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Im christlichen Glauben werden, so Behringer, Leid, Not
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Schwierige Gratwanderung
Den Umgang mit den Schattenseiten des Lebens stellt für den Theologen, der sich als Buchautor über die Heilkraft des Kirchenjahres einen Namen gemacht hat, "eine schwie-rige Gradwanderung zwischen Leidensscheu und Leidensverherrlichung" dar. Auf der einen Seite seien für die persönliche Reifung schwere, schmerzhafte Erfahrungen wichtig, um von Menschen und von Gott hindurch begleitet zu werden. Es gehe darum, "den Schmerz bewusst zu fühlen, zu erleiden, auszudrücken und zu überstehen".
Auf der anderen Seite darf dem Psychologen zufolge Leiden nicht zum Selbstzweck werden - so als sei es immer und grundsätzlich etwas Positives: "Wenn sich Menschen davon zu sehr beeinflussen lassen, nehmen sie manches hin, was vielleicht verändert werden kann."
Jesus als Vorbild
Noch in anderer Hinsicht kann Jesus nach den Worten des Psychologen ein Vorbild sein: Jesus sprach offen über den Schmerz und die Angst - was Männern oft schwer falle. Er bat auch Jünger um Beistand und Hilfe, bekam sie aber nicht. Er klagte anderen und Gott gegenüber die Not, herzhaft und intensiv. Er schrie sein Elend Gott ins Angesicht, ohne Rücksicht. Behringer sieht darin eine zweifache Medizin. Zum einen eine "Medizin für fromme Leute, die sonst in Gefahr sind, zu schnell alles als von Gott verordnet anzusehen". Und zum anderen eine Medizin für die Seele: "Klagen sind nicht nur erlaubt, sondern auch notwendig zur Leidensbewältigung."
Eine Trostbotschaft
Der Theologe warnt allerdings davor, Worte wie "Jesus musste viel schlimmer leiden als ..." gegenüber Menschen zu gebrauchen, die schwer zu tragen haben. Dies könne schnell zynisch oder als billiger Trost verstanden werden. Vielmehr komme es darauf an, Leidenden wirklich beizustehen und ihnen menschliche Nähe spüren zu lassen. Von der Passionszeit gehe eine Botschaft aus, die nicht vertrösten, sondern weiterhelfen möchte. Behringer bringt sie so auf den Punkt: "Die Leidensgeschichte Jesu ist wie eine heilsame Fläche, auf der Menschen ihren eigenen Weg sehen und dadurch Trost gewinnen können." Günter Saalfrank
Foto: güs
Die Kirchendecke in der romanischen Kirche St. Martin in Zillis/ Graubünden stellt auf 98 Bildtafeln das Leben Jesu dar. Die Mitte der Bilder zeigt die dritte Versuchung Jesu. Vielleicht wollte der Maler um 1130 auf die entscheidende Siegesnachricht hinweisen: "Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre"?
Jesu Taufe hat ihm bestätigt: "Ich bin ein Geschenk des Vaters an die Menschen. Ich soll ihnen vermitteln, wer und wie der Vater ist. Darum habe ich eingewilligt, mit ihnen das Leben zu teilen." Dieser Auftrag muss sich bewähren.
Der Geist führt ihn in die Wüste. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit. Vierzig Tage und Nächte fastet Jesus. Er geht mit seinem Fasten
bis an die Grenze des menschlich
Aushaltbaren. Da tritt der Teufel zu
ihm. Die Möglichkeit des Scheiterns Jesu könnten seine Sendung gefährden. Für die Menschen ist wichtig, wie Jesus sich in dieser Herausforderung verhält. Schauen wir also genau hin, wie Jesus mit den Anfragen und Angeboten umgeht.
Ich entdecke zum ersten: Er bleibt in der Abhängigkeit zum Vater. Sich Steine in Brot zu wandeln, wäre Selbsthilfe. Jesus hält seinen Mangel zu Gott hin offen. - Wie gehen wir da mit unserem erkannten Mangel um? Sind wir Selbstversorger und stillen ihn mit Ersatzbefriedigungen? Oder halten wir es
aus, ganz auf Gott angewiesen zu
sein?
Zum zweiten erkenne ich, wie Jesus sich zur Ohnmacht bekennt. Er lässt sich zu keinem Schauwunder reizen. Der Raum seiner Bergung ist für ihn im Tempel, nicht zwischen Tempelzinne und Erde. Schon als Zwölfjähriger bekennt er: "Ich bin im Tempel zu Hause!" - Wissen wir auch so gewiss, wo unser Raum tiefer Bergung ist?
Die dritte Situation: In einem Augenblick sieht Jesus alle Reiche der Welt vor sich. Eben jene Szene, die der Maler in Zillis in den Mittelpunkt gerückt hat. Der Versucher weist auf die "Herrlichkeiten der Welt": Reichtum, Sinnesfreuden und Macht.
Doch alles ist hervorgegangen aus dem schaffenden Wort Gottes. Was Eigentum seines Vaters ist, muss sich Jesus nicht aus fremden Händen erbetteln. In einer hoheitsvollen und entschiedenen Geste sagt Jesus zum Versucher: "Weg mit dir! Deine Gedanken sind nicht die meines Vaters." Eine eindeutige Absage. Jesus reißt nicht die Macht an sich. - Wie gehen wir mit unseren Gaben um? Bringen wir sie in Beziehung mit Gott? Loslassen kann ich, wenn mir Gott allein genug ist. In der Anbetung des dreieinigen Gottes bekenne ich, wem meine ungeteilte Aufmerksamkeit gehört.
Noch ist unser geistliches Leben gefährdet.Darum brauchen wir "Wüstenzeit", wie sie sich in der Passionszeit anbietet. Wie wollen wir sie gestalten? Der Sieger Jesus Christus bleibt uns nahe, stärkt uns und richtet uns immer wieder aus auf Gott, der allein genügt.
Schwester Isolde Rügemer, Wir beten: Lied 697: Meine Hoffnung und meine Freude
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