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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 7)

Gastfreundschaft als Markenzeichen

In den Christlichen Gästehäusern Hohe Rhön steht der Mensch im Mittelpunkt

Thema 7 "Das ist der Gastfreundschaft tiefster Sinn, dass einer dem anderen Rast gebe auf dem Weg nach dem ewigen Zuhause." - Dieser Spruch Romano Guardinis fällt dem Besucher ins Auge, wenn er in den Empfangsbereich der Christlichen Gästehäuser Hohe Rhön kommt. Wer dann ein paar Sätze mit Fritz Schroth, dem Leiter der Gästehäuser spricht, merkt schnell, dass Gastfreundschaft hier eine wichtige Rolle spielt.

Christen sind gefordert

Das Thema ist Schroth eine Herzensangelenheit, er hat sich intensiv damit beschäftigt. "Gastfreundschaft fängt beim Gastgeber selbst an", sagt der 59-Jährige. "Wer sich selbst nicht mag, tut sich mit der Gastfreundschaft schwer." Selbstannahme bezeichnet er als eine wichtige Voraussetzung, um anderen freundlich entgegen zu kommen. "Offenheit gehört auch dazu, nicht in eigenen Vorstellungen verhaftet bleiben."
Gerade weil es in der heutigen Gesellschaft schwer geworden sei, gute Beziehungen aufzubauen, "sind wir Christen gefordert, einen Fremden zum Freund zu machen". Schroth spricht gerne von einer Theologie der Gastfreundschaft. In der Bibel gebe es zahlreiche Beispiele für diese Tugend. "Zum Beispiel Abraham. Von ihm sagen Rabbiner, dass sein Zelt in jede Himmelsrichtung einen Eingang hatte, damit kein Fremder auf eine verschlossene Seite stoßen konnte."
Im Neuen Testament führte Jesus die besten Gespräche am Tisch. Als er Gast bei Zachäus war, heißt es, dem Hause sei Heil widerfahren. Auf der Gastfreundschaft scheint eine Verheißung zu liegen. Doch habe die Gastfreundschaft von Herzen zu kommen. "Man muss die Menschen mögen, sonst ist Gastfreundschaft unmöglich", meint der Familienvater, der vor über 30 Jahren die Gästehäuser aufgebaut hat. Und noch einen wichtigen Tipp hat er: "Wer nie selbst Gast war, kann auch kein guter Gastgeber sein." Denn ein Gast liefere sich gewissermaßen dem Gastgeber aus - "und das Gefühl muss man kennen".

Diese gastfreundliche Theologie hat bei Fritz Schroth und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch praktische Auswirkungen. "Das beginnt schon im Team", beschreibt er. Fünf Grundsätze bestimmen in seiner Einrichtung das alltägliche miteinander. "Zum Beispiel ist jede Arbeit gleich viel wert - wir sind alle vor Gott gleichgestellt." Außerdem soll nicht negativ hinter dem Rücken eines anderen schlecht über ihn geredet werden, sondern "streiten kann sehr reinigend sein, also streiten wir und versöhnen uns wieder. Wir wollen aus der Vergebung leben." Und nicht zuletzt möchte er, dass jeder sich selbst nicht zu ernst nimmt und auch mal über sich selbst lachen kann.

Diese positive Atmosphäre wird sich dann auch auf die Gäste auswirken, davon ist Schroth überzeugt. Wichtig sind für ihn vor allem äußere Gestaltung und "dass die Gäste nicht sämtliche Regeln oder gar eine strikte Hausordnung befolgen müssen". Deswegen gibt es in der Gästehäusern Hohe Rhön gar keine Hausordnung. "Mit einer Hausordnung hält man sich die Gäste vom Leib und gerade das wollen wir nicht. Wir wollen eine Beziehung zu ihnen." Außerdem gebe es in fast keinem Hotel eine Hausordnung für die Gäste. "Warum also in einem christlichen Gästehaus? Gerade da muss man den Leuten doch erst recht Vertrauen entgegen bringen." Deswegen gibt es bei Schroth, der auch Mitglied in der Landessynode ist, zum Beispiel keine Getränkeautomaten, sondern die Kühlschränke mit alkoholfreien Getränken, Wein und Bier sind für jedermann zugänglich. Auch verschlossene Türen wird man nicht finden. "Die Gäste sollen Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen und nicht behandelt werden wie schwierige Jugendliche."

Mensch im Mittelpunkt

Dass für Schroth der Mensch und nicht irgendwelche wirtschaftlichen Interessen im Mittelpunkt stehen, zeigen auch die Veranstaltungen in den Gästehäusern. Vor kurzem fand eine "Ausschlafwoche" statt, bei der die Gäste auf Wunsch das Frühstück ans Bett bekamen. Sie konnten schlafen, wann sie wollten und hatten keine Verpflichtungen. Angebote wie Sauna oder Massagen konnte jeder nach Belieben wahrnehmen. "Man kommt so richtig zur Ruhe", sagte Thomas Milbrandt aus Würzburg, der mit seiner Frau die Ausschlaftage besuchte. "In dieser guten Atmosphäre kann man die Seele baumeln lassen", meinte der 34-Jährige und fügte hinzu: "Wir waren bestimmt nicht das letzte Mal hier."
Karin Ilgenfritz

Foto: kil


Suchen im Gefundenwerden

"Suchet den Herrn, weil er zu finden ist; rufet ihn an, weil er nahe ist."
Jesaja 55, 6

  Andacht 07

Versteckspiele sind beliebt. Schon ganz kleine Kinder genießen es, sich in einem Raum hinter einem Vorhang zu verstecken und nach ihren Eltern zu rufen, um sich finden zu lassen. Das traditionelle "Topfschlagen" gehört in die Reihe der Spiele, die auf keinem Kindergeburtstag fehlen dürfen. Und selbst bei Jugendlichen und Erwachsenen erfreuen sich Spiele großer Beliebtheit, bei denen man sich gegenseitig sucht. Da sitzen drei Kandidatinnen in einem Fernsehstudio hinter einer weißen Schiebewand. Ein Mann versucht mit drei gezielten Fragen unter den Frauen, die sich hinter dieser Abtrennung verbergen, sein Herzblatt zu finden. All diesen Versteckspielen ist gemeinsam, dass das, was zu finden ist, greifbar nahe ist.

"Suchet den Herrn, weil er zu finden ist; rufet ihn an, weil er nahe ist". Wer sich auf den Weg begibt, um Gott zu finden, der wird sich nicht vergeblich auf die Suche machen, denn Gott ist uns Menschen greifbar nahe. Für dieses Versteckspiel legt Gott selbst die Regeln fest, damit wir ihn suchen können. Seit Anbeginn der Schöpfung will er den Menschen ganz nahe sein in seinem Wort und in seinen Taten.

Vor Christi Geburt war es nur wenig auserwählten Menschen möglich, sich Gott zu nähern und ihn zu erkennen in einer Wolke, in einem brennenden Dornbusch oder in seinen Geboten. Doch dann schiebt er selbst die Wand zur Seite, die uns von ihm trennt. Er will sich von allen Menschen finden lassen, die sich auf die Suche nach ihm begeben. Und da geschieht das, was jedes Jahr Millionen von Menschen am Heiligen Abend in die Kirche zieht, um das fassen zu können, was nach menschlicher Vorstellungskraft unfassbar erscheint: Gott wird Mensch. Ihr Herzblatt - ja das Herzblatt der ganzen Christenheit - liegt da es als ein kleines, hilfloses Kind in der Krippe. Menschen machen sich auf den Weg und sie finden, was sie suchen - anders vielleicht als sie es sich in ihren Gedanken ausmalen, doch genau so wie es ihnen Gott zusagt. "Denn meine Gedanken sind nicht euere Gedanken und euere Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als euere Wege und meine Gedanken als euere Gedanken" (Jesaja 55,8-9).

Ganz anders geht das Leben Jesu weiter - anders als wir Menschen uns das in unseren kühnsten Gedanken ausmalen. So nahe wie uns Gott als ein Kind in der Krippe kommt, so nahe kommt er uns als ein Mensch an einem Kreuz hängend. Er gibt sich hin - und zeigt uns seine große Liebe: Im Wasser der Taufe, im Brot und im Wein beim Abendmahl und in seinem Wort. Und dort sollen wir ihn immer wieder neu finden.

Gott lässt uns Menschen nicht im Dunkeln tappen, er lässt uns nicht irgendwo nach ihm suchen, sondern er legt uns eine Fährte, wo wir ihn finden können. Wer dieser Spur in seinem Leben folgt, der muss auf seinem Lebensweg einen Spurwechsel in Kauf nehmen, um das zu finden, wonach er sucht. Vielleicht kommt er bei diesem Unternehmen sogar bei einem anderen Ziel an, als bei dem, das er anfangs ansteuerte. Zwischen Gottes Gedanken, Plänen und Wegen und unseren Ideen, Vorhaben und Zielvorstellungen besteht im wahrsten Sinne des Wortes eben ein "himmelweiter" Unterschied. Denn Gott weiß, was für uns gut ist und er geht mit uns den Weg, der in Christus schon Wirklichkeit ist. Deshalb: "Suchet den Herrn, weil er zu finden ist!"

Pfarrerin Steffi Beck-Seiferlein,
Bechhofen

Wir beten:
Barmherziger Gott, unser ganzes Leben sind wir auf der Suche nach dem Ziel unseres Lebens. Wir bitten dich, lass und den Weg finden und führe uns zu dir in dein ewiges Reich. Amen.

Lied 642: Wir strecken uns nach dir

Foto: Wodicka

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