Hoffnung für die Kirche

Inge Wollschläger
Inge Wollschläger

Als das jüngste Kind noch sehr klein war, erzählte es mir immer, wie es "früher" war. Vor seiner Geburt wohnte er bei Gott und Jesus und spielte mit ihnen.
Vielleicht hatte er eine überschäumende Phantasie und ein großes Geschick für wundersame Geschichten.

Ich erzählte ihm neulich davon, als es einmal wieder Gejammer gab, weil er zum Konfi-Unterricht "musste". Kirche ist unattraktiv für ihn. Die Gottesdienste langweilig, das Angebot für ihn mehr als überschaubar. Seine Interessen liegen woanders. Da hat Kirche für ihn wenig bis nichts zu bieten. Sie trifft seinen Geschmack in keinster Weise. Er wäre also der zukünftige Kandidat, an den vielleicht die EKD auf ihrer Synode gedacht hatte, als sie ihre zehn Thesen zum Schwerpunktthema "Der Glaube junger Menschen" veröffentlichte: Was brauchen sie, um sich mit ihrem Glauben und ihrem Engagement in der evangelischen Kirche angenommen zu fühlen und entfalten zu können?

Es wird viel "wahrgenommen" und "gesehen" und "entdeckt". Und ich verstehe Menschen, die in den sozialen Netzwerken all das mit "typischem Geschwurbel" kommentieren, "die nur von Kirchenleuten kommen können".

Ich kann sie verstehen.

Nichts daran ist wirklich neu und innovativ oder reißt einen vor Begeisterung vom Hocker. Nichts überrascht einen daran - im Gegenteil: Würde man mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen so hin und wieder plaudern, wären all diese Thesen überflüssig. "Macht doch endlich!", möchte man in die Kirchenwelt rufen. Traut euch. Nehmt meinetwegen wahr und entdeckt und seht. Aber dann probiert endlich aus und "schwurbelt" nicht rum. Benutzt nicht schon wieder ähnliche Phrasen, die mich - gefühlt mein Leben lang - begleiten. Redet mit den "Jungen" und nicht über sie hinweg und bindet sie ein.

Doch es gibt Hoffnung - auch für das kirchenermattete Kind: In der letzten Stunde gab es viel Spaß und Spannung. Ich habe zwar nicht genau verstanden warum, aber vielleicht lag es daran, dass das Thema "Jugendarbeit" gewählt wurde. Von jungen, engagierten Menschen für die Konfis gestaltet. Sie schienen begeistert zu haben. Das ist ein Anfang. Unabhängig von jeder These. 

Inge Wollschläger