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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 3)

Damit im Pfarrhaus weiter Licht brennt

Wie leerstehende Wohngebäude für Geistliche genutzt werden können

Thema 3

Als der Stübacher Pfarrer Wilhelm Merkel 1975 in den Ruhestand trat, ging für die mittelfränkische Gemeinde eine Ära zu Ende. Denn der 550-Einwohner-Ort unweit von Neustadt/Aisch bekam keinen eigenen Geistlichen mehr. Das Pfarrhaus, in dem seit 1743 insgesamt 16 Theologen mit ihren Familien gewohnt hatten, stand nun leer. In dem denkmalgeschützten Gebäude war un-ter anderem 1883 der Pfarrerssohn Albrecht Alt zur Welt gekommen, der später zu einem der bedeutendsten Alttestamentler Deutschlands und zu einem Palästinafachmann wurde. Nach Erzählungen beschäftigte er sich übrigens schon früh mit dem heiligen Land: Der Bach, der durch den Pfarrgarten floß, sei für ihn der Jordan gewesen, heißt es. Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre gab es - wie in Stübach - in vielen kleinen Gemeinden einen tiefen Einschnitt. Sie erhielten keinen eigenen Geistlichen mehr. Zwei bis drei Gemeinden wurden zu einem Verbund zusammengespannt, jeweils von einem Pfarrer betreut. Hintergrund für diese Maßnahme, die vor allem kleine Orte in Franken und im Ries betraf, war damals der Pfarrermangel. Weil es zu wenig theologisches Personal gab, sollte es gezielter eingesetzt werden. In den letzten Jahren gab es erneut ein "Streichkonzert". Nicht weil Mitarbeiter fehlen, sondern aus finanziellen Gründen fielen Pfarrstellen den Rotstift zum Opfer. Durch die sogenannte Landesstellenplanung wird theologisches Personal in Franken abgebaut und vor allem in Wachstumsregionen Südbayerns verlagert. Weil die Zahl der Pfarrstellen im Freistaat insgesamt nicht erweitert, sondern nur umverteilt werden kann, müssen zukünftig manche kleine Gemeinden in Nordbayern mit einer halben Pfarrstelle auskommen oder werden vom Nachbarort aus mit betreut.

Harter Schlag

Für die betroffenen Gemeinden ein harter Schlag. Auch deshalb, weil damit zum Teil Jahrhunderte alte Traditionen zu Ende gehen. Und die Gemeinden vor der Frage ste- hen, was sie mit dem leerstehenden Pfarrhaus anfangen sollen.
Hans Stubenrauch kann sich noch gut daran erinnern, wie die Stimmung vor einem viertel Jahrhundert in Stübach war: "Die Menschen waren anfangs verbittert." Als Theologiestudent und später als Vikar wohnte er von 1977 bis 1981 in dem Pfarrhaus. Seit 1983 betreut der Pfarrer vom Nachbarort Baudenbach aus die kleine Gemeinde. Nach Stubenrauchs Auszug wurde der erste Stock des Pfarrhauses als Wohnung immer wieder vermietet. In Kürze zieht dort der neue Lehr- vikar ein. "Gut ist, wenn im Ort wieder ein Ansprechpartner der Kirche wohnt", meint Stubenrauch.
Das Erdgeschoss des Gebäudes wird noch für dienstliche Zwecke genutzt. Hier sind ein Amtszimmer, eine Registratur und ein Dienstklo untergebracht. Das Amtszimmer ist Treffpunkt zum Beispiel bei Konfirmationen oder Jubelkonfirmationen. "Vom Pfarrhaus aus wird zur Kirche gezogen", erklärt Stubenrauch. Nach seinen Worten trauert die Gemeinde ei- nem eigenen Pfarrer nicht mehr nach. Der Grund: "Die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden Baudenbach und Hambühl gelingt gut." Zudem versucht der Theologe, in den einzelnen Orten oft präsent zu sein. Wie in Stübach wurden auch andernorts Pfarrhäuser vermietet. Ruhestandspfarrer, andere kirchliche Mitarbeiter oder auch Personen aus dem Ort zogen ein. Die Taubertalgemeinden Bettwar und Tauberscheckenbach zum Beispiel haben ihre Pfarrhäuser zu Gemeindehäusern umgebaut. Doch die Möglichkeiten sind begrenzt, die früheren Wohnsitze für Geistliche anderweitig zu nutzen. Wenn feststand, dass das Gebäude nie mehr für einen Pfarrer benötigt wird, haben es Gemeinden auch verkauft. In der kleinen westmittelfränkischen Gemeinde Kloster Sulz überlegten die Kirchenvorsteher, das Pfarrhaus zum Freizeitenheim umzugestalten. Doch das Haus erwies sich dafür als zu klein. Auch ein Angebot lag vor, das Gebäude als Gaststätte zu nutzen. "Der Kirchenvorstand konnte sich mit diesem Gedanken nicht so recht anfreunden", meint Pfarrerin Ulrike Brödel. Einmütig entschied das Gremium, das Pfarrhaus an den Staat als Übergangs- wohnheim für Aussiedler zu vermieten. Das staatliche Hochbauamt renovierte das Gebäude umfassend: Seit 1992 bietet es nun Platz für 22 Aussiedler. Kompliziert wird die Nutzung eines Pfarrhauses auch durch die sogenannte staatliche Baulast. Denn rund 300 Amtsgebäude für Geistliche hat der Freistaat Bayern auf Grund Jahrhunderte alter Rechtsverpflichtungen mit zu unterhalten. "Werden mehrere Pfarrstellen zu einer Pfarrei zusammengelegt, so ist der Pfarrsitz dorthin zu legen, wo staatliche Baulast besteht", erklärt Oberkirchenrat Hartmut Böttcher (München). Die finanzielle Verantwortung des Staates bleibe nur bestehen, wenn eine Stelle mit mindestens 50 Prozent besetzt sei. Ansonsten ruhe die Verpflichtung. Das heißt, die Kirchengemeinde selbst müsse den Bauunterhalt bestreiten. Der für Baulastfragen zuständige Oberkirchenrat rät Kirchengemeinden, die Nutzung leerstehender Pfarrhäuser genau zu prüfen. "Nur wenn feststeht, dass ein Gebäude auf Dauer nicht mehr benötigt wird, kann es verkauft werden". Böttcher zufolge hängt dies auch vom Zustand eines Hauses ab. Stelle das Gebäude Teil eines Ensembles dar, sei eine Veräußerung allerdings ausgeschlossen.

Verkauf ausgeschlossen

In Stübach jedenfalls ist der Verkauf kein Thema. Die kleine Gemeinde bei Neustadt an der Aisch will vielmehr ihr denkmalgeschütztes Pfarrhaus demnächst grundlegend renovieren. "Das Gebäude ist ein Mittelpunkt im Ort und hat eine geschichtliche Bedeutung", erklärt Pfarrer Hans Stubenrauch. Er hält es nicht für ausgeschlossen, "dass das Pfarrhaus für den Gemeindeaufbau eines Tages noch einmal gebraucht wird."

Günter Saalfrank

Foto: güs


Gott im Augenblick erkennen

Er musste aber durch Samarien reisen. Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich am Brunnen nieder; es war um die sechste Stunde. Da kommt eine Frau aus Samarien um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken. Da spricht sie zu ihm: Wie bittest du mich um etwas zu trinken, der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau? Jesus antwortete ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn, und der gäbe dir lebendiges Wasser.
Johannes 4, 4-14

Andacht 03 "Als hätte es so sein müssen", sagen wir - im Nachhinein. Zunächst, während wir es erlebten, kam uns alles chaotisch vor, total verwirrend, unmöglich.
Ähnlich in dieser Geschichte aus dem Johannesevangelium. Jesus "musste" durch Samarien reisen, heißt es. Warum eigentlich? Viele Wege führen von Jerusalem nach Galiläa. Samarien war schließlich Ausland. Juden und Samarier vertrugen sich nicht. Zwischen ihnen gab es genug Konflikte, politisch, religiös. Trotzdem oder gerade deshalb? Jesus "musste" durch Samarien reisen. Es war glühend heiß. Wer ist im Nahen Osten schon freiwillig mittags um Zwölf zu Fuß unterwegs? Kein Wunder, dass sich Jesus, müde und erschöpft vom Fußmarsch, hinsetzte. Aber nicht irgendwo: an Jakobs Brunnen, nahe bei einem Feld, das einmal der Erzvater Jakob seinem Sohn Josef gegeben hatte, setzte er sich. Was diesen Brunnen und dieses Feld betraf, da waren sich Juden und Samarier wenigstens einmal einig: hier hatten sie ein Stück gemeinsamer Geschichte. Jesus war allein. Seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um etwas zu essen zu kaufen. Ebenso unmöglich: Mittags um Zwölf kommt eine Frau, um Wasser zu schöpfen. Wasser holt man früh, wenn es noch kühl ist. Für uns verständlich - sagt ihr Jesus: Gib mir zu trinken. Die Frau sieht das ganz anders. Für sie ist Jesus zu weit gegangen. Er hat mehr als die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Wie kommt der fremde Mann dazu sie, eine Frau, anzureden? Und noch dazu ist er ein Ausländer! "Wie bittest du mich um etwas zu trinken, der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau?" Hier stoßen zwei Welten aufeinander. Abgrundtief sind die Gegensätze! Da gibt es keine Brücke hin-über und herüber. Ja, da stoßen wirklich zwei Welten, Himmel und Erde, aufeinander in dieser Auseinandersetzung, in der es um das Lebenswichtigste, in der es ums Überleben geht. Es geht um Wasser. Trinkwasser. Bis zu zwölf Liter kann ein Mensch im heißen Wüstenklima täglich verlieren. Er muss sie ersetzen, wenn er nicht sterben will. Noch am Kreuz sagt Jesus: "Mich dürstet." Lebendiges Wasser. Jesus bringt das Gespräch auf eine andere Ebene: "Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn, und der gäbe dir lebendiges Wasser. Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten." Für die Frau eröffnet sich plötzlich eine ungeahnte neue Welt!

"Wenn du erkenntest die Gabe Gottes…" Im Nachhinein erkennen wir manchmal, wie uns in einer völlig wirren Situation Gott nahe war und was er uns geschenkt hat. Gott im Augenblick erkennen, jeden Augenblick mit ihm zu rechnen - das wäre es! Pfarrer i.R. Hans-Gernot Kleefeld
Erlangen

Wir beten:
Herr, öffne mir die Augen! Lass mich den Augenblick nicht verpassen, wo du mir nahe bist. Lass mich nicht übersehen, was du mir schenkst. Amen.

Lied 592: Du schenkst uns Zeit.

Foto: Wodicka

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