Abscheuliche Geschöpfe genießen

Pfauenspinne
Männchen der australischen Pfauenspinne. Foto: Borée

Faszinierende Ausstellung „Ganz schön eklig“ im Nürnberger Bionicum

Sind Keime Kunst – und Kühlschränke eklig? Auf Petrischalen lassen sie sich so züchten, dass kunstvolle, sternförmige Gebilde entstehen: So genannte Agarplatten mit Milchproteinen, Sojamehl und Algen bieten Wohlfühl-Bedingungen für alle Arten von Keimen. Sie stammen von unserer Haut oder aus dem Verdauungstrakt. Doch sie sind notwendig, helfen uns bei der Umwandlung von Nahrung oder gegen gefährliche Eindringlinge.  

Die Sonderausstellung „Ganz schön eklig“ im Bionicum des Nürnberger Tiergartens ist sehr anziehend für große und kleine Besucher. Sie zeigt eine besondere Eigenheit der Schöpfung: An sich ist Ekel eine biologische Schutzfunktion, so die Ausstellungsmacher: Daher müssen Menschen etwa bei verdorbenem Essen würgen. Viele Gefühle des Abscheus sind jedoch „anerzogen“. Zweijährige Tiergartenbesucher seien nur fasziniert, wenn eine riesige behaarte Vogelspinne über ihre Hand krabbele. Erst Eltern oder Freunde zeigen Kindern, wo Ekel angebracht zu sein scheint. Zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr beginnen sich Kinder bei „ekligen“ Tieren und Dingen zu grausen. Vermutlich trainiert der Kontakt mit Erregern das frühe Immunsystem.

Alle Insekten und Spinnen haben ihren Platz in der Schöpfung und im  Gleichgewicht des Ökosystems, erklärt Eva Gebauer, die Projektmanagerin des Bionicums. „Sie erfüllen ihre Funktionen und stehen in wechselseitigen Abhängigkeiten.“

Nur selten im Kühlschrank, warnt eine weitere Station der Schau. Denn dort fühlen sich Bakterien und Pilze trotz der Kälte besonders wohl. Mehrere Millionen Keime pro Quadratzentimeter sollen es sein. Manche machen erst den Joghurt schmackhaft. Doch viele sind nicht nur eklig, sondern auch schädigend.  Putzen hilft gegen sie. Zum Vergleich: In Toiletten gibt es nur hundert Keime pro Quadratzentimeter.

Natürlich sei Käse auch nichts anderes als vergammelte Milch, findet der Stuttgarter Zoologe Sebastian Lotzkat, der mit an der Schau gearbeitet hat. Doch werde der Geruch intensiver, können ihn immer weniger Menschen genussvoll verspeisen. Der sogenannte Milbenkäse ist da wohl zwar besonders teuer, aber auch gewöhnungsbedürftig. Bis zu 50.000 achtbeinige Käsemilben, nur 0,5 Millimeter groß, besiedeln ein Stück Käse: Auf seinen angeblich außergewöhnlichen Geschmack verzichten da viele – auch ich wollte dem nicht nachspüren.  

Ähnliches geschehe bei der asiatischen Durian Frucht. Sie sei äußerst schmackhaft, doch ihr Geruch stößt viele ab. So ist es in vielen asiatischen Ländern verboten, sie in Bus oder Bahn mitzuführen. Wer sich dann doch lieber an klare Formen hält, braucht nur wenige Schritte weiterzugehen.

Direkt neben der „ekligen“ Schau finden sich dann beeindruckende Beispiele, wie hochmoderne Technik von Ideen aus der Natur lernen kann. Die Entwickler selbstschärfender Messer haben sich etwa ihre Idee vom Biber abgeschaut: Deren Zähne bestehen aus zwei verschieden harten Substanzen. Beim Nagen reibt sich der schwächere Schmelz mehr ab, so dass der härtere immer schon scharf bleibt. Haifischhaut, Spinnennetze oder Bambusstangen geben ebenso Beispiele, wie Materialien möglichst stabil und effizient nachgebaut werden können. Die Grenzen zwischen Ekel und Faszination an den Rändern der Schöpfung sind fließend.

                           Susanne Borée

Die Schau „Ganz schön eklig“ ist bis zum 28. April im Eingangsbereich des Nürnberger Tiergartens zu sehen. Eintritt werktags von 9 bis 16.15 Uhr, am Wochenende bis 16.45 Uhr. Mehr im Internet unter www.bionicum.de.


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