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An Pranger gestellt
Noch etwas anderes belastet den Familienvater. Es ist das Gefühl, an den Pranger gestellt zu werden. "Wir Landwirte werden - extrem gesagt - als Verbrecher angesehen." Seine Frau sei schon schief angeschaut worden, "nur weil wir zuhause Rinder im Stall haben".
Die gegenwärtige Absatzkrise bei Rindern verursacht einen beträchtlichen finanziellen Schaden in der Landwirtschaft. Ein mittlerer Betrieb hat nach Schätzungen von Landjugendpfarrer Günther Werner (Pappenheim) mit Einbußen von 40.000 bis 60.000 Mark zu rechnen. Werner spricht deshalb von "alarmierenden Zahlen".
Die Kirche muss sich - so Werner - einsetzen für den Erhalt der Landwirtschaft. Denn Bauern erfüllten nicht nur eine wirtschaftliche Aufgabe, sondern sie kümmerten sich auch um die Landschaftspflege. "Viele Landwirte haben das Bewusstsein, im Einklang mit der Natur und in der Verantwortung für nachwachsende Generationen zu leben", betont der Landjugendpfarrer. Er rät den Pfarrerinnen und Pfarrern auf dem Land, nun verstärkt Landwirte zu besuchen und für sie Gesprächspartner zu sein: "Die Bauern brauchen jemand, der ihnen zuhört, um ihre Hilflosigkeit mitzutragen."
Ein Zeichen dafür hat Landesbischof Johannes Friedrich vor kurzem bei einem Besuch in Rothenburg ob der Tauber gesetzt. Nach einer Dekanatssynode fragte er spontan anwesende Landwirte, ob sie noch Zeit für ein Gespräch mit ihm hätten. Er wolle sich aus erster Hand über das Problem BSE informieren. So erzählten Bauern, wo ihnen der Schuh drückt. "Wir fühlen uns an den Pranger gestellt und können eigentlich nichts dafür", meinte einer. Ein anderer plädierte dafür, so schnell wie möglich die Forschung über die Rinderseuche voranzutreiben. Eine Landwirtin beklagte, dass die Namen der von BSE betroffenen Höfe gleich bekannt würden, die der beanstandeten Futtermittelhersteller aber nicht.
Über eine Stunde hörte der Bischof den Landwirten aufmerksam zu. Er versprach, in Gesprächen mit politisch Verantwortlichen auch das "Problem Futtermittelhersteller" anzusprechen. Außerdem wandte er sich "gegen Panikmache in Sachen BSE". Es müsse überlegt werden, wie die Diskussion hierüber normalisiert werden könnte. Friedrich konnte den anwesenden Bauern nicht konkret helfen. Das hatten sie wohl auch nicht erwartet. Für sie war entscheidend, dass sich der Bischof spätabends noch ausgiebig Zeit für sie nahm. "Der hört uns zu und nimmt sich unserer Probleme an", meinte ein Landwirt anschließend. Und er fügte hinzu: "Das tut gut."
Krise als Chance
So belastend die durch die Rinderseuche ausgelöste Krise in der Landwirtschaft ist, so stellt sie nach den Worten kirchlicher Fachleute auch eine Chance dar: Sie hilft, Schwachstellen (wie in der Futtermittelherstellung) zu erkennen und zu beseitigen. Deshalb steht eines jetzt schon fest. Es gibt zukünftig - auch für den Verbraucher - eine höhere Sicherheit als in der Vergangenheit. Günter Saalfrank
Seit Religionen bestehen, gibt es ein Bemühen darum, Menschen zum Glauben zu bringen. Damals wie heute scheint dies ein schwieriges Unterfangen: "Trotz aller Wunder, die er getan hatte, glaubten die Menschen nicht an ihn" (Vers 37). Warum aber fällt es den Menschen, damals wie heute, so schwer, an Gott zu glauben? Es liegt zum Beispiel daran, dass der Mensch frei sein möchte. Er will sein Leben selbst bestimmen und sich nicht von Gott und seinen Geboten vorschreiben lassen, wie er zu leben hat. Der Mensch verbindet mit Glaube oft etwas Unangenehmes, Unbequemes. Wir reden uns ein, dass uns der Weg mit Gott in eine Enge führt und wir dabei unfrei sind und Gott dienen müssten.
Aber wer will schon gerne anderen dienen? Lieber wollen wir bedient werden.
Warum also sollte ich mich von einem guten Freund trennen, nur um meine eigene Sache in den Vordergrund zu stellen? Das wäre so, wie Christian Morgenstern es ausdrückt: "Wer Gott aufgibt, löscht die Sonne aus, um mit einer Laterne weiterzuwandeln." Gott ist das Licht und ohne Licht können wir nicht leben. Warum also die Sonne auslöschen, um mit einer Laterne weiterzugehen? Wir müssen begreifen, dass unser Weg mit Gott als unserem Freund an der Seite durch nichts zu ersetzen ist. Eine Laterne ist doch nur eine allzu törichte Alternative zur Sonne!
Wenn wir dies erkennen, dann haben wir Jesus als das Licht angenommen. Dann haben wir die frohe Botschaft erfahren und spüren, dass wir etwas gewinnen können, was über jeden nur erdenklich irdischen Wert weit hinaus geht. Prädikantin Heidi Morgenstern-Beißer, Pleß
Wir beten: Lied 407: Stern, auf den ich schaue.
Foto: Wodicka
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