Editorial: Ich schaffe es einfach nicht!

Susanne Borée
Susanne Borée

Ich schaffe es einfach nicht! Seit Monaten denke ich darüber nach, wie ich meinen persönlichen Plastik-Abfall verringern kann. Doch ist er seitdem nicht nennenswert geringer geworden: Natürlich benutze ich Mehrweg-Netze für das Obst. Plastik-Strohhalme sind jetzt durch die Variante aus Edelstahl ersetzt. Ob deren Produktion allerdings energieeffizienter ist?

Es tut fast weh: Bio-Bananen und Bio-Gurken scheinen besonders viel Plastik-Umhüllung zu benötigen. Ebenso Fleisch direkt vom Bio-Bauern: Eine Bestellung dort war dermaßen in Plastik und Kühlbeutel eingeschweißt, dass es nicht mehr schön war. Um einen Unverpackt-Laden aufzusuchen, den es oft nur in Großstädten gibt, muss ich extra Wege auf mich nehmen. Mit dem Fahrrad sind sie so nicht mehr erreichbar.

Ebenso ist bei vielen Dingen, die über den alltäglichen Bedarf und den Einkauf vor Ort hinausgehen: Um eigene Zeit und Anfahrtswege zu sparen, erscheint mir der Klick beim Online-Versandhandel die einfachere Möglichkeit. Doch auch wenn ich mehrere Produkte direkt hintereinander bestelle, sind sie offenbar nicht zusammen in einem Paket und an einem Tag lieferbar.

Zumindest sende ich nur Dinge zurück, die wirklich nicht funktionieren. Denn diese „Retouren“ soll der Versand leider allzu oft vernichten. Daneben denke ich auch beim Lebensmittel- und Kleiderkauf zunehmend vorher darüber nach, was ich wirklich brauche.  

Es fasziniert mich, wenn jemand sein Leben so einrichten kann, dass sie fast ohne Plastikmüll auskommt. Aber das ist mir zu zeit­intensiv und zu schwierig. Ebenso eigener Gemüseanbau, der über Kräuter hinausgeht. Dieses Projekt fand übrigens durch den Kirchentag 2013 seine Nachahmer. Welche Impulse sendet das aktuelle Christentreffen in Dortmund aus – vielleicht auch ganz in kleinen Bereichen?

Aber einfache Lösungen sind selten segensreich: E-Autos, E-Bikes, E-Roller und Co. benötigen trotz allem Energie, die leider allzu oft nicht sauber ist. Abgesehen von Rohstoffen für ihre Batterien, die meist unter schmutzigen und menschenverachtenden Bedingungen geschürft werden.

Also resignieren? Nein, doch versuche ich jeden Monat ein bisschen weniger  Plastikmüll zu produzieren. Dazu wiege ich ihn und schreibe mir die Werte auf. Wenige Tropfen auf den heißen Stein, sicher. Aber ein Anfang! Welchen Weg gehen Sie?

                               Susanne Borée