Geistiger Aufbruch im Inneren der Seele

Reliquienkästchen
Szene auf einem Reliquienkästchen aus Limoges: Die Ermordung des Erzbischofs Thomas Becket. Richard I. gründete in Akkon ihm zu Ehren einen Orden. In solchen kostbaren Kästchen konnten Reliquien, wie Splitter vom Kreuz Christi aufbewahrt werden. Foto: Museum Catharijneconvent Utrecht

War Richard I. Löwenherz ein Kreuzritter aus Überzeugung? - Ausstellung in Speyer, 2. Teil

Richard I. Löwenherz wird in die Geschichte als einer der bekanntesten mittelalterlichen Könige und Ritter eingehen. Er gilt als eifriger Kreuzfahrer. Macht- und Geltungssucht wird ihm nachgesagt. Doch waren die Motive für den Kreuzzug tatsächlich nur von Kriegs- und Machtgelüsten geprägt? Warum zog der König wirklich ins Heilige Land und ließ sein großes Reich zurück? Mehr oder weniger überraschende Antworten findet man in der Ausstellung "Richard Löwenherz. König - Ritter - Gefangener", die bis 15. April in Speyer andauert.Es war ein schwarzer Tag für die gesamte Christenheit. Am 4. Juli 1187 wurde das Heer des Königreichs Jerusalem von Sultan Saladin vernichtend geschlagen. Unweit des Toten Meeres bei Hattin fällt binnen Stunden ein erheblicher Teil der christlichen Ritterschaft im Heiligen Land. Dieses Ereignis zog den "Dritten Kreuzzug" nach sich. Als einer der leidenschaftlichen Anführer  erwies sich Richard I. Löwenherz.

Aus christlicher Sicht war die Niederlage bei Hattin besonders verheerend: Die wichtigste Reliquie Jerusalems, ein großes Fragment des "Wahren Kreuzes Christi" ging verloren. In Folge dieser Schlacht gelang es zudem Saladin viele Kreuzfahrerstädte und schließlich die heilige Stadt Jerusalem mit ihren christlichen Stätten einzunehmen.

In verzweifelten Briefen schrieben die Christen die Nachricht von der Niederlage und den Verlust der heiligen Städten in die Königreiche des christlichen Abendlandes und natürlich an den Papst. Gregor VIII. verfasste daraufhin einen dramatischen Aufruf zu einem neuerlichen Kreuzzug. Gregor VIII. beklagt den furchtbaren Verlust Jerusalems und unterstreicht die Bedeutung dieses Reiches für das Christentum. Der Papst versprach den Teilnehmern ­einen vollständigen Ablass. Er kommt zu dem Schluss, dass der Verlust Jerusalems auf die Sünden des Westens zurückzuführen sei. Nun sei es Pflicht der westlichen Königreiche, eine Wiedergutmachung zu leisten.

Richard I. war sofort persönlich vom Aufruf des Papstes ergriffen. Er nahm das Kreuz aus religiöser Überzeugung auf. Als erster Adliger nördlich der Alpen im November hatte er 1187 ein Kreuzzugsgelöbins abgelegt. Damals war er noch Prinz und Herzog von Aquitanien. Erst im Herbst 1189 sollte er König werden.
Natürlich spielten auch weltliche, familiäre und feudale Überlegungen für Richard eine Rolle ins Heilige Land zu ziehen. Seine Mutter, Eleonore von Aquitanien hatte am Zweiten Kreuzzug (1147-1149) teilgenommen. Die Dynastie der Herrscher von Jerusalem stammten von seinem Urgroßvater ab. Der derzeitige König von Jerusalem war ein Lehnsmann Richards. Motivationen genug, sich auf Kreuzfahrt zu begeben.

Richard I. herrschte nicht nur über das, was wir heute England nennen. Sein Reich wird Angevinisches Reich genannt und reichte von den Pyrenäen bis nach Schottland. Es umfasste neben England, die Normandie, das Anjou, Poitou, Gascogne, Bretagne, Wales, und Irland.

Der Dritte Kreuzzug schien zu Beginn unter schlechten Vorzeichen zu stehen. Die Könige von Frankreich Philipp II. und Heinrich II. von England, Richards Vater, waren in Auseinandersetzungen verstrickt und mussten ersteinmal Frieden schließen. Heinrich war nicht von Richards Vorhaben ins Heilige Land zu ziehen erbaut. So kam es, dass Friedrich I. Barbarossa, König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bereits im Mai 1189 mit dem bis dahin größten christlichen Heer aufbrach. Allerdings kam es bei der Überquerung des Flusses Saleph am 10. Juni 1190 zu einem folgenschweren Unfall: Barbarossa ertrank. Ein Teil des Heeres kehrte daraufhin zurück, ein Teil zog unter Führung Barbarossas Sohn Friedrich nach Akkon und schloß sich der dortigen Belagerung der muslimisch besetzten Stadt an.

Die Eroberung dieser Stadt, bei der die Franken tief in feindlichem Territorium eine Belagerungsstellung um die Stadt halten konnten, obwohl sie ihrerseits von den Truppen Saladins eingekesselt waren, gilt als das herausragende Ereignis des Dritten Kreuzzugs.

Der Held der Christenheit => weiter