Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 1)

Meine liebste Bibelstelle

Worte aus der Heiligen Schrift als Begleiter

Gott blickt auf die Innenseite
Eine meiner vielen "liebsten" Bibelstellen ist: "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an" (1. Samuel 16,7).
Das lehrt einen, mit anderen offen und achtsam umzugehen und sie keinesfalls festzunageln auf das, was sie sind. Überraschungen - im Guten, wie allerdings auch im Schlechten - sind immer drin. Wenn Gott mein Herz ansieht, bin ich selber im Fall von übler Nachrede oder Schmeicheleien getröstet: Einer mindestens weiß, wie ich wirklich bin. Zugleich fordert mich das Wort des Propheten Samuel heraus, mich der Wahrheit meines Lebens zu stellen und stets Klarheit walten zu lassen.
Schließlich ist der Blick Gottes auf die Innen-, statt auf die Außenseite des Menschen ein zeitkritischer Einwand: Der schicke Schein tut´s freilich nicht - auf Kopf, Herz und Seele kommt es an.
Kirchenrätin Susanne Breit-Keßler,
München

Geschenk als Gegenleistung
Zu meinem liebsten Bibelwort ist mir mein Konfirmationsspruch geworden: "Der Sünde Sold ist der Tod, Gottes Gabe aber ist ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn" (Römer 6,23).
Der erste Satz beschreibt meinen "Urzustand". Für ein Leben in Sünde, ohne Jesus, gibt es nur einen Lohn: Tod und Verdamnis. Aber wer an Gott glaubt und Jesus Christus sein Leben anvertraut, der bekommt als Gegenleistung ein Geschenk: Ewiges Leben in der Gemeinschaft mit Christus. Das kann man erfahren, ich wünsche es allen.
Landwirtschaftsmeister
Johann Rehm, Woringen,
Mitglied der Landessynode

Kraft für Arbeit
Zu den Bibelworten, die mir immer wieder Kraft für meine Arbeit gegeben haben, gehört insbesondere der Psalm 94, 14: "Der Herr wird sein Volk nicht verstoßen noch sein Erbe verlassen." In den Herrnhuter Losungen wird diesem Wort Römer 11, 2 zur Seite gestellt, wo es heißt: "Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat."
Die Verheißungen bedeuten ja praktisch nichts weniger, als dass wir Christen nach der Geburt und der Auferstehung Jesu denselben außergewöhnlichen Segen erhalten wie das auserwählte Volk der Juden, also Israels. Das Wissen um diesen Segen und diese besondere Sorge und Zusage Gottes für sein Volk sind für mich immer wieder Stärkung und Herausforderung zugleich. Zu "seinem Volk" zu gehören ist ein wunderbares Geschenk, aber auch eine ständige Verpflichtung, ihn nicht zu enttäuschen und seinen Willen zu tun. Als Salz der Erde wollen wir unser tägliches Tun und Lassen verstehen und leisten.
Dr. Ingo Friedrich , Gunzenhausen
Vizepräsident des Europäischen Parlaments

Spannungen aushalten
Mich sprechen besonders zwei Bibelstellen an, die widersprüchlicher kaum sein könnten: "Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder...." (Matthäus 18, 3) und genau entgegengesetzt "Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; Als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war" (1.Korinther 13,11).
Diese Gegensätze, diese sich erst einmal ausschließenden Worte von Jesus und Paulus! Als Erwachsene wie die Kinder werden und an oft wollte ich die Bibel zuschlagen. Diese Mühe mit den Widersprüchen - und deren gibt es viele. Mit kindlichem Vertrauen begeistert das Leben angehen. Ohne tausend Wenn und Aber. Dafür steht der Vers aus dem Matthäusevan-gelium. Mit meinen Fähigkeiten als erwachsene Frau kritisch reflektierend zu denken und zu handeln, den Verstand zu gebrauchen und ihn auf keiem Fall vor der Kirchentüre abzugeben, dafür steht das Pauluswort. Daraus ergibt sich eine Spannung für mein Leben und meinen Glauben. Ich habe keine Antwort auf die Widersprüche, aber ich kenne Menschen, die mit mir die Spannung aushalten und voller Vertrauen suchen, wie sich die Bruchstücke zu einem ganzen fügen lassen.
Lehrerin für Krankenpflege Luise Kirch,
Bieberbach-Egloffstein

Bekenntnis zum Evangelium
Eigentlich tue ich mich schwer, ein Bibelwort als liebste Bibelstelle zu bezeichen. Beim täglichen Lesen in der Bibel freue ich mich immer wieder auf Worte zu stoßen, die mir in bestimmten Lebenslagen viel geholfen haben oder mir viel gesagt haben. In ganz besonderer Weise hat mich aber mein Konfirmationsspruch begleitet: "Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben" (Römer 1,16).
Dieses Bekenntnis zum Evangelium soll mich auch in meiner täglichen Arbeit leiten. Von dieser Kraft Gottes leben wir täglich.
Landrat Dr. Peter Seißer, Wunsiedel

Schutz und Geborgenheit
Ganz besondere Erinnerungen habe ich an den 23. Psalm, "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln." Es ist der Text, den ich bereits als Kind mit meinem Großvater bildlich vor mir sah, inmitten seiner Schafe. Das "Behütet-sein" war für mich spürbar. Den 23. Psalm wünschte er sich auch als Text zu seiner Beerdigung. Später, im Erwachsenenalter habe ich die Bedeutung der Worte: "und ob ich schon wanderte in finstern Tal…", begriffen. Oft habe ich aus diesen Worten Trost erhalten. Dieser Psalm ist für mich eine wunderbare Darstellung von Schutz und Geborgenheit.
Diplomökotrophologin Herta Küßwetter, Ehingen,
Mitglied der Landessynode

Größte Sorge genommen
Meine liebste Bibelstelle hängt zwar von meiner jeweiligen Situation ab, aber eine Stelle ist sicher: "Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch" (1. Petrus 5, 7)
Bei diesem Vers geht es mir wie dem Meister, der zu seinem Lehrling sagt: "Bei der Sache haben wir von hinten und vorn keine Ahnung, darum fangen wir in der Mitte an." Ich habe vom Loslassen und dem grenzenlosen Vertrauen, dass Gott für mich sorgt, wenig Ahnung, darum ist es gut in der Mitte, bei Jesus Christus, anzufangen. Stimmt meine Beziehung zu ihm, dann kann ich ihm alle Sorgen hingeben und bei ihm lassen. Mir gelingt dies, weil mir die größte Sorge genommen ist, nämlich ob mein Fall vor Gott auf dem Gnadenweg oder Rechtsweg entschieden wird.
Professor Wolf-Ewald Büttner, Regenstauf
Vorsitzender des Landeskirchlichen Gemeinschaftsverbandes in Bayern e.V.


Mutig ins neue Jahr

Am nächsten Tag sieht Johannes, daß Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah, daß der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.
Johannes 1,29,32-34

Andacht 01 Der Blick auf den Tisch mit Neuerscheinungen in einer Buchhandlung macht Staunen. Sehr viele Buchtitel verwenden religiöse Begriffe oder biblische Motive: "Paradies" und "Himmel", "Opfer" und "Erlösung". Auch die Werbebranche hat längst begriffen, dass religiöse Themen und Wörter und Zitate der Bibel eine unheimliche Anziehungskraft besitzen. Viele Macher der Medien wissen die Magie der Religion für ihre Zwecke einzusetzen. Denn fast alle Menschen suchen etwas, das ihnen Halt gibt in schwerer Zeit. Die Welt nicht so schön ist, wie sie uns immer wieder gemalt wird. Schriftsteller und Werbefilmproduzenten füllen ahnungsvoll eine Lücke, die die leeren Gotteshäuser hinterlassen.

Da ist zum Beispiel die Romanfigur Harry Potter. Ein Junge (12) besiegt den Bösen, weil seine Mutter ihn vorher mit ihrer Liebe gestärkt und mit ihrem Sterben erlöst hat. Das ist Religion pur. Johannes der Täufer sagt über Jesus Christus: "Ich kannte ihn nicht." Harry Potters Erfinderin, Joanne K. Rowling aus England, kennt Jesus (auch) nicht. Denn Menschenopfer sind nicht mehr nötig, seit Jesus Christus die Sünde der Welt trägt. Trotzdem: ihre Bücher lesen sich spannend, weil sie Magisches und Religiöses selbstverständlich nebeneinander stellt. Rowling vermittelt den Eindruck, als ob sich die Welt vom Bösen selbst befreien könne. In Romanen mag das zu schreiben erlaubt sein. Für die Wirklichkeit dieser Welt jedoch gilt: Jesus Christus allein trägt die Sünde der Welt. Johannes der Täufer benötigt profetische Fähigkeiten, um das zu formulieren. Für uns Nachgeborene ist es auch nicht einfach fassbar, dass unsere Zukunft nicht von Menschen abhängt. Doch die Rechtfertigung des Sünders zu bejahen, verlangt harte Arbeit: dass ich mich als erlösungsbedürftig begreife. Und dass Jesus Christus der einzige ist, der die Sünde der Welt tragen kann und trägt. Auf ihm ruht der Geist Gottes. Das ist das Kennzeichen.

Für das beginnende Jahr 2001 bringt das Mut zur Gelassenheit: ich kann nicht alles Gute erreichen, das ich mir vornehme. Egal ob es Arbeit, Leistungen oder Haltung betrifft. Und auch die Mitmenschen werden ihre (un-)ausgesprochenen Vorsätze nicht alle verwirklichen. Wer ins neue Jahr geht, muss nicht verzweifeln, sondern vernimmt: Das "Ich kannte ihn nicht!" ist Vergangenheit: Christus ist jetzt da. Als Jesus in Bethlehem geboren, von Johannes begrüßt und getauft und erkannt. Der Sohn Gottes selber als Mensch unter Menschen. Fähig und bereit unsere Sünde zu tragen. Glücklicherweise überschneidet die Weihnachtszeit jeweils zwei Kalenderjahre: Höhepunkt des alten und Start des neuen Jahres. Die Weihnachtsbotschaft nimmt die Angst vor dem Ende und stellt gleichzeitig in die Verantwortung für diese Welt. Ich bleibe in die Welt eingebunden, samt dem Bösen in ihr. Aber es hat seine absolute Macht über mich verloren. Die Zukunftsfähigkeit des Menschen liegt auf dem Rücken des Lammes, das die Sünde der Welt fortträgt. Wer darauf vertraut, bekommt einen freien Kopf und Kraft sich den Menschen zuzuwenden. Die warten schon.

Christoph Drescher,
Pfarrer an der Volkshochschule Hesselberg

Wir beten:
Herr, schöpferischer Gott, dass deine Lebendigkeit alle ergreift, dass deine Hand Halt gibt, dass dein Geist hell macht, dass dein Sohn nahe ist. Schenke dies uns und den Vielen, die dich brauchen. Amen.

Lied 634: Lass uns in deinem Namen

Foto: güs

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