Gott spricht alle Sprachen

Lobpreisteam
Mitglieder des Lobpreisteams: Die Sänger und Sängerinnen kommen vom Freedom Worship Center, der russischen Gemeinde, von Wineyard/Würzburg und der Koreanischen Gemeinde. Foto: Baumann

Interkulturelle Gemeinde in Würzburg

Gemeinsam haben wir die Vision, dass die Erlöserkirche ein Zeichen der Hoffnung sein wird: für ein gelingendes Miteinander unterschiedlicher Kulturen, für die Möglichkeit von Verständigung, Gespräch, Begegnung und Austausch auch über kulturelle Grenzen hinweg." So steht es im Konzept der Interkulturellen Kirche der Deutschhaus- und Erlösergemeinde im Stadtteil Zellerau in Würzburg. Ihre wachsende Gemeinde mit unterschiedlichen Kulturen und Nationalitäten ist auch mit einem Signal verbunden, das über den gemeindlichen Bereich hinaus gehen soll: Was in dieser Gemeinde gelingt, soll ein Zeichen für die Möglichkeit gelingenden Miteinanders auch für die Gesellschaft sein.

Nun findet am Johannistag, 24. Juni, zum dritten Mal ein Interkultureller Gottesdienst statt. Er wird von Gemeinden unterschiedlicher Sprache und Herkunft - einer Gemeinde aus Südkorea, die Russische namens "Liebe Gottes" - sowie Mitgliedern des Freedom Worship Centers in der Erlöserkirche gefeiert.
Der Wunsch der Gemeinde von Deutschhaus- und Erlöserkirche war es dabei, dass es neben der parallelen Nutzung der Gottes- und Gemeindehäuser auch Schnittstellen gibt, an denen Begegnung und Austausch stattfinden können.
Inge Wollschläger hat sich mit der Dekanin von Würzburg, Edda Weise, Pfarrer Gerhard Zellfelder und Diakon Dirk Rothmann die Geschichte dieser Gemeinde erzählen lassen.

Wie kam es zur Gründung der Interkulturellen Kirche?

Edda Weise: Die Idee, mit der interkulturellen Kirche anzufangen, kommt aus mehreren Quellen: In einer Pfarrkonferenz haben wir durch die Arbeitsstelle "Evangelische Landeskirche Bayern Interkulturell" erfahren, dass mehr als zehn Prozent der Evangelischen im Dekanat Würzburg nicht aus Deutschland kommen. Im Jahr 2014 hatten 6.378 Gemeindemitglieder einen ausländischen Geburtsstaat. Insgesamt gibt es bei uns Gemeindemitglieder aus 113 Nationen. Viele Glaubensgeschwister anderer Sprache und Herkunft treffen sich in kleinen Gemeinden und Gemeinschaften. Viele dieser Gemeinden sind wiederum in unseren Kirchen und Gemeindehäusern zu Gast, im Raum Würzburg gibt es ungefähr zehn bis 15 solcher Gemeinden. Warum nicht die Vielfalt kennen lernen? Warum nicht gemeinsam feiern?

Dann war da noch die Erlöserkirche: eine architektonisch bedeutende Kirche im multikulturell geprägten Stadtteil Zellerau. Der Kirchenraum hat neben der Nutzung als zweite Kirche der Deutschhausgemeinde Platz für die interkulturelle Kirche und ihre Gottesdienste.

Was zeichnet diese Art von Gemeinde aus?

Edda Weise: In der interkulturellen Kirche feiern die verschiedenen Gemeinden miteinander. Es wird nicht versucht einander die Schäflein wegzunehmen. Vielmehr geht es um das Miteinander der verschiedenen Sprachen, Kulturen und Frömmigkeitsstile. So kann man mitten in Würzburg afrikanische, koreanische, rumänische, amerikanische und viele andere Gemeinden besuchen, kennen lernen und voneinander lernen.

Zuerst haben wir Gottesdienste miteinander geplant und gefeiert so wie Anfang Mai auf der Landesgartenschau. Dann haben wir darüber nachgedacht, wie wir für unsere Stadt und ihre Menschen etwas tun können. Es gab ein Friedensgebet für die Stadt in den verschiedenen Gemeinden rund um den Jahreswechsel von 2017 auf 2018. Das wollen wir wiederholen. In der Weihnachtszeit hat ein gemischter Chor in drei Altenheimen gesungen, um Freude zu verschenken. Für den nächsten Herbst planen wir gemeinsame Besuche bei einsamen Menschen und eine Reise zu den Lutherstätten Wittenberg und Eisenach.

Wie nahm es die Deutschhausgemeinde auf und wie empfinden sie den "Zuwachs"?

Gerhard Zellfelder: Der Kirchenvorstand der Deutschhausgemeinde hat intensiv diskutiert, eine Konzeption erarbeitet und die interkulturelle Arbeit auch bewusst als Aufgabe beschlossen. Auch der Dekanatsausschuss hat zu diesem Arbeitsfeld einen Beschluss gefasst.

Wer macht da alles mit?

Edda Weise: Mitglieder aus der Deutschhausgemeinde, Mitglieder der Evangelische Studierendengemeinde, Dekanatsausschuss und Mitglieder aus der koreanischen, der russischen Gemeinde und von der Gemeinde freedom worship center. Wir haben im vergangenen Jahr ein Forum "Christen für die Stadt" gegründet, das diese Arbeit unterstützt und begleitet. Zu den Gottesdiensten und Aktionen laden wir dann alle uns bekannten Gemeinden und Gruppen ein, zu kommen und mitzuwirken.

Was ist das Ziel?

Gerhard Zellfelder: Christus verbindet Welten - das können wir in unserer eigenen Stadt und Region bei den interkulturellen Gottesdiensten erleben. Gemeinsam engagieren wir uns für unsere Stadt durch das Friedensgebet und in der Sorge für andere Menschen. Im Erleben gemeinsamer gefeierter internationaler Gottesdienste und in der Begegnung mit Christinnen und Christen anderer Sprachen sind mir Leitsätze wichtig geworden, die für mich Erlebtes, Erfahrenes und Empfundenes zusammenfassen: Gott spricht alle Sprachen und Gottes Geist macht was er will.

Was hat sie bewegt und begeistert in dieser gemeinsamen Zeit?

Edda Weise: Als die Spannung zwischen Nord- und Südkorea im vergangenen Jahr immer mehr gestiegen ist, konnten wir bei einem Friedensgebet der koreanischen Gemeinde unmittelbar Anteil an den Sorgen und Hoffnungen der Koreaner nehmen. Dirk Rothmann: Besonders spannend ist bei diesen schon gemeinsamgefeierten Gottesdiensten neben dem gemeinsamen Singen und Beten das bunte Nebeneinander verschiedenster christlicher Traditionen. So gibt es neben einem Lobpreisteil zu Beginn, Lesungen und Gebeten in koreanischer, russischer und englischer Sprache, zwei Ansprachen auf koreanisch und deutsch. Nach einem Kollektengang zu rythmischer Musik folgt das Abendmahl in lutherischer Tradition.

                           Inge Wollschläger

Der Internationale Gottesdienst wird am Sonntag, 24. Juni, um 15 Uhr in der Erlöserkirche gefeiert. Der Gottesdienst ist mit Kindergottesdienst verbunden. Anschließend sind alle herzlich zu einem Fest der Begegnung eingeladen. 

 

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