Sich auf den Weg machen - und das kreativ!

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Der missionarische Auftrag bei der Suche nach ''Profil und Konzentration'' - Studientag

Ist der landeskirchliche Prozess Profil und Konzentration (PuK) eine Chance für die Kirche und ihre missionarische Dimension? Oder ist es lediglich ein Regulator für den Umbau der Kirche? An einem Studientag des "Forum missionarische Kirche" im Nürnberger Amt für Gemeindedienst in Nürnberg plädierten Kirchenrat Thomas Prieto Peral und der 1. stellvertretende Vorsitzende der Landessynode, Dekan Hans Stiegler, leidenschaftlich für erstere Position.

Das Motto des Tages klang hochgestochen: "Profiliert und konzentriert Zeugnis geben von der menschgewordenen Liebe Gottes". So hatten die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Tages den landeskirchlichen Prozess Profil und Konzentration (PuK) wohl noch nie betrachtet. Das "Forum missionarische Kirche" hatte unter dieser Überschrift aber zu einem Studientag ins Amt für Gemeindedienst geladen, um diesen wesentlichen Aspekt von PuK zu bedenken. "Denn PuK will mehr sein als nur ein "Regulator im Umbau der Kirche", wie ihn bisher viele sehen, so Christian Eyseleyn vom Forum.  

Hans Stiegler, Dekan im Dekanatsbezirk Ansbach und 1. Stellvertreter im Präsidium der Landessynode plädierte dafür vom Inhalt des Glaubens her zu denken und nicht von den Strukturen der Kirche. "Bei PuK geht es nicht um Strukturen, nicht um die Defizite der Kirche, sondern es sei Konzentration auf die Mitte unseres Glaubens", ist Stiegler überzeugt: "auf Jesus Christus hin."

PuK wolle Mut machen nach Antworten zu suchen, die die reale Wirklichkeit nicht ausschließen, aber die Verheißungen Gottes mit in den Blick nehmen. "Führt Gott unsere Kirche, geht er mit seinem Volk durch die Geschichte?", fragte der Dekan. Schließlich stellt sich die Frage, "Wirkt der Heilige Geist bei uns?"

Mission als Wesenszug

Kirchenrat Thomas Prieto Peral ist Planungsreferent der Landeskirche und in dieser Eigenschaft federführend mit PuK befasst. Mehr als 70 Veranstaltungen zu Puk hätten bisher in der Landeskirche  stattgefunden. Mission ist ein Grundmerkmal  kirchlicher Existenz und kirchlichen Arbeitens, so Prieto Peral. Der Missionsbefehl Christi sei grundlegend. Er gab zu bedenken, dass Mission nicht nur etwas Imperativisches haben kann, also einen Befehls- und Ausführungscharakter hat. Mission könne auch etwas Indikatives in sich bergen; also eine Aussage darüber sein, was Kirche in Wirklichkeit schon ist. Als Beispiel brachte er die Worte Christi ins Spiel, "Ihr seid das Salz der Erde, Ihr seid das Licht der Welt!" Der Christ i s t Gewürz oder Licht für die Welt. Diese Aussage gelte grundsätzlich für die Menschen in der Kirche. Unter diesem Blickwinkel könne man PuK ganz anders sehen und arbeiten.

Soweit die theoretischen Grundüberlegungen. Dann wurde der Kirchenrat durchaus auch konkreter. Er erläuterte die zehn missionarischen Ausrichtungen, die zu PuK erarbeitet wurden. Unter anderem müsse die Kirche in die Mitte der Gesellschaft gehen, an den Angelegenheiten der Lebensräume, wie Stadtteile oder Dörfern, aktiv teilnehmen und mitwirken, sie zu gestalten.

Die Teilnehmer des Studientages waren den Argumenten der Referenten gegenüber durchaus aufgeschlossen. Die geistliche Dimension des Prozesses ist das Eine. Um die sollte es auch vorrangig an diesem Studientag gehen. Konkrete Erfahrungen sind das andere: Bedenken gab es angesichts dem bisherigen Verhalten der Kirchenverwaltung in München und deren aktuellen Aussagen. Die Angst von "Verteilungskämpfen" und "Bewertungen von oben", wie bei vergangenen Landesstellenplänen vermutet,  sitzt tief. Zu unterschiedlich sind die Erfahrungen, die die Gemeinden und Dienststellen der Kirche bisher gemacht haben. "Wenn Gemeinden auf eine Einrichtung, wie einen Kindergarten oder eine Kirche als Predigtstelle verzichten, schlägt das sich nicht nieder auf die Bewertung der Gemeinde und der Dienststelle?"  Erfahrungen mit einem Punktesystem ­- das Dekan Stiegler allerdings nicht kennen wollte - "lehrten" Pfarrer, so eine Aussage, dass man um alles was Punkte bringt kämpfen muss.  

In der Diskussion gab ein Gemeindepfarrer zu bedenken, "Selbst wenn PuK unseren Gemeinden sehr viel ermöglicht, wie soll ich das dann auch noch zu meinen vielen Aufgaben schaffen?"

Ein anderer fragte in die Runde: "Was, wenn wir uns auf den Weg machen und die dafür notwendige Stelle vom Landesstellenplan weggekürzt wird?" "Wenn Sie Inhalte stark machen, und vor Ort erarbeiten, werden Ressourcenentscheidungen ganz anders gefällt werden, als es anhand von Quoten geschehen würde", argumentierte Kirchenrat Prieto Peral dagegen. "Es liegen keine Streichungspläne in irgendwelchen Schubladen", machte er weiterhin deutlich und gab zu bedenken: "Gleichwohl verändert sich Kirche auch in Zahlen." PuK biete die Möglichkeit, sich den veränderten Rahmenbedingungen vor Ort zu stellen, so der Kirchenrat. Mit PuK habe man nun in einer "guten Zeit" die Möglichkeit, sich den zentralen Aufgaben zu stellen und dies dezentral zu tun. Man können nun gerade vor Ort strukturelle und inhaltliche Ansätze bedenken und zusammenbringen.

Aufbruch oder Abwicklung?

"PuK muss sich entscheiden, ob es ein inhaltlicher Aufbruch sein will oder nur ein Prozess, der tröstlich den Rückbau von Strukturen begleitet", sagte Prieto Peral deutlich. Seiner Ansicht nach sei diese Frage noch nicht entschieden.Dekan Stiegler sagte, es gäbe zwei Positionen derzeit in der Kirche. Die einen fragen, "Was sollen wir denn machen? Sagt uns doch endlich, was zu tun ist!". Und es gäbe die anderen, die sagen "Packen wirs an und schauen wir, was wir machen können!" Stiegler rief den Teilnehmern des Studientages zu: "Ich möchte Sie ermutigen, zu überlegen, was Sie machen können. Seien Sie kreativ!"     

                     Martin Bek-Baier