auch Pfarrerin Sabine Karl aus Stetten (Dekanat Gunzenhausen). Ihre rund 500 Gemeindemitglieder sind zwar auf vier Ortschaften verstreut, aber sie kennt sie. Sie ist viel unterwegs, "aber die Leute kommen auch zu mir ins Pfarrhaus". Die Gemeinde schätzt ihre offene Pfarrerin.
"Wenn die Pfarrerin durchs Dorf fährt, winkt man ihr zu, wenn gerade etwas ansteht. Sie steigt aus und schon hat man das gewünschte Gespräch. Einfach so, auf der Dorfstraße", berichtet eine Bäuerin. Ihr Mann fügt hinzu "Wenn die Frau Pfarrer etwas braucht oder kurz etwas zu besprechen hat, dann kommt sie halt schnell einmal vorbei und schaut auch schon mal in den Kuhstall."

Gespräche vereinbaren

Doch es gibt auch Themen, die können nicht zwischen Tür und Angel besprochen werden. "Wenn jemand zum Beispiel Probleme in der Ehe hat, dann wird ein Gespräch vereinbart", erzählt die Pfarrerin. "Gerade jetzt, wo bei den Bauern die Existenzsorgen bedrohlich anwachsen, ist die Seelsorgerin gefragt." Dass die, durch die Jahrhunderte gewachsene Dorfstruktur in unseren Tagen auseinanderbröckelt, ist bedrückend. Es kommt durchaus vor, dass einer seinen Nachbarn, der vor einigen Jahren zugezogen ist, nur vom Sehen her kennt. Dagegen kann letztlich auch die Pfarrerin nichts tun. Noch ist der Gottesdienstbesuch auf dem Land im Durchschnitt gut, hier in Stetten auf jeden Fall. Aber es gibt auch hier wie überall Leute, denen die Kirche gleichgültig ist. Und es werden immer mehr. Ihnen müsste man nachgehen, sie besuchen.

Hausbesuche sind wichtig

Seelsorgerlich arbeiten heißt vor allem auch Hausbesuche machen. Die Alten waren gewohnt, dass der Herr Pfarrer "auf'd Eikehr kommt". Diese Besuche sind oft zu einer Hausandacht gediehen. Seelsorge tut Not. Sie erlebt wie heute fast alles in unserer Kirche einen Strukturwandel. Seelsorge gehört zu den ureigensten Aufgaben der Pfarrer und Pfarrerinnen.

Werner Spoerl

Foto: wsp


Schutz und Schirm in allem Argen

Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen. Aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. Denn sooft ich rede, muss ich schreien; "Frevel und Gewalt!" muss ich rufen. Denn des Herrn Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, dass ich's nicht ertragen konnte; ich wäre schier vergangen. Denn ich höre, wie viele heimlich reden: "Schrecken ist um und um!" "Verklagt ihn!" " Wir wollen ihn verklagen!"Alle meine Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle. Aber der Herr ist bei mir wie ein mächtiger Beschützer.
Jeremia 20,7-11a in Auszügen

  Andacht 11

Sie hatte sich überreden lassen - damals, als der Pfarrer Kandidatinnen für den Kirchenvorstand gesucht hatte. Die jüngeren Mütter sollten auch vertreten sein, hatte der Pfarrer gesagt. Und so hatte sie kandidiert. Seit der Taufe ihrer Tochter vor acht Jahren befasste sie sich immer wieder mit Fragen des Glaubens. Aber nun hatte sie es sich mit allen verdorben. Im Kirchenvorstand sollte die Errichtung einer Mobilfunkantenne auf dem Kirchturm genehmigt werden. Einige tausend Mark würde das im Gemeindehaushalt bringen. Da hatte sie widersprochen - erst zögerlich, doch dann immer klarer. Können wir das genehmigen, wo die Auswirkungen von Elektrosmog noch völlig unklar sind? Wir haben doch eine von Gott gegebene Verantwortung für das Wohl der Menschen.

Aber von allen Seiten war sie nur belächelt, manchmal sogar angegriffen worden. Im Kirchenvorstand wurde sie zurechtgewiesen: "Wissen Sie denn nicht, wie knapp unsere Kirchenkasse ist?!" In der Nachbarschaft, sogar in ihrer Gruppe wurde sie schräg angesehen. "Ist denn Glaube immer noch so technik-feindlich?!" Immer wieder fragte sie sich: Was hat mir mein Glaube da bloß eingebrockt? Wo hat mich Gott da bloß hineinlaufen lassen? Hätte ich es nicht einfacher gehabt, wenn ich mich damals nicht hätte überreden lassen?

Es fällt nicht leicht, sich aus einer Glaubensüberzeugung heraus gegen den Strom der Zeit zu stellen, Position zu beziehen - auch mit dem Risiko, dafür belächelt oder angegriffen zu werden. Es kommt nicht mehr so häufig vor. Ob wir es vielleicht nicht mehr gewohnt sind, nicht mehr gelernt haben, uns eine begründete Meinung zu bilden und sie dann ins Gespräch zu bringen. Es ist viel leichter, sich anzupassen. Und wenn das nicht geht, behalten wir unserer Meinung für uns, aber diskutieren nicht mehr darüber.

Jeremia hat beides nicht getan. Er hat sich nicht angepasst, sondern gesagt, was er für notwendig hielt. Er hat auch nicht das Gespräch einfach abgebrochen. Im Gegenteil, er hat gerungen mit den Menschen, immer wieder diskutiert, immer wieder die Leute angesprochen. Er hat ihnen keine Ruhe gelassen. Aber selber ist er dadurch auch nicht zur Ruhe gekommen. Alle Versuche, Gott endlich loszuwerden, haben nichts gefruchtet. Nicht mehr an Gott denken, nicht mehr von ihm reden, alles hat Jeremia probiert. Aber immer wieder trieb es ihn, weiterzumachen. Und am Schluss steht die Erkenntnis, dass all das nicht böser Wille oder Häme Gottes ist. Am Schluss steht das Bekenntnis: "Du, Gott, stehst mir bei, du bist mein mächtiger Beschützer!"

Leichter ist es dadurch nicht geworden. Jeremia hat noch oft mit Gott gehadert, gerätselt über seine Absichten. Aber losgekommen ist er nicht von ihm, und so hat er auch sei-nen Schutz immer wieder erfahren. Vielleicht braucht Gott solche Menschen, die felsenfest davon überzeugt sind, dass Gott uns beschützt, auch wenn es schwer wird. Menschen, die aus diesem Vertrauen heraus bereit sind, sich auch mal den Mund zu verbrennen. Ob das wohl auch die junge Kirchenvorsteherin spüren wird - "du Gott, stehst mir bei, du bist mein mächtiger Beschützer"? Dann lässt es sich auch in schwerer Zeit sagen: "In meine Hände befehle ich meinen Geist." Wer das Kreuz im Rücken hat, lebt zwar nicht leichter. Aber er kann darauf vertrauen, dass er Gott nicht verliert.

Pfarrer Martin Schulte, Regensburg

Wir beten:
Gott, ich möchte auf Dich vertrauen, auch wenn es schwer wird. Gib mir die Kraft, am Glauben festzuhalten, wenn ich Widerspruch ernte. Gib mir Weisheit, mir im Wirrwarr der Informationen eine eigene Meinung zu bilden. Gib mir Geduld, wenn ich nicht gehört werde. Gib mir Ausdauer, am Gespräch festzuhalten, wenn ich lieber aufgeben möchte. Dein Schutz und Schirm mögen mich geleiten, damit ich dich nicht verliere. Amen

Lied 637: Von guten Mächten wunderbar geborgen.


Foto: Schulte

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