Welche Farben hat die Zukunft?

Bischof Geza Filo
Bischof Geza Filo mit einem Bild Trubers und einem Faksimile der ersten slowenischen Bibel. Foto: Borée

Evangelische Kirche in Slowenien zwischen Traditionen und aktueller Verantwortung

"Liebe Slowenen", mit dieser Anrede beginnt der Katechismus Primus Trubers (Primož Trubars). "Damit hat er unserem Volk erstmalig einen Namen gegeben", erklärt Bischof Geza Filo. Zwar hat die Evangelische Kirche in Slowenien gerade einmal 10.000 Mitglieder. Doch der Reformationstag ist jedes Jahr ein staatlicher Feiertag. Wie passt beides zusammen? Um seinen Katechismus überhaupt aufschreiben zu können, musste Truber (1508-1586) erstmals Buchstaben aus der lateinischen Schrift mit Häkchen und Pünktchen versehen, damit sie Laute seiner Muttersprache angemessen wiedergeben konnten.

Die Druckerschwärze der altehrwürdigen Bücher prägt die Vergangenheit. Dabei lebte Truber damals schon fern der Heimat südlich des heutigen Österreichs: im fränkischen Rothenburg ob der Tauber. Zuvor war er in Nürnberg offiziell zum lutherischen Glauben übergetreten. In seiner Heimat konnte er nicht bleiben. Denn Slowenien gehörte bereits damals zum Habsburgerreich.

"Wir sind eine historische Kraft", das steht für Bischof Geza Filo fest.  Er steht damit gerade einmal 14 Gemeinden evangelischen augsburgischen Bekenntnisses vor. Der Reformator Primus Truber gilt durch den Katechismus als Vater der slowenischen Sprache und Identität.

Evangelische Gemeinden sind in Slowenien nicht nur eine historische, sondern gleichzeitig auch eine soziale Kraft. Im armen Osten des Landes verteilen ehrenamtliche Helfer etwa hundert Mal täglich Essen auf Rädern an ältere Mitbürger. Und sie verleihen Pflegebetten an Bettlägrige. Ein Platz in einem Pflegeheim ist in Slowenien unbezahlbar. Also ist Hauspflege angesagt. Aber: "Die Krankenkassen in Slowenien stellen Pflegebetten nur in ganz einfacher Ausführung zur Verfügung. Ihre Bereitstellung dauert zu lange für jemanden, der akut pflegebedürftig ist." Weit wie der blaue Himmel über dem welligen grünen Land ist die Unterstützung für alle.

So erklärt das Gustav-Adolf-Werk in seinem Jahresprojekt 2018 der Frauenarbeit 2018 zu Slowenien und dem Kosovo, der vor genau zehn Jahren seine Unabhängigkeit von Serbien erklärte. Und Slowenien befindet sich nun vielfältig im Brennpunkt ökumenischer Aufmerksamkeit. So wird es 2019 den Weltgebetstag der Frauen ausrichten (wir berichteten).

Das Zauberwort heißt da "Podpornica", auf Deutsch "Unterstützung". Sie hilft allen Bedürftigen. Betten und andere Pflegehilfen können geliehen werden. Sie "stammen aus Spenden von Pflegeheimen in Österreich oder Deutschland, die ältere Modelle ausmustern."

Die Lieferungen aus Deutschland haben eine Tradition, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. In Weinfässern versteckt kehrten viele in Franken gedruckte Exemplare von Trubers Werken und bald schon ebenso slowenische Bibelübersetzungen Trubers und seines Schülers Georg (Jurij) Dalmatin nach Slowenien zurück. Die Bevölkerung nahm sie begeistert auf. Ende des 16. Jahrhunderts waren "98 Prozent der Menschen in Ljubljana", der heutigen Hauptstadt Sloweniens lutherisch, so Geza Filo. Endlich hatten sie eine Möglichkeit in ihrer Landessprache Bildung zu bekommen. Schließlich waren Slowenen von den Habsburgern als "Volk der Knechte" verachtet. Auch in der Region Krain oder Kranj nördlich von Ljubljana herrschte die protestantische Überzeugung vor.Der Reihe nach: Um 1562 versuchte Truber in seine Heimat zurückzukehren. Er wollte als Superintendent die kirchlichen Verhältnisse dort ordnen. Schon drei Jahre später musste er wieder fliehen - nun nach Derendingen bei Tübingen. Nach Beginn des 17. Jahrhunderts setzte die Gegenreformation noch massiver in Slowenien ein. Die Protestanten hatten nur noch die Wahl auszuwandern oder ihrem Bekenntnis abzuschwören. Rot und rau brannte die Farbe der Gewalt.

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