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"Jahrtausendwende" hieß das Schlagwort, das vor einem Jahr Millionen von Menschen in Aufregung versetzte und sie schwanken ließ zwischen Begeisterung und Angst. Die einen wollten das neue Jahrtausend mit tollen Partys und einzigar-tigen "Events" begrüßen. Andere trieb Angst um. Ein Schreckensszenario jagte das andere: Computer würden beim Datumswechsel von 1999 auf 2000 abstürzen, prophezeiten viele. Experten rätselten, ob elektronisch gesteuerte Systeme wie Flugzeuge oder Hightech-Züge weiter zuverlässig ihren Dienst tun würden.
Es wurde befürchtet, die Steuerung der Heizung oder das Wasserwerk könnte versagen und das Transportwesen zusammenbrechen. Lebensmittelhändler und Tankstellen bekämen dann tagelang keine neue Ware, lauteten die düsteren Vorhersagen. Auch Geldautomaten und Banken würden streiken. Für Feuerwehren galt - auch auf dem Land - erhöhte Alarmbereitschaft. Viele Floriansjünger verbrachten den Jahreswechsel in den Spritzenhäusern. Kurz: Katastrophenstimmung machte sich breit.
Das alles ist - Gott sei Dank - nicht passiert. Viel unspektakulärer als selbst bedächtige Menschen geglaubt hatten, ist der Wechsel vom einen zum nächsten Jahr vonstatten gegangen. Die ganze Aufregung war bald schon vergessen.
Was heute im Rückblick bleibt, ist die Erinnerung daran, wie sehr unser Leben abhängig ist von der Technik. Und viel wichtiger: Die Erfahrung, dass die Unheilspropheten nicht das letzte Wort behielten, sondern Gott offensichtlich immer noch diese Welt und das Leben der Menschen in seiner Hand hält.
Besonders in Erinnerung bleibt die Jahreswende 1999/2000 manchen Christen aber auch, weil die Kirchen sie nicht den Medien und mehr oder weniger zweifelhaften Geschäftemachern überließen, sondern selbst kräftig mitmischten.
Ökumenische Verbundenheit
An vielen Orten gab es in der Silvesternacht oder zu Neujahr ökumenische Gottesdienste. In München zum Beispiel feierten Landesbischof Johannes Friedrich und sein katholischer Kollege, Friedrich Kardinal Wetter, zuerst einen Gottesdienst in der Frauenkirche. Danach segneten sie die vielen auf dem Marienplatz versammelten Menschen.
In Augsburg zelebrierten Regionalbischof Ernst Öffner und der katholische Bischof Viktor Josef Dammertz einen Gottesdienst mit eigens komponierter "Millenniumsvesper". Auch in Passau, Regensburg und an anderen Orten gaben Millenniumsfeiern den ökumenischen Kontakten neue Schubkraft.
Auch später im Jahr hat der Jahrhundert- und Jahrtausendwechsel manche Gemeinde noch beschäftigt. Nicht nur im Kirchenkreis Nürnberg waren viele Vorträge zu gesellschaftspolitischen, theo-logischen und spirituellen Themen zu hören, es gab ökumenische Kirchentage (vor allem im Kirchenkreis Augsburg) und besondere Gottesdienste.
In Regensburg gilt die gemeinsame Feier der
beiden großen christlichen Konfessionen zum Fest der Bayern im Juli als Höhepunkt der Millenniumsfeiern. Ein ganz
besonderer Akzent im Veranstaltungsreigen war für den Augsburger Regionalbischof Ernst Öffner eine Gottesdienstübertragung aus der St.Anna-Kirche der Fuggerstadt im ZDF.
In der Bayrisch-Schwäbischen Region hat sich durch das Millennium nach Öffner zufolge im Miteinander von evangelischen und katholischen Christen "viel getan". Der "starke Widerstand auf katholischer Seite" gegen die ökumene-feindliche Erklärung "Dominus Iesus" von Josef Kardinal Ratzinger aus Rom ist für ihn deshalb eine Folge dieser Kontakte und Begegnungen.
Jugend setzte Akzente
Besondere Akzente hat mancherorts auch die evangelische Jugend gesetzt: Im Augsburger Dom zum Beispiel gestaltete sie zusammen mit katholischen und methodistischen Jugendlichen eine "Nacht der Lichter". Taizè-Gebete und Gesänge lösten sich dabei ab mit einer Diaschau zum Rückblick auf das 20. Jahrhundert und amerikanischen Gospels. Das Finale war eine Lasershow in und vor der Kirche. Mit diesem zeitgleichen Angebot wollte die Jugend den Menschen die Angst vor dem besonderen Jahreswechsel nehmen.
Einen besonderen christlichen Akzent setzte auch ein "Bibelmarathon" in München und in Sulzbach-Rosenberg. Dabei wurde jeweils die gesamte Bibel am Stück laut vorgelesen. In der Landeshauptstadt beteiligten sich 80 Personen, in der Oberpfalz lasen 252 Frauen und Männer unterschiedlicher Generationen aus der Heiligen Schrift vor.
Nun ist die Wende von 1999 auf 2000 schon über ein Jahr vorbei - doch die Prägung, die viele Christen dem diesem Wechsel gaben, wirkt bis heute nach in das nun wirklich angebrochene 3. Jahrtausend nach Christi Geburt.
Sabine Ost
Der Gedanke gefällt mir, dass
Jesus gern mit seinen Jüngern zusammen saß und mit ihnen gegessen und gefeiert hat. Er hatte seine Freude an der Gemeinschaft mit anderen und war vermutlich auch gutem Essen nicht abgeneigt. Das macht ihn so menschlich.
Aber Jesus kannte auch das Fasten. Er hatte selbst 40 Tage und Nächte in der Wüste verbracht und gefastet. Das hat er sicher nicht getan, um abzunehmen. Nein, er wollte allein sein und sich auf Gott konzentrieren. Nichts sollte ihn ablenken, auch nicht der Gedanke an Essen. In dieser Zeit wurde er vom Teufel versucht. In der Bibel heißt es, Jesus sei hungrig gewesen und der Teufel wollte ihn dazu verführen, Steine in Brot zu verwandeln. Darauf reagiert Jesus mit den Worten: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht."
Damit weist er auf den Sinn des Fastens hin. Es soll eine Zeit der Ruhe und des Nachdenkens sein. Wer beim Fasten zum Beispiel ganz auf das Essen verzichtet, muss sich weder Gedanken darum machen, was er isst, noch muss er einkau-fen und kochen. Es bleibt mehr Zeit für sich selbst und dafür, sich auf Gott und das Wesentliche zu besinnen.
Es gibt ganz unterschiedliche Arten des Fastens: Entweder zu bestimmten Tageszeiten oder nicht auf Essen allgemein, sondern nur auf ausgewählte Lebensmittel wie Fleisch oder Süßigkeiten zu verzichten. Für die Passionszeit hat die Kirche schon zum Verzicht auf Fernsehen, Auto oder Alkohol aufgerufen. Fasten kann so auch als Übung in Selbstdisziplin und Willensstärke verstanden werden.
Egal, welche Form des Fastens man wählt - Fasten soll keine fromme Leistung sein. In den Zeiten des Alten Testamentes wurde um der Sündenvergebung willen gefastet. Zur Zeit Jesu war es manchen Gläubigen zur Gewohnheit geworden, zweimal wöchentlich zu fasten. Darauf zielte vermutlich die Frage der Jünger ab. Jesus gibt ihnen eine deutliche Antwort: Es ist nicht nötig. Zumindest solange er bei ihnen ist. Doch nach dem Motto aus dem Prediger "alles hat seine Zeit" weist er darauf hin, dass auch die Zeit kom-men wird, in der seine Jünger fasten werden.
Karin Ilgenfritz
Wir beten:
Lied 221:
Das sollt ihr, Jesu Jünger.
Foto: kil
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