Editorial: Der Kern der Osterbotschaft

Susanne Borée
Susanne Borée

Ostern  – ins Bild gesetzt: Das sind Häschen und Lämmchen, Eier und Küken. Dies zeigt sich allzu oft bei der Durchsicht von Osterkarten oder auch in unseren Bilddateien, wenn wir für das Sonntagsblatt ein Osterbild suchen.

Machen diese süßen Bildchen und Figürchen das christliche Ostern aus? Offenbar schon, wenn wir im Internet ein wenig weitergehen. Dass eine bekannte Schoko-Firma den Osterhasen als „Schmunzelhasen“ verkauft, das gilt manchen allzu Besorgten als Zeichen für den Siegeszug islamischer Einwanderer gegenüber dem Abendland. Macht nichts, dass es den „Schmunzelhasen“ schon viel länger gibt.

Abgesehen davon ist es doch interessant, was unser Bild von einem christlichen Osterfest ausmacht: Offenbar gehören die „heidnischen“ Fruchtbarkeitssymbole, die sich offenbar seit der Spätantike in dies christliche Fest geschlichen haben, unbefragt hinzu.

Auch die „Osterreiter“ in Bautzen und der Oberlausitz (Seite 8)gehen auf heidnische Zeiten zurück: Feldumritte sollten böse Geister vertreiben. Natürlich geschah dann eine christliche Umformung. Dies erinnert uns daran, wie wandlungsfähig das Abendland einst war: Damals hatte es noch keine Angst vor dem Fremden, sondern konnte es dynamisch aufnehmen.

Natürlich erwärmen Bräuche das Herz. Und ebenso unzweifelhaft sind Küken oder Häschen einfach süß! Sie zeigen: Der Winter ist vorbei.

Doch sind sie vor allem Beiwerk. Die Osterbotschaft an sich trifft all das nicht. Nun, die Aussage, dass der Tod seine Macht verloren hat, ist aber auch so schwierig. Wie lässt sie sich am deutlichsten darstellen: Mit einem Lichtstrahl, der die Finsternis vertreibt? Dem frischen Grün an gerade noch so trockenen Zweigen? Der keimenden Saat? All diese Ideen sind genauso altbekannt wie die bunten Ostereier. Und: Wir brauchen sie.

Aber sie sollten kein Selbstzweck werden. Denn das ist die beste Voraussetzung dafür, dass ihre Lebenskraft abstirbt. Sie sind keine Biedermeier-Bildchen – auch wenn dies gerne unser Herz erfreut. Osterhäschen und Eier sind nicht im Sonderangebot zu haben. Sie sollen Osterfreude bringen. An den Brauch des Oster-Lachens erinnert uns noch der „Schmunzelhase“ – und ist so alten christlichen Traditionen näher als gedacht.

Gesegnete Ostern! Das wünscht

                               Susanne Borée

Es geht darum, gute Alltagsroutinen zu entwickeln, so hörte ich kürzlich. Wo sie in meinem Leben nicht greifen, steige ich niemals in einen anderen Zug. Und häufe weiter Ballast auf. Dabei zählt am Ende nicht Besitz, sondern die Erinnerung an gute Erlebnisse – meist in Gemeinschaft. Stattdessen lasse ich mich von Sorgen zerfressen.

Oder ist der Ballast, das „Könnte-man-mal-gebrauchen“ ein Schutzwall gegen die Unwägbarkeiten des Lebens? Gegen die Angst der Veränderung?

Dabei habe ich niemals wirkliche Bedrohung erlebt – wie etwa die Menschen in Ruanda vor einem Vierteljahrhundert. Damals war ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt, um dies rechtzeitig ernst zu nehmen.

Weniger Sorgen, weniger Angst, weniger Gleichgültigkeit – das brauche ich wohl wirklich. Und mehr Zuhören und Verstehen. Doch auf welchem Gleis befindet sich ein Zug, um darin einsteigen zu können? Finde ich ihn in dieser Passionszeit? Oder geht sie ungenutzt wieder vorbei?

                                 Susanne Borée

 

Außerdem lesen Sie unter anderen in unserer gedruckten Ausgabe vom 21. April 2019:

- Was geschieht nach dem Tod? Warum man sich vor dieser Frage nicht drücken darf

- „Der Glaube ist das Entscheidende“: Ostern in der Heimat der Sorben zeigt viele aufwändige Bräuche

- Marktplatz voller Chancen und Abgründe: Verantwortlicher Umgang im Netz

=> Interesse an diesen Artikeln der gedruckten Ausgabe?

Diese, die wöchentlichen Rätsel und vieles mehr können Sie bei unserem kostenlosen Probeabo entdecken

=> Gleich online bestellen

 

 

www.kirchenpresse.de - Evangelische Wochenzeitung im Internet