Editorial: Stille Wahl, heilige Wahl?

Martin Bek-Baier
Martin Bek-Baier

Irgendwie kommt es einen diesmal so ruhig vor, vor der Wahl. Nein, nicht die Landtagswahl ist gemeint, sondern die Kirchenvorstandswahl am 21. Oktober. Nicht, dass Kirchenvorstandswahlen von Haus aus übertrieben viel Lärm, will heißen reden von sich machen. Es sind schon immer ruhigere Wahlen. So ruhig, dass die Wahlbeteiligungen in den letzten Perioden im Schnitt eher niedrig waren. Beunruhigend niedrig.

Aber diesmal war bislang so gar nichts in der Öffentlichkeit im Vorfeld zu hören. Die Aufstellung der Kandidaten ist im Frühjahr längst gelaufen. Das offizielle Motto für die Wahl kommt schon so unentschlossen daher: "Ich glaub. Ich wähl." Hoffentlich bedeutet das nicht, dass die Wahlbeteiligung noch weiter zurück geht.
Nun hat sich das Präsidium der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zu Wort gemeldet. Vizepräsident Walter Schnell hat die Kirchenglieder zur Teilnahme an den Kirchenvorstandswahlen aufgerufen. Zu Recht! Denn sie sind für das Leben in der Kirche grundlegend.

Erstens sind diese Wahlen das Rückgrat dessen, wie unsere Kirche funktioniert. Sie ist demokratisch aufgestellt. Nicht die Pfarrerin oder der Pfarrer leitet offiziell die Kirchengemeinde, sondern der gewählte Kirchenvorstand. Er trifft die Entscheidungen wohin die Reise einer Gemeinde geht. Er darf gegebenenfalls die Pfarrerin, den Pfarrer wählen.

Wer sich bei so viel Einfluss dieses Gremiums den Luxus der Zurückhaltung gönnt, und nicht zur Wahl geht, der darf sich nicht beschweren, wenn die Gottesdienste nicht so sind, wie er sie sich wünscht. Wer die Wahl ignoriert, verpasst die Einflussnahme darauf, wie er sich den Konfirmandenunterricht für sein Kind vorstellt. Er überlässt es anderen, diejenigen zu wählen, die bestimmen, wer Gemeindehaus, Kirche oder Friedhof gestaltet und verwaltet.

Der Kirchenvorstand trägt große Verantwortung, stellt grundlegende Weichen für das Leben einer Kirchengemeinde und gestaltet das Leben in ihr aktiv mit, so Schnell. Zudem werden die Mitglieder der Landessynode von den Kirchenvorständen gewählt. Die Synode wiederum wählt den Landesbischof und entscheidet über den Haushalt und die Kirchengesetze. Wem also etwas an seiner Kirche liegt, der weiß, dass er wählen geht.

                                 Martin Bek-Baier