Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht.
(Doppelausgabe 52/53)

Viel Theater um die Krippe

Weihnachtsgeschichte wohl das meist gespielte Stück der Welt

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Die meisten Menschen erinnern sich an Krippenspiele in Weihnachtsgottesdiensten. Und bei genauerem Nachfragen ist es verblüffend, wie viele Menschen in ihrer Kindheit oder Jugend wenigstens einmal bei einem Krippenspiel mitgewirkt haben - ob als Engel, Hirte, König, Maria oder Josef.
   

"Für meine religiöse Entwicklung war es nicht unwesentlich, dass ich mal den Josef im Krippenspiel dargestellt habe", sagt Jens Uhlendorf. Er ist ein Fan von Weihnachtsspielen, ja von Theater überhaupt. Und er bedauert sehr, dass in der Kirche das Theater eine so geringe Rolle spielt. "Dabei könnte das Darstellende Spiel einen wesentlichen Beitrag zur Verkündigung leisten."

Wenig Erfahrung

Jens Uhlendorf ist nicht etwa Schauspieler, sondern Pfarrer und als solcher Referent für offene Gottesdienstformen beim Gottesdienstinstitut (Nürnberg). Gerade bei offenen Gottesdienstformen können Theaterstücke, zum Beispiel in Form von Anspielen, zum Tragen kommen. Allerdings schreit in den Gemeinden nur selten jemand "Hier!", wenn es um Theater spielen geht. "Es hat kaum mehr jemand theaterpädagogische Erfahrung", bedauert Uhlendorf.
Wenn sonst Theater in der Kirche kaum Platz hat - eine Ausnahme gibt es: Das Krippenspiel. "In fast jeder Gemeinde wird zu Weihnachten ein Krippenspiel aufgeführt", so Uhlendorf, der eine theaterpädagogische Zusatzausbildung hat. Nicht ganz glücklich ist er dabei allerdings über das Alter der Darstellenden. "Sie werden immer jünger, meistens sind es Kinder." Doch kleine Kinder seien mit einem solchen Spiel oft überfordert. "Schon ihre Stimmen sind einfach noch viel zu dünn, um einen Raum zu füllen, um für jedermann deutlich zu verstehen zu sein." Ganz abgesehen davon sind die meisten Krippenspiele für Erwachsene geschrieben. Zumindest war das Jahrhunderte lang so.

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Die Heilige Familie mit Ochs und Esel bei einem Stück, das unter freiem Himmel aufgeführt wurde. Fotos: epd
   

Die Wurzeln des Weihnachtsspiels gehen zurück auf das 10. Jahrhundert. Damals trugen Geistliche in entsprechender Kostümierung Wechselgesänge vor. Auf diese Weise stellten sie zum Beispiel dar, wie die Hirten den Heiland angebetet haben. Die ältesten Weihnachtsspiele sind in lateinischer Sprache abgefasst und stammen aus Frankreich und Deutschland. "Erst in den 1920er Jahren ging es los, dass immer häufiger Jugendliche die biblische Geschichte darstellten", so Uhlendorf. "In den 80er und 90er Jahren war es modern, nicht das klassische Krippenspiel aufzuführen, sondern es zu verfremden." Doch die Zeiten seien vorbei, jetzt gehe der Trend zur einfachen Darstellung der Lukasgeschichte. "Vermutlich auch deswegen, weil viele Menschen die Weih-nachtsgeschichte gar nicht mehr genau kennen", meint der Pfarrer. "Lukas 2 ist vermutlich das meist gespielte Theaterstück der Welt."

Uhlendorf freut sich, wenn Gemeinden Herzblut in das Krippenspiel investieren. Und er unterstützt schon mal die Verantwortlichen. Zum Beispiel die Pfarrerin Dagmar Knecht. Sie hat inzwischen das ein oder andere Krippenspiel selbst geschrieben. "Ich suche ungern lange nach geeigneten Arbeitshilfen", sagt die Pfarrerin aus Beilngries (Dekanat Neumarkt). "Also habe ich selbst zum Stift gegriffen und ein Krippenspiel geschrieben." Ihr sei wichtig, dass ein Weihnachtsspiel nicht nur die Weihnachtsgeschichte nacherzählt, sondern auch eine Deutung enthält. "Stern und Schäfchen" heißt das Stück, das sie - mit Unterstützung von Jens Uhlendorf - entwickelt und mit Jugendlichen vor zwei Jahren eingeübt hat. In diesem Jahr hat sie ein Mitmachstück für die ganz Kleinen geschrieben. Solche Mitmachspiele sind eine gute Lösung für Kinder. Gleichzeitig gibt Uhlendorf aber auch zu bedenken: "Wenn die Darstellung immer einfacher wird, geht mit der Zeit auch viel verloren."

Nicht nur auswendig lernen

Das Stück mit den Jugendlichen sei in Beilngries gut angekommen. "Es war auch leicht zu spielen, denn niemand musste Texte auswendig lernen", sagt Dagmar Knecht. Auch Jens Uhlendorf ist der Ansicht, dass auswendig lernen nicht überbewertet werden sollte. "Viel wichtiger ist, dass die Darsteller nicht nur da stehen und etwas sagen, sondern vielmehr, dass sie spielen, was sie sagen." Es sind also schon Schauspieler gefragt. "Warum sollte man in Städten, wo es ein Theater gibt, nicht mal auf diese Leute zugehen und fragen, ob das Theater ein Weihnachtsspiel aufführen möchte", regt er an.

So wie in Feuchtwangen. Dort wurde an jedem Adventssonntag auf dem Platz vor der Kirche ein Krippenspiel aufgeführt. Mit dabei waren ältere Kinder und Jugendliche, die bereits Schauspielerfahrung haben - als Statisten bei den Kreuzgangspielen oder in der Schulthea-tergruppe. Eingeübt hat es Wolfgang Dirian, Mitglied im Freundeskreis Theater und Kultur Burgoberbach. Geschrieben hat das Stück Ruth Müller, die Frau des Dekans, schon vor einiger Zeit.

"Es wurde 1997 in Uffenheim uraufgeführt", sagt die Autorin. Und es hat eine Besonderheit: Es ist auf fränkisch verfasst. "Für Feuchtwangen wurde es leicht verändert, denn der Dialekt unterscheidet sich vom Uffenheimer", berichtet Müller. "Wir hoffen, die Weihnachtsmarktbesucher und Zuschauer sind dadurch zum Nachdenken angeregt worden und im Weihnachtstrubel etwas zur Ruhe gekommen." Das in etwa ist auch Sinn und Ziel eines Krippenspiels, meint Jens Uhlendorf. "Es soll die Zuschauer zur Krippe hinführen und einstimmen auf das Weihnachtsgeschehen." Für manchen Darsteller ist es noch mehr. Fast jeder wünscht sich als Kind oder Jugendlicher, einmal Josef oder Maria zu sein. Und wenn man das geschafft hat, kann das für immer Spuren hinterlassen. So wie bei Jens Uhlendorf.

Karin Ilgenfritz

 


 

Das Rothenburger Sonntagsblatt wünscht seinen Leserinnen und Lesern ein Gesegnetes Christfest und Gottes gnädiges Geleit für das neue Jahr.

 

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Foto: Kusch

Versunken in Liebe



Zu Bethlehem geboren
ist uns ein Kindelein,
das hab ich
auserkoren,
sein eigen will ich sein.

In seine Lieb versenken
will ich mich ganz hinab;
mein Herz will ich
ihm schenken
und alles was ich hab.

O Kindelein, von Herzen
will ich dich lieben sehr
in Freuden und
in Schmerzen,
je länger mehr und mehr.

Text: EG 32


 

Kinder als Geschenk Gottes ansehen

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.

Lukas 1, 26-33

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Die Freude von Weihnachten umsetzen: Für die Politik hieße das zum Beispiel, dass endlich für ein kinderfreundliches Klima in unserem Land gesorgt wird. Foto: epd

Ich freue mich jedes Mal, wenn mir eine Frau berichtet, dass sie ein Kind erwartet. Im Landeskirchenamt war dies im vergangenen Jahr mehrfach der Fall - jedes Mal ein Grund zu großer Freude! Was gibt es schöneres für Eltern, als mit einem Kind beschenkt zu werden? Wie kommt es dann aber, dass in unserer Zeit die Geburt eines Kindes offenbar nicht als etwas rundum Erfreuliches gilt? Dass werdende Eltern sich nicht in jedem Fall über eine Schwangerschaft freuen? Dass Arbeitgeber es vielfach als ein Problem ansehen, wenn Arbeitnehmerinnen schwanger werden? Woran liegt es, dass in unserem immer noch sehr reichen Land täglich wohl mindestens 500 Frauen ihre Schwangerschaft beenden lassen?

In der Erzählung des Lukas wird nichts dazu ausgesagt, ob Maria sich darüber freut, dass sie ein Kind erwartet. Aber diese Geburt wird als etwas sehr Erfreuliches geschildert - so erfreulich, dass eigens ein Engel zur werdenden Mutter kommt, um ihr die Nachricht zu verkündigen. Der Erzähler schildert dies mit gefühlvollen Worten: Ein Engel Gottes überbringt diese frohe Botschaft "Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr sei mit dir!" Dieser Gruß des Engels gilt aber nicht nur der Maria: Er gilt allen Menschen, denn dieses kleine Kind kam ja nicht nur zu seiner Mutter Maria, es kam zu uns allen. Wir alle sind Begnadete, weil Gott seinen Sohn in die Welt geschickt hat, zu uns, um uns dadurch seine Liebe zu zeigen. Wir alle haben - wie Maria - Gnade vor Gottes Augen gefunden. Wir dürfen uns - nicht nur an Weihnachten - über seine Liebe freuen.

Und wenn wir uns über Gottes Liebe freuen, dann dürfen wir diese Freude auch weitergeben. An andere Menschen, an Kinder ebenso wie an Erwachsene. Die Geschenke, die wir uns an Weihnachten machen, wollen ja eben dieser Freude Ausdruck verleihen. Freude weitergeben meint aber auch, den Menschen, die sich nicht freuen können, dabei zu helfen, den Anlass zu beseitigen, der ihre Freude stört. Zum Beispiel, um beim Thema zu bleiben, indem wir uns für ein kinderfreundlicheres Klima in unserem Land einsetzen. Die ersten Schritte dazu können wir gleich in unserer unmittelbaren Umgebung tun. Etwa wenn wir Müttern und Vätern mit Kindern zeigen, wie schön wir es finden, dass sie Kinder haben oder erwarten. Egal ob als Arbeitgeber oder Arbeitskollegin, als Nachbar oder als Spaziergänger, ob im Restaurant oder in der Bahn. Gelegenheiten gibt es viele.
Gott wurde selbst ein Kind. Deshalb wünschte ich mir, wir würden Kinder wieder stärker als Gottesgeschenk sehen. Den Kindern täte dies ebenso gut wie unserer Gesellschaft insgesamt.

Landesbischof Johannes Friedrich

Gebet: Gib deinen Hirten Kraft und Geist zu reiner Lehr und Leben, dein Wort, das Gottes Weide heißt, der Herde rein zu geben; lass alle Hörer Täter sein, damit kein heuchlerischer Schein des Glaubens Kraft verleugne (Heinrich K. Hecker).

Lied 27: Lobt Gott, ihr Christen

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