Editorial: Dialoge, keine Monologe

Susanne Borée
Susanne Borée

Ich will Ihnen mal etwas mitteilen - aber ich will nicht mit Ihnen reden. Kürzlich erreichte das Evangelische Sonntagsblatt eine solche Nachricht. Vielmehr: Sie erreichte uns gerade nicht. Ein Leserin schüttelte beim Vertrieb telefonisch ihr Herz aus - wollte aber ausdrücklich nicht mit der Redaktion verbunden werden. Name und Telefonnummer hinterließ sie sowieso nicht. Muss ich die Gesprächszusammenfassung, die mich daraufhin per E-Mail erreichte, wahrnehmen?

Szenenwechsel: Ein Sonnentag am See. Ein leichter Wind fährt durch die Bäume. Die Blätter rauschen - alles perfekt. Plötzlich dreht aber eine Gruppe von Menschen ihre Musik auf. Wie gerne würde ich meine Ohren dagegen verschließen!
Welchen Raum nimmt die gerade dargestellte Telefonnotiz für mich ein? Kann der Ärger einer unbekannten Leserin nicht wie ein Wind durch das Laubwerk sein? Es gehört dazu, beschattet ein wenig die Sonne, muss aber nicht ins Bewusstsein dringen? Oder irritierte es wie zu laute Radiomusik nebenan?

Anregende Dispute würzen den Alltag. Sie helfen, die Richtung unserer gemeinsamen Fahrt ein wenig feiner einzustellen. Es ist wie ein erfrischender Wind, wenn wir zu lange im eigenen Saft schmoren. Dazu helfen Dialoge - keine Monologe. An sich bilde ich mir auch ein, nicht gerade zum Menschenfressertum zu neigen - auch nicht bei fehlenden Umgangsformen.

Das Sonntagsblatt versucht, eine breite Palette aus ganz verschiedenen Bereichen anzubieten. Der Blick über den Tellerrand, der Perspektiven weitet, gehört genauso dazu wie die Darstellung beispielgebenden Engagements der Gemeinden aus möglichst ­vielen Regionen direkt vor uns. Da beeindruckt ihre Viefalt. Kultur, Beispiele sozialer Verantwortung und Kirchenpolitik sind weitere Komplexe. Artikel aus diesen Wochen, die uns nicht so zeitlich gebunden scheinen, werden uns sicher in den August hinein begleiten.

Gleichzeitig beginnt dann ein sommerliches Atemholen für die Seele. Alles hat seine Zeit. Lasst uns die nächsten Wochen nutzen, um ein wenig Wärme zu tanken.
Ich hoffe, ich kann in der Sommerzeit zu laute Radiomusik am See wie Blätterrauschen wahrnehmen und auf gelingende Dialoge hoffen, mit denen wir gemeinsam unterwegs sind.

Susanne Borée