Editorial: Wichtiges Teilen

Martin Bek-Baier
Martin Bek-Baier

Neulich habe ich mich mit einem Kollegen auf dem Gang des Büros unterhalten. Wir trafen uns zwischen Tür und Angel und plauderten darüber, was Menschen einander mitteilen. Eben hier auf dem Büroflur, im Geschäft an der Ladentheke und – heutzutage verstärkt – im Internet, in den sozialen Medien, wie auf Facebook.

Oder eben auch am Handy mit Nachrichtenprogrammen wie Whats App oder Threema und Co. tauschen Menschen praktisch den ganzen Tage Dinge aus.
Besonders, so der Kollege, bei den letzteren Nachrichtenapps, teilt man so manches Lapidare und Nebensächliche: Das neueste süße Katzenvideo, einen anzüglichen Witz oder wie müde man am Montagmorgen ist. Oft geht es auch um Tratsch über Nachbarn, Kollegen oder Personen der Öffentlichkeit. Manchmal teilt man den Ärger über Politik und den Zustand der Welt allgemein. Die sozialen Medien machen da längst den Stammtischen Konkurrenz.

Warum, so mein Kollege, teilt man nicht das wirklich Wichtige? Warum teilt man nicht seinen Glauben? Warum teilt man zwar Dinge über „Gott und die Welt“, wie man sagt, aber tauscht sich nicht in Wirklichkeit und im Wortsinn über Gott und die Welt aus?

Was wäre dabei, so mein Bekannter, wenn man statt, „In fünf ­Minuten geht das Länderspiel los! Wer schaut noch, außer mir?“, auf WhatsApp, Twitter oder Facebook schreiben würde „Morgen um 10 Uhr ist wieder Gottesdienst in
unserer Kirche! Wer kommt mit?“

Oder warum kann man nicht seine Glaubensüberzeugungen einander erzählen, wenn wieder ­jemand jammert, wie schlecht es um die Welt im Allgemeinen und ihn im Besonderen bestellt ist?

Statt zu wettern, „Daran ist nur die Regierung schuld!“, könnte man doch schreiben, „Lasst uns doch für die Regierung beten!“, oder wenn es einem bange ums Herz ist, „Und trotzdem glaube ich, dass Gott uns im Leben be­gleitet.“

Die Welt um uns herum ist natürlich auch voll von Alltäglichem und Selbstverständlichem. Darüber kann und darf man miteinander reden oder es sich mitteilen. Aber wenn für uns der Glaube zum Alltag gehört und selbstverständlich ist, dann sollten wir im Alltag ganz selbstverständlich davon auch schreiben oder reden.

                                 Martin Bek-Baier

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