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Seelsorge auf dem Land
Während ein Großstadtpfarrer seine Gemeinde kaum überschaut - Dekan Schmidt: "Von den rund 1.000 Seelen in meinem Sprengel kenne ich gerade einmal die Hälfte." - kennen die Geistlichen auf dem Land ihre Gemeindeglieder in der Regel ganz gut. So auch Pfarrerin Sabine Karl aus Stetten (Dekanat Gunzenhausen). Ihre rund 500 Gemeindemitglieder sind zwar auf vier Ortschaften verstreut, aber sie kennt sie. Sie ist viel unterwegs, "aber die Leute kommen auch zu mir ins Pfarrhaus". Die Gemeinde schätzt ihre offene Pfarrerin.
Gespräche vereinbaren
Doch es gibt auch Themen, die können nicht zwischen Tür und Angel besprochen werden. "Wenn jemand zum Beispiel Probleme in der Ehe hat, dann wird ein Gespräch vereinbart", erzählt die Pfarrerin. "Gerade jetzt, wo bei den Bauern die Existenzsorgen bedrohlich anwachsen, ist die Seelsorgerin gefragt."
Dass die, durch die Jahrhunderte gewachsene Dorfstruktur in unseren Tagen auseinanderbröckelt, ist bedrückend. Es kommt durchaus vor, dass einer seinen Nachbarn, der vor einigen Jahren zugezogen ist, nur vom Sehen her kennt. Dagegen kann letztlich auch die Pfarrerin nichts tun.
Noch ist der Gottesdienstbesuch auf dem Land im Durchschnitt gut, hier in Stetten auf jeden Fall. Aber es gibt auch hier wie überall Leute, denen die Kirche gleichgültig ist. Und es werden immer mehr. Ihnen müsste man nachgehen, sie besuchen.
Hausbesuche sind wichtig
Seelsorgerlich arbeiten heißt vor allem auch Hausbesuche machen. Die Alten waren gewohnt, dass der Herr Pfarrer "auf'd Eikehr kommt". Diese Besuche sind oft zu einer Hausandacht gediehen.
Seelsorge tut Not. Sie erlebt wie heute fast alles in unserer Kirche
einen Strukturwandel. Seelsorge gehört zu den ureigensten Aufgaben der Pfarrer und Pfarrerinnen.
Werner Spoerl
Foto: wsp
Sie hatte sich überreden lassen - damals, als der Pfarrer Kandidatinnen für den Kirchenvorstand gesucht hatte. Die jüngeren Mütter sollten auch vertreten sein, hatte der Pfarrer gesagt. Und so hatte sie kandidiert. Seit der Taufe ihrer Tochter vor acht Jahren befasste sie sich immer wieder mit Fragen des Glaubens.
Aber nun hatte sie es sich mit allen verdorben. Im Kirchenvorstand sollte die Errichtung einer Mobilfunkantenne auf dem Kirchturm genehmigt werden. Einige tausend Mark würde das im Gemeindehaushalt bringen. Da hatte sie widersprochen - erst zögerlich, doch dann immer klarer. Können wir das genehmigen, wo die Auswirkungen von Elektrosmog noch völlig unklar sind? Wir haben doch eine von Gott gegebene Verantwortung für das Wohl der Menschen.
Aber von allen Seiten war sie nur belächelt, manchmal sogar angegriffen worden. Im Kirchenvorstand wurde sie zurechtgewiesen: "Wissen Sie denn nicht, wie knapp unsere Kirchenkasse ist?!" In der Nachbarschaft, sogar in ihrer Gruppe wurde sie schräg angesehen. "Ist denn Glaube immer noch so technik-feindlich?!"
Immer wieder fragte sie sich: Was hat mir mein Glaube da bloß eingebrockt? Wo hat mich Gott da bloß hineinlaufen lassen? Hätte ich es nicht einfacher gehabt, wenn ich mich damals nicht hätte überreden lassen?
Es fällt nicht leicht, sich aus einer Glaubensüberzeugung heraus gegen den Strom der Zeit zu stellen, Position zu beziehen - auch mit dem Risiko, dafür belächelt oder angegriffen zu werden. Es kommt nicht mehr so häufig vor. Ob wir es vielleicht nicht mehr gewohnt sind, nicht mehr gelernt haben, uns eine begründete Meinung zu bilden und sie dann ins Gespräch zu bringen. Es ist viel leichter, sich anzupassen. Und wenn das nicht geht, behalten wir unserer Meinung für uns, aber diskutieren nicht mehr darüber.
Jeremia hat beides nicht getan. Er hat sich nicht angepasst, sondern gesagt, was er für notwendig hielt. Er hat auch nicht das Gespräch einfach abgebrochen. Im Gegenteil, er hat gerungen mit den Menschen, immer wieder diskutiert, immer wieder die Leute angesprochen. Er hat ihnen keine Ruhe gelassen.
Aber selber ist er dadurch auch nicht zur Ruhe gekommen. Alle Versuche, Gott endlich loszuwerden, haben nichts gefruchtet. Nicht mehr an Gott denken, nicht mehr von ihm reden, alles hat Jeremia probiert. Aber immer wieder trieb es ihn,
weiterzumachen. Und am Schluss steht die Erkenntnis, dass all das nicht böser Wille oder Häme Gottes ist. Am Schluss steht das Bekenntnis: "Du, Gott, stehst mir bei, du bist mein mächtiger Beschützer!"
Leichter ist es dadurch nicht geworden. Jeremia hat noch oft mit Gott gehadert, gerätselt über seine Absichten. Aber losgekommen ist er nicht von ihm, und so hat er auch sei-nen Schutz immer wieder erfahren.
Vielleicht braucht Gott solche Menschen, die felsenfest davon überzeugt sind, dass Gott uns beschützt, auch wenn es schwer wird. Menschen, die aus diesem Vertrauen heraus bereit sind, sich auch mal den Mund zu verbrennen.
Ob das wohl auch die junge Kirchenvorsteherin spüren wird - "du Gott, stehst mir bei, du bist mein mächtiger Beschützer"? Dann lässt es sich auch in schwerer Zeit sagen: "In meine Hände befehle ich meinen Geist." Wer das Kreuz im Rücken hat, lebt zwar nicht leichter. Aber er kann darauf vertrauen, dass er Gott nicht verliert.
Pfarrer Martin Schulte, Regensburg
Wir beten: Lied 637:
Von guten Mächten wunderbar geborgen.
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