Editorial: Auf zu neuen Jahrestagen!

Susanne Borée
Susanne Borée

''Was macht das Evangelische Sonntagsblatt nur, wenn das Reformationsjahr vorbei ist?" So fragte mich im Herbst eine Freundin. Oh, kein Problem: Ideen gibt es genug. Da führe ich einen ganzen Zettelkasten mit Ideen, für die ich aktuell keine Zeit habe, die aber vielleicht im Jahr Gestalt gewinnen können.

Ja, und 2018 werden uns auf keinen Fall die Gedenktage ausgehen. Von der Reformation fallen wir gleich in den Dreißigjährigen Krieg. Der begann zwar erst 101 Jahre später, also bekanntlich 1618. Aber in dem engen Zusammenschnüren der Gedenkjahre gewinnt die ganze Dramatik dieser generationenlangen Entwicklung an Fahrt.

Ach, und den Ersten Weltkrieg haben wir längst noch nicht beendet. Dann wurde halb Mitteleuropa unabhängig. Na, und da fällt mir gleich der Prager Frühling 1968 ein. Und was sonst zu dieser Zeit noch los war. Und alles, bevor überhaupt ein Blick in die Liste möglicher Gedenktage nötig war.  

Es geht nicht nur darum, einen Jahrestag nach dem nächsten abzuhaken. Als Historikerin und Theologin sind mir nicht nur für das Sonntagsblatt die Entwicklungslinien wichtig. Es geht letztlich um die Menschen, die an ihren Zeitläufen gewachsen und gebrochen sind.

"Vielleicht hat es bessere Zeiten gegeben, aber diese ist die unsere", sagte Jean Paul Sartre. Wenn ich diese Gedenktage überfliege, bin ich mir da nicht so sicher.
Mehr als sieben Jahrzehnte ohne Krieg und ohne Hunger, dafür mit Zentralheizung, elektrischem Licht und nun auch Internet sind an sich gar nicht so schlecht. Wir leben sicherlich in einer Übergangsphase. So vieles ändert sich in rasender Geschwindigkeit. Allein schon die Rede von Gott muss sich diesen Herausforderungen stellen.

Alte Lösungen bei globaler Vernetzung, dem Klimawandel oder sozialer Verantwortung tragen nicht mehr - neue fordern von uns Einschränkungen, die wir (noch) nicht bereit sind zu geben.

Auch hier eine kleine Erinnerung: 1873, nachdem schon mehr als zehn Jahre Fußballregeln fixiert waren, wurde endlich der Schiedsrichter erfunden. Natürlich erstickt Regulierungswahn die Kreativität. Doch muss auch eine Instanz Regeln durchsetzen können.

Bevor ich also wieder in den verstaubten Archivkisten wühle, wünsche ich uns für das neue Jahr 2018 neben Gottes Segen auch ein wenig mehr Zufriedenheit. Ihre

Susanne Borée