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"Debatte ohne Scheuklappe"
Nachdem sogar Bundeskanzler Gerhard Schröder zu einer "Debatte ohne ideologische Scheuklappen" aufgerufen hatte, wird in Deutschland heftig debattiert. Die Gegner des "therapeutischen Klonens" sprechen von Grenzüberschreitung. Mit der Befruchtung der Eizelle sei ein genetisch vollständig angelegter Mensch entstanden, der "Gottes Ebenbild" entspreche und damit unter den Schutz des Grundgesetzes falle. Befürworter der Gentechnik verweisen auf das lebensrettende Material, das durch "therapeutisches Klonen" zur Verfügung stünde. Sie erinnern daran, dass immer wieder über den Mangel an Spenderorganen geklagt wird und an die medizinische Hilfe, die man Schwerkranken doch nicht verweigern dürfe.
Ist Klonen Sünde?
Die "Woche", eine große deutsche Wochenzeitung, titelte vor kurzem provokativ: "Ist Klonen Sünde?" Doch so weit würde Dr. Helmut Ruhwandl, Beauftragter für Sozialethik an der Augustana-Hochschule, nicht gehen. "Seit wann ist Forschen Sünde", fragt er zurück. Mit diesem theologisch sehr gewichtigen Begriff werde ein Verhalten des Menschen beschrieben, das gegen den Willen Gottes gerichtet ist. Klonen wiederum sei ein "Vorgang in der Schöpfung, der beispielsweise bei den Pflanzen als Ableger oder beim Menschen als eineiiger Zwilling ganz natürlich ist." Problematisch werde das Klonen erst, wenn in einer Glasschale von embryonalen Lebewesen sozusagen künstlich ein Ableger oder eben ein Zwilling mit identischen Erbanlagen hergestellt werde. Für diesen Bereich, dem Klonen von menschlichen Embryonen, findet Helmut Ruhwandl deutliche Worte: "Das ist gegen die Schöpfung, also Sünde!"
Forschung ethisch geboten
Allerdings lehnt der Sozialethiker Forschungen auf dem Gebiet der Genetik nicht völlig ab. Sie seien sogar ethisch geboten und durch das Evangelium angeregt (Matthäus 4, Vers 23): "Jesus heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen im
Volk." Die neuen Möglichkeiten in der Genforschung seien aber nicht nur Verheißung, sondern auch Verhängnis, weil sie im Bereich von Missbrauch und damit der Sünde
liegen. Neben solch grundsätzlichen Erwägungen müssten zudem die Mechanismen der
liberalen Marktwirtschaft in ein sozialethisches Urteil einbezogen werden. Das Motto "Gemacht wird, was bezahlt wird. Erforscht wird, wofür es Geld gibt" dürfe nicht zum Leitgedanken der neuen Gesellschaft werden, so Ruhwandl. Höchstes Ziel müssten die "Ehrfurcht vor dem Leben" (Albert Schweitzer) und die "Würde des Menschen" bleiben. Im Blick auf das "therapeutische Klonen" heißt das: Verträgliche Zellen für die Therapie sind auf anderen Wegen zu suchen. Günter Kusch
"Hallo, ich brauche deinen Rat." Ich rufe einen Freund an. "Sag mir, worum geht es denn?" entgegnet er, und ich bin froh, dass er sich Zeit nimmt. Ich kann mein Problem schildern. Er hat mir schon oft zugehört, mit seinem Rat oder nur durchs Zuhören geholfen. Auf ihn kann ich mich verlassen.
Solche Beispiele tun gut. Denn wir kennen nur zu viele andere Fälle, in denen wir enttäuscht wurden. Nicht eingehaltene Zusagen und vergebliches Warten zeugen davon, dass wir uns nicht immer auf andere verlassen können.
Manches Mal zählen wir selber zum Kreis derer, auf die andere sich nicht verlassen können. Wir merken vielleicht gar nicht, wie sehr ein anderer auf uns baut, auf ein Zeichen oder eine Tat von uns wartet, und wie sehr er enttäuscht oder gar verletzt sein kann. Ganz anders ist Gott, bezeugt der Evangelist Johannes. Gott ist wahrhaftig. Und das verstehe ich so: Er steht zu dem, was er sagt. Ich kann mich auf
ihn verlassen. Er ist wie ein guter Freund oder eine gute Freundin für mich. Natürlich ist das ein Zeugnis des Glaubens.
Für mich ist Gottes Gnade und Treue jeden Morgen neu. Ich freue mich am neuen Licht jedes Tages und sehe Gottes Schöpferkraft dahinter.
Ich verlasse mich darauf, dass
in Jesus Christus Gottes Liebe und Zuwendung zu mir und der ganzen Welt sichtbar wird.
In Jesus sehe ich, wie sehr sich Gott um mich und seine Geschöpfe abmüht und mit welchem Engagement er um unser Vertrauen wirbt. Er leidet mit ihnen und für sie. Er setzt sich ganz für uns ein.
Ein wichtiger Gedanke der Passionszeit ist für mich, dass wir uns auf Gottes Nähe in Schmerz und Leid, Schuld und Versagen verlassen können. Er ist da. Jesus am Kreuz hat offene Arme für uns.
Wenn wir aber so dran sind, dass wir uns von Menschen und von Gott verlassen fühlen? Wenn wir mitten drin sind im Leiden?
Dann laden uns die biblischen Worte ein, doch auf Gottes Nähe
zu vertrauen, zu bitten, zu flehen, ja zu klagen - wie man das auch gegenüber einem Menschen tun kann, auf den man ganz vertrauen kann - und sich dann doch verlassen fühlt.
Das Wort Jesu spornt mich schließlich an: Mit seiner Hilfe möchte ich verlässlich und so wahrhaftig sein.
Pfarrer Karl-Heinz Fuchs, Wir beten: Lied 366:
Wenn wir in höchsten Nöten sein.
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