Editorial: Der Ertrag des Jahres

Susanne Borée
Susanne Borée

Welchen Ertrag konnte ich aus den vergangenen Monaten Lebenszeit für mich einsammeln? Da ich weder Bäuerin noch Gärtnerin bin, weitet sich der Erntedank für mich zu dieser Frage. Der Herbst ist die Zeit der Ernte. Da geht es nicht um den materiellen Gewinn, sondern um Augenblicke, in denen meine Seele ein wenig zu sich selbst kam. Wann und wie konnte sie ein wenig den Atemhauch Gottes spüren? War er wie ein Schmetterlingshauch an Verstehen? Oder Wärme auf meiner Haut? Oft waren diese Momente auch überdeckt vom Lärm draußen, der eigenen Ungeduld oder dem Getriebensein.  

"Dankbarkeit fällt nicht vom Himmel. Sie kann erlernt und durchaus auch geübt werden. Die Anstrengung lohnt sich. Denn dankbare Menschen sind zufriedener", so schreibt Dieter Sell zum Erntedank.

Eine gute Anzahl der Leser sind dem Sonntagsblatt-Aufruf gefolgt und haben der Redaktion geschrieben, an welchen Orten sie Frieden finden können oder bereits gefunden haben. Eine Auswahl, um "die Seele erhellen" lassen, finden Sie auf den Mittelseiten.

Auch unser Christliches Jahrbuch mit diesem Thema wird demnächst versandfertig. Es war in diesem Jahr etwas ganz Besonderes, es unter die Herausforderung der Jahreslosung 2019 zu stellen: "Suche Frieden und jage ihm nach" (Psalm 34,15). Ob und wie kann das gelingen? Die Redaktion wünscht Ihnen allen, dass Sie dort Gedanken und Bilder entdecken, die auch Sie nicht unberührt lassen.

Um mir die Sonnenwärme in alltäglichen Erlebnissen oder Begegnungen zu vergegenwärtigen, braucht es nicht unbedingt eine "Dank-App" auf dem Smartphone, wie es Dieter Sell beschreibt. Es geht auch traditioneller: Es lohnt sich, Bohnen (oder Vergleichbares) bei sich zu tragen. Sie können bei der Begegnung mit einem glücklichen Moment in eine andere Tasche wandern. Die Erinnerung daran lässt sich abends erneut auskosten.

Die Sonntagsblatt-Leserin Waltraud Monath findet aber auch Frieden im Betrachten der Wolken. Sie beschatten nicht nur die Welt, sondern tragen auch eine Erfahrung der Weite in sich. Dies wünscht Ihnen

Susanne Borée